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Bereit zum Gefecht: Lotte Ciomperlik präsentiert ihre Fechtausrüstung.   

„Meine Sporttasche“: Heute Fechterin Lotte Ciomperlik (TSV Erding)  

Mit dunkler Maske und schwerer Klinge

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Erding – Die filigransten Duelle werden im Fechten ausgetragen. Die Athleten haben dennoch ganz schön zu schleppen. Und damit ist nicht nur der 1,5 Kilogramm schwere Degen gemeint.

Lotte Ciomperlik trainiert seit vier Jahren zweimal wöchentlich Degenfechten beim TSV Erding. Nachdem sie im Jahr 2015 mit der Schulmannschaft des Korbinian-Aigner-Gymnasiums den bayerischen Vizemeistertitel erkämpft hat, kümmert sie sich nun als Assistenztrainerin hauptsächlich um das Training des TSV-Fechtnachwuchses, die Minis im Alter von acht bis zwölf Jahren. Da es beim Sportfechten hauptsächlich um Sicherheit geht, muss sie recht viel Ausrüstung mit zu Training und Wettkampf nehmen. Sie öffnete für uns ihre Sporttasche.

1 Degen,hier Sportdegen: Die Klinge ist mit Griff 110 cm lang und wiegt bis zu 1,5 Kilogramm. Die Klinge ist an der Spitze abgerundet, um Verletzungen zu vermeiden. Da die Klinge sehr hohen Belastungen ausgesetzt ist, hat der Internationale Fechtverband (FIE) eine spezielle Schmiedung der Klinge vorgeschrieben. Sie ist aus Maraging-Stahl und bricht wesentlich seltener als früher, als es zu lebensgefährlichen Verletzungen kam. Ein Turnierdegen kostet um die 150 Euro.

2 Das Stoßkissenist ein Leinentuch, das früher mit Eselshaar und heute mit Schaumgummi gefüttert ist. Das schwarze Feld ist aus Leder. Es dient Anfängern wie Profis, um die Treffgenauigkeit zu üben. Nur wer schnell und sicher trifft, punktet und gewinnt. Beliebt sind die Spitzenübungen, also der Stoß auf eine der schwarzen Ecken.

Zwei Ersatzdegen und viele Müsliriegel

3 Das Körperkabel verbindet den Degen unter der Fechtjacke mit der Kabelrolle, welche dann an den Fechtmelder angeschlossen ist, um so anzuzeigen, wer wen zuerst getroffen hat. Es ist 1,5 Meter lang, wird unter der Jacke getragen und verbindet den Stecker in der Glocke des Degens mit der Kabeltrommel, welche am Ende der elf Meter langen Fechtbahn steht und ein 25 m langes Aufrollkabel hat. Dank der Elektrifizierung ist der Wettkampf absolut fair, weil immer gewährleistet ist, dass der punktet, der zuerst trifft. Der andere Melder wird sofort blockiert. Kosten: 40 Euro.

4 Ersatzdegen: Das Reglement schreibt bei Wettkämpfen mindestens zwei Ersatzdegen im Falle eines Defekts vor. Und die braucht man auch: Wer an einem Tag 35 Gefechte hat, der muss damit rechnen, dass er mal einen elektrischen Defekt hat.

5 Müsliriegel für die schnelle Energiezufuhr, da ein Wettkampf oft den ganzen Tag dauert. Die Nahrung muss auf Ausdauer ausgerichtet sein. Ein Gefecht endet nach fünf Treffern, spätestens aber nach drei Minuten. An Turniertagen muss man im Erfolgsfall durch zwei Vorrunden und eine Zwischenrunde mit je fünf Kämpfen. Und danach geht die K.O.-Runde mit 32 Gegnern los. Wer’s bis ins Finale schafft, muss nochmal durch drei Runden à drei Minuten. Pasta oder Schweinsbraten liegen zu schwer im Magen. Müsliriegel sind die ideale Nahrung.

6 Trinkflasche: Durch die dicke Kleidung und die Maske schwitzt man sehr stark und muss regelmäßig Flüssigkeit zuführen. Drei Liter Wasser mit wenig Kohlensäure sollte man an langen Turniertagen schon zu sich nehmen. Apfelschorle geht auch.

7. Die Fechthosekostet rund 150 Euro, ist enganliegend und elastisch mit Kevlar verstärkt, um im Falle eines Bruches der Klinge nicht verletzt zu werden. Die Hose muss über Lende und Bauch gehen. Sie schützt vor Stichwunden, aber nicht vor blauen Flecken. Die sind Alltag im Fechtsport.

Duelle in Weiß wie zur Biedermeierzeit

8 Die Unterziehweste aus Kevlar dient dem zusätzlichen Schutz und der Polsterung des Fechtarmes. Für die Fechterinnen ist ein Brustschutz Pflicht.

9 Der Fechthandschuhfür den Fechtarm ist aus Leder, um die Hand zu schützen. Durch die lange Stulpe wird verhindert, dass der Gegner unter die Fechtjacke am Fechtarm stoßen kann. Kosten: zwischen 30 bis 60 Euro.

10 Die Fechtjacke kostet etwa 170 Euro und ist ebenfalls enganliegend elastisch und wie die Fechthose zum Schutz mit Kevlar verstärkt. Auf dem linken Arm befindet sich das Verbandsabzeichen des Bayerischen Fechterbundes. Die Farbe Weiß ist übrigens von der FIE vorgeschrieben. Das rührt vermutlich noch aus der Biedermeierzeit, als die Kavaliere mit weißem Hemd zum Duell baten. Weiße Klamotten lassen sich auch besser reinigen. Die Fechtmeister und Trainer tragen übrigens schwarz.

11 Die Fechtsocken müssen knielang und vorne verstärkt sein, um eventuelle Treffer auf den Beinen abzumildern. Sie dürfen übrigens inzwischen bunt sein.

12 Die Fechtmaske kostet rund 150 Euro und bietet den optimalen Schutz bei Treffern am Kopf. Durch das Metallgitter werden Sicht und Atmung eingeschränkt. Es ist, als atme man durch ein Fliegengitter. Der Schutzring ums Kinn verstärkt noch das beengende Gefühl. Kinder mögen das gar nicht. Versuche, die Maske durch ein Plexiglas zu ersetzen, sind gescheitert. Das verkratzt zu leicht. Inzwischen dürfen nicht nur schwarze, sondern auch bunte Masken verwendet werden. Unser Top-Athlet Andreas Brummer hat zum Beispiel eine Maske mit weißblauen Rauten. Bei Olympia und im Weltcup sind auch Masken in Landesfarben erlaubt. Der Latz muss nicht mehr zwingend weiß, aber einfarbig sein. Die Fechtausrüstung wird regelmäßig vor den Wettkämpfen und jedem Gefecht geprüft.

13. Fechtschuhe:Da sich Fechter sehr schnell vorwärts und rückwärts bewegen müssen, sind die Fechtschuhe extra verstärkt und verfügen über eine rutschfeste Sohle. Noppen machen aber auf der Metallbahn keinen Sinn. Zusätzlich sind die Schuhe oben durch Leder verstärkt, um eventuelle Fußtreffer abzumildern. Zeitweise wurde überlegt, zur Gelenkschonung Stiefel zu verwenden, aber das ginge auf Kosten der Schnellkraft. Die Kosten liegen zwischen 40 und 150 Euro.

14. Das Fecht-T-Shirt der Fechtabteilung des TSV Erding ist ein Wiedererkennungsmerkmal und dient dem Teambuilding.

15 Sporthose unter der Fechthose.

16 Die Gymnastikhosezum Aufwärmen und Auflockern, da die vorgeschriebene weiße Fechtbekleidung sehr leicht verschmutzt.

Unsere Serie:

Jeder Sport beginnt mit der selben Disziplin. Aufwärmen? Nein, noch früher: Tasche packen. Was ist drin? Sportler haben für uns ihre Tasche ausgeräumt.

Dieter Priglmeir und Veit Winkler

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