Im Erdinger Wohnzimmer fieberten alle mit: Tochter Heidi, auf dem Schoß von Oma Gitti, drückte dem Papa ebenso die Daumen wie Schwiegermutter Lu Brandl (2.v.l.), Freunde und weitere Familienmitglieder. 
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Im Erdinger Wohnzimmer fieberten alle mit: Tochter Heidi, auf dem Schoß von Oma Gitti, drückte dem Papa ebenso die Daumen wie Schwiegermutter Lu Brandl (2.v.l.), Freunde und weitere Familienmitglieder. 
Ein Erfolg für die Ewigkeit: Felix Schütz (r.) freute sich mit seinen Teamkollegen bei der Abschlussfeier über Silber.
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Ein Erfolg für die Ewigkeit: Felix Schütz (r.) freute sich mit seinen Teamkollegen bei der Abschlussfeier über Silber.

Olympia-Finale in Pyeongchang

Familie Schütz feiert ihren Eishockey-Helden

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Erding - Skepsis, Jubel, Hoffnung, Enttäuschung und letztlich Stolz – beim olympischen Eishockey-Finale erlebten die deutschen Fans ein Wechselbad der Gefühle. Auch daheim bei Felix Schütz: Während der 30-Jährige in Pyeongchang um Gold kämpfte, hatte seine Frau Caro in Erding zur Finalparty geladen.

So ein Trubel dürfte um 5 Uhr Früh noch nie im Hause Schütz geherrscht haben. Rund 30 Gäste, darunter viele Kinder, bevölkerten das Wohnzimmer der Familie, wo zwei Fernseher installiert waren. Caro Schütz hatte ihre Eltern, Schwiegermama Gitti, Verwandte und Freunde zur Finalparty eingeladen. Große Enttäuschung herrschte unmittelbar nach dem 3:4 verlorenen Endspiel. Aber nur kurz, dann wurde die Silbermedaille gefeiert.

„Finale. Wer hätte das gedacht“, meint Gitti Schütz kurz vor dem Eröffnungsbully, mit Enkelin Heidi auf dem Arm. Die hat ein Deutschland-Trikot an, mit Papas Nummer 55 auf dem Rücken, und eine Deutschland-Fahne in der Hand. Die kleine Schwester Mila wird indes von Mama Caro versorgt.

Ein großes Hallo gibt es, als Sepp Biller mit Familie erscheint und Pater Vincent Kumar dabei hat. „Jetzt hamma göttlichen Beistand, jetzt kann nichts mehr schiefgehen“, meint einer der Gäste. „Das ist mein erstes Eishockeyspiel, ich bin schon so gespannt“, sagt der Geistliche. Ein anderer fragt Gitti Schütz: „Du sag mal, der Felix hat doch schon in Russland gespielt, der kennt doch da sicher ein paar.“ Die Angesprochene entgegnet lachend: „Der kennt alle: Kanadier, Amis, Russen, Schweden – wo der schon überall war.“

Bestürzung dann nach dem 1:0 der Russen, exakt 0,5 Sekunden vor Ende des ersten Drittels. „Hat das jetzt noch sein müssen“, fragt Gitti Schütz. Dann aber Jubel, als Felix Schütz das 1:1 erzielt. „Jetzt hat mein Sohn doch tatsächlich ein Tor im Finale geschossen“, sagt die stolze Mama strahlend. Gastgeberin Caro Schütz bleibt indes nicht viel Zeit zum Jubeln, sie muss die Gäste mit Getränken versorgen.

Im Schlussdrittel wird es dramatisch, die Zwischen- und Anfeuerungsrufe im Schützschen Wohnzimmer werden lauter. Russland geht 2:1 in Führung, nur 23 Sekunden später gleicht Deutschland aus. „Das war die richtige Antwort“, schreit Sepp Biller. Dann liegt plötzlich das deutsche Team 3:2 vorne, die Goldmedaille ist zum Greifen nahe, aber Russland kommt 55,5 Sekunden vor Schluss zum 3:3, obwohl ein Spieler auf der Strafbank sitzt. Entsetzen pur auf deutscher Seite – und im Hause Schütz. Felix’ Bruder Axel schüttelt fassungslos den Kopf.

Es gibt Verlängerung, das nächste Tor entscheidet. Gespielt wird mit Vier gegen Vier, zudem kassiert Deutschland eine Strafzeit, was den technisch starken Russen in die Karten spielt. Es ist mucksmäuschenstill im Wohnzimmer der Familie Schütz, und als die Russen zum 4:3-Siegtreffer kommen, lassen alle die Köpfe hängen. Es dauert eine Zeit, bis sich die deutschen Spieler wieder gefangen haben – und auch die Gäste im Hause Schütz.

Die kleine Heidi versteht gar nicht, warum die Leute plötzlich so traurig sind. Sie freut sich, als sie den Papa bei der Siegerehrung im Fernsehen sieht und schwenkt ihre Fahne. Und als Felix Schütz seine Silbermedaille umgehängt bekommt und lächelt, applaudieren alle im Wohnzimmer. „Wir haben Silber gewonnen und nicht Gold verloren“, lautet der Tenor. „Die Jungs haben Eishockey-Geschichte geschrieben.“

Caro Schütz macht jetzt die Weißwürste heiß und schenkt Weißbier ein. „Wir feiern jetzt“, sagt sie zufrieden und freut sich auf ihren Felix. „Er kommt genau rechtzeitig heim“, sagt sie. „Heidi hat am Dienstag ihren zweiten Geburtstag.“

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