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Gründete 1994 den Hospitzverein Erding: Dr. Jürgen Bickhardt (l.). Zu dessen 80. Geburstag organisierte Dr. Johannes Schollen einen Festakt.

Festakt zu Ehren Dr. Bickhardts

Der Mann mit dem Palliativ-Gen

Der Christophorus Hospizverein Erding gab anlässlich des 80. Geburtstages seines Gründers Dr. Jürgen Bickhardt einen Festakt. Weggefährten ehrten den visionären Mediziner.

AltenerdingAnlässlich des 80. Geburtstages von Dr. Jürgen Bickhardt lud der Christophorus Hospizverein Erding zu einem Festabend ins Evangelische Gemeindezentrum in Altenerding ein. Für die musikalische Umrahmung sorgten Stephan Glaubitz mit dem Kontrabass und Dieter Knirsch am E-Piano, denn dieses Duo hatte sich der Jubilar gewünscht.

Dr. Johannes Schollen, Vorsitzender des Hospizvereins, berichtete aus dem Leben des Jubilars, der in Dresden geboren wurde und in der ehemaligen DDR dreimal vergeblich den Antrag auf ein Medizinstudium gestellt hatte. In Stuttgart holte er das „Westabitur“ nach und konnte dann in München und Freiburg studieren. 1973 wurde er mit 36 Jahren leitender Arzt der Inneren Abteilung des Kreiskrankenhauses Erding und blieb dort bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2001.

Bereits während seiner Tätigkeit in der Klinik engagierte er sich für ein hospizliches und palliatives Konzept, er ließ diese in die praktische Arbeit auf den Stationen einfließen und schließlich auch in die Intensivstation. 1994 gründete er mit Mitgliedern aus dem Klinikum Erding den Christophorus Hospizverein und war bis 2003 dessen Vorsitzender. Bereits damals hatte er die Vision, Palliative Care im Landkreis Erding einzuführen, was allerdings erst seinem Nachfolger Dr. Schmidkonz nach Überwindung vieler bürokratischer Hürden im Jahr 2011 mit der Gründung des PalliativTeams gelang.

Dr. Bickhardt wirkte in vielen Gremien mit, um die Broschüre Patientenverfügung und Vollmachterstellung menschenwürdig und trotzdem rechtlich sicher zu erstellen. Als Vorstandsmitglied im Bayerischen Hospizverband initiierte er Beraterschulungen und organisierte regionale Basis-Kurse in Palliativmedizin, vor allem für Hausärzte. Für seinen außerordentlichen Einsatz in der Hospizarbeit und Palliativbetreuung erhielt Dr. Bickhardt im Jahre 2008 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Trotz des großen Engagements kamen aber auch die Hobbys nicht zu kurz. So musizierte er auf dem Fagott in Kammermusik-Gruppen und regionalen Orchestern, er liebt Fahrrad- und Skifahren, Reisen und das Fotografieren. Er engagiert sich im Orgelbauverein der Evangelischen Kirche Erding und im Weltladen in Erding. „Für Dr. Bickhardt ist das Ehrenamt wichtig, denn ohne Ehrenamt würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren, egal ob Nachbarschaftshilfe oder der Hospizarbeit“, so Schollen.

Prof. Eike Ulich sprach in einer launigen Rede über den „Wundarzt und Medicus“ und über die gemeinsame Jugendzeit in Dresden und die Schulzeit neben den Trümmern der Frauenkirche. Schon damals sei Dr. Bickhardts Energie grenzenlos gewesen. Ulich erzählte, dass Bickhardt neben Stethoskop und Spritze auch das Taschentuch legte, um die Tränen der Patienten trocknen zu können.

Prof. Gerd Hohlbach erinnerte sich, dass der Jubilar 1971 nach Albert Einsteins Worten handelte: „Alles was man sich vorstellen kann, ist auch machbar.“ So durfte er ihm damals assistieren, als dieser einem Patienten den ersten externen Herzschrittmacher im Erdinger Krankenhaus über eine Vene in der Ellbogenregion einsetzte.

Burkhard Köppen, ehemaliger Pflegdirektor im Deutschen Herzzentrum, betonte, dass der Jubilar einer der Ärzte gewesen sei, die Pflegekräfte als gleichberechtigte Partner ansahen. Bickhardt habe sein Leben beeinflusst, denn er konnte die Menschen für seine Pläne begeistern.

Prof. Hans-Peter Emslander lernte von Bickhardt, dass man „das Unmögliche fordern muss, um das Mögliche zu erreichen“. Er überreichte ihm den „Mannsfelder Taler“, ein Schutzamulett.

Bevor Wolfgang Putz mit seiner Festrede zum Thema „Patientenrechte am Ende des Lebens“ begann, erinnerte auch er an die Zusammenarbeit. Für ihn ist Dr. Bickhardt bereits „genetisch vorprogrammiert als Palliativer auf die Welt gekommen“. Putz betonte, wie wichtig die Palliativversorgung in der heutigen Form ist, denn es sei nicht selbstverständlich, dass Ärzte und Justiz reibungslos zusammenarbeiten.

In seinem Schlusswort bedankte sich Dr. Jürgen Bickhardt für die lobenden Worte seiner Wegbegleiter und erinnerte an den Spendentopf, dessen Erlös dem Hospizverein zugute kommt. In einem kleinen Gedicht verarbeitete Bickhardt seine Tagträume: „Eine Gesellschaft in der Menschen leben, die Verantwortung für sich selbst und ihre Gesundheit übernehmen, die Gefühl für den eigenen Körper entwickeln.“ Er wünscht sich „das Ende der Zwei-Klassengesellschaft des Sterbens, und eine palliative Körper-Seelsorge zum Maßstab des Handels zu machen“.

Elvi Reichert

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