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“Fetisch“  ist das Thema  der  Jahres- und Mitgliederausstellung des Kunstvereins Erding. Die Vorsitzenden Uwe Kloos und Michael Lang sowie Maria Weber (v. l.) freuen sich darüber. 

Kunstverein im Frauenkircherl

Fetisch-Ausstellung in Erding: Alles, was einen in den Bann zieht

Besondere Objekte des Begehrens zeigt der Kunstverein Erding aktuell im Frauenkircherl. Dem Thema „Fetisch“ hat er eine Ausstellung gewidmet. Spannend!

ErdingDem Thema „Fetisch“ widmet der Kunstverein Erding seine Mitglieder- und Jahresausstellung. Sie ist bis einschließlich 16. August täglich von 13 bis 19 Uhr im Frauenkircherl zu sehen und kann in Kleingruppen besucht werden, um dem Hygienekonzept Rechnung zu tragen. Auf eine klassische Vernissage musste in der Corona-Zeit verzichtet werden.

Bei der Führung durch die Ausstellung verwies der Vorsitzende Uwe Kloos auf die ursprüngliche Wortbedeutung von Fetisch als Zauber oder Zaubermittel und seinen kultischen Ursprung, basierend auf Naturreligionen. Fetisch ist „ein Gegenstand der Magie“, der weit mehr vermittle als die Assoziation von „Lack und Leder“.

In den 30 Werken, die eine Jury ausgewählt hat, zeigen sich verschiedene Aspekte, allen voran die sexuell assoziierte Bedeutungsebene. So wurden Objekte des Begehrens als gängige Vorstellungen zum Thema Fetisch in Szene gesetzt, seien es Stoffe, Kleider, hochhackige Schuhe, Rot als erotische Signalfarbe oder schnelle Autos. Es entstanden collageartige Traumbilder mit symbolisch aufgeladenen Elementen.

Die Ausstellung präsentiert sich als Diskurs zu Verdinglichung, Klischee, Kult und kaleidoskopischer Verrätselung. Es können auch Blicke sein, die einen in den Bann ziehen – wie die Frauenporträts in Michael Langs Arbeiten, die mit grafischer Versiertheit als „Leporellos“ gearbeitet sind.

Uwe Kloos hat eine seiner Figuren mit dem Titel „Ich wär so gern ein Unikorn“ versehen – eine ironisch gebrochene Darstellung zum magischen Märchenwesen Einhorn, ein Sehnsuchtstier, das den Wunsch nach Verwandlung weckt.

Maria Weber nennt eine ihrer ausdrucksstarken Skulpturen „Heavy Smoker“, eine klar abgegrenzte Fantasiefigur in leuchtendem Blau mit beeindruckender Präsenz. Der „Heavy Smoker“ hat sich seinen Platz erobert und wird ihn verteidigen, strahlt geballte Energie und unverrückbare Beharrung aus. Webers zweite Figur „Dancing Queen“ hingegen, in Pastelltönen und in weichem Material zerfließend, scheint ganz flirrende Bewegung zu sein, fast so als wolle diese selbstvergessene Traumtänzerin einfach auf und davon schweben.

Der Fetisch Auto, kombiniert mit einer machtbewussten Architektur als Götze des Geldes – das könnte man aus Albin Zauners „BMW-Brandbild“ herauslesen. Der Fetisch als einvernehmliches Spielzeug im erotischen Dialog wurde in der großformatigen Arbeit von Hans Peis aufgegriffen – und nicht nur dort. Verstörend, gerade wenn man sich die vielen Kriegsschauplätze auf der Welt ins Gedächtnis ruft, ist das Bild „Waffenfetischisten“ von Jacqueline Kreutz. Es erzählt von der Lust an Vernichtung, Verstümmelung und Selbstauslöschung.

Auch Sabine Penzenstadler, Gabi Dräger, Isolde Egger, Claudia Häußer, Jürgen Naglik, Getraud Molitor, Eva Sarosi, Mathilde Schabenberger, Magelone Müller, Gabriele von Mallinckrodt, Isabella Kowalski, Harald Sedlmeier, Wolfgang Weiß, Urszula Widzgowska und Rosmarie Weigert sind mit Exponaten vertreten. (VRONI VOGEL)

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