Stolz auf die Auszeichnung: Rupert (l.) und Markus Januschkowetz mit dem offiziellen Zertifikat des Dachverbands für ihre Online-Schulungen.
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Stolz auf die Auszeichnung: Rupert (l.) und Markus Januschkowetz mit dem offiziellen Zertifikat des Dachverbands für ihre Online-Schulungen.

Wie die Firma Januschkowetz die Krise meistert

160 Stunden Arbeit für 30 Minuten Schulung

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Eine Krise kann auch ihre guten Seiten haben.

Langengeisling – Viele Firmen haben während der Corona-Pandemie große Probleme. Andere wiederum nutzen die Krise, um sich neu aufzustellen – so zum Beispiel die Januschkowetz-Gruppe in Langengeisling.

Normalerweise herrscht auf dem Firmengelände reges Treiben. Rupert Januschkowetz (54) und sein Sohn Markus (24) verkaufen und vermieten Flurförderzeuge aller Art, zum Beispiel Stapler und Hebebühnen. Zudem können in Langengeisling die entsprechenden Führerscheine und Schulungen gemacht werden. Seit Beginn der Corona-Krise ist das Gelände aber wie ausgestorben. „Wir bieten 14 verschiedene Schulungen an, normalerweise schulen wir pro Monat hunderte Personen“, erzählt Rupert Januschkowetz. Gesetze verändern sich ständig, darauf müsse man reagieren, sagt er. „So besteht bei manchen Führerscheinen eine jährliche Unterweisungspflicht, ansonsten verliert der Führerschein seine Gültigkeit.“

Mehr als 1600 Pflichtunterweisungen wickelt die Firma pro Jahr ab. Da dies derzeit nicht möglich ist, passiert das Ganze im Internet. „Wir haben 2017 mit Online-Schulungen begonnen, jetzt haben wir die Zeit, es zu verfeinern“, sagt Markus Januschkowetz und erklärt den Aufwand: „Hinter einer 30-minütigen Online-Schulung stecken rund 160 Stunden Arbeit.“ Es müssen individuelle Fragebögen erstellt werden: „Man kann nicht einfach irgendwas von irgendwoher kopieren. Wir müssen alles selbst entwickeln und erarbeiten – inklusive der Fotos und Videos.“

Die Firmen kaufen für jeden Mitarbeiter, der eine Unterweisung benötigt, einen Code, der ihnen per E-Mail übersandt wird. Mit diesem Code kann sich der Teilnehmer dann einloggen. „So eine Online-Unterweisung durchzuarbeiten dauert rund 30 Minuten“, sagt Rupert Januschkowetz. „Am Ende steht die Prüfung mit zehn Fragen, die richtig beantwortet werden müssen.“ Abschreiben ist nicht möglich, „denn nicht jeder bekommt die gleichen Fragen“. Erst wenn alle richtig beantwortet sind, kann sich der Teilnehmer ein Zertifikat ausdrucken als Bestätigung, dass er die Unterweisung ordnungsgemäß absolviert hat.

„Das ist ein großer Vorteil für die Firmen, die ihre Leute nicht mehr wegschicken müssen. Da bleibt dann mehr Zeit für die Produktion“, weiß Rupert Januschkowetz. Und: „Viele Firmen informieren sich nicht regelmäßig und wissen nicht, dass Gesetze und Vorschriften geändert worden sind.“

Rund 36 500 Flurförderzeug-Unfälle gebe es jährlich in Deutschland, mit Baumaschinen seien es sogar 40 000. Was Januschkowetz fassungslos macht: „85 Prozent dieser Unfälle lösen die Fahrer aus – und dabei geht es meist um Menschenleben.“ Umso wichtiger seien die jährlichen Unterweisungen.

„Wir waren einer der Ersten mit den Online-Schulungen“, erzählt Rupert Januschkowetz und gesteht: „Dabei war ich am Anfang strikt dagegen.“ Sein Sohn sei die treibende Online-Kraft gewesen. „Das wäre ein Riesenfehler gewesen, du musst mit dem Markt gehen“, weiß der 24-Jährige. Sein Vater Rupert ergänzt lachend: „Eigentlich bin ich ein Auslaufmodell, denn Schulungen im Unterrichtsraum werden irgendwann nicht mehr zeitgemäß sein.“

Und so sehen die Unternehmer die Pandemie mit ihren Beschränkungen nicht nur negativ. „Wenn alles normal weitergelaufen wäre, weiß ich nicht, woher wir die Zeit genommen hätten, unsere Online-Schulungen so schnell weiterzuentwickeln“, gesteht Rupert Januschkowetz, und sein Sohn fügt an: „So hat Corona für uns – so komisch es klingt – auch was Gutes.“

wk

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