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Hier können die Fische klettern: Das Wasserkraftwerk am Erdinger Stadtpark hat bereits eine Umgehung, die Fische in beide Richtungen passieren können (l.).

Sanierungskonzept 

Fische sollen sich in der Sempt wohl fühlen

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Landkreis – Bis zum Jahr 2027 soll sich an der Sempt einiges verändern. Das Wasserwirtschaftsamt hat ein großes Sanierungskonzept erarbeitet.

Die Sempt erhält auf einer Länge von 59 Kilometern eine Gesundheitskur. Denn der kleine Nebenfluss der Isar hat nicht die besten Bewertungen. Nach den Kriterien der europäischen Wasserrahmenrichtlinie erhält die Sempt in den Kategorien Ökologischer Zustand und Fischfauna die Note „Unbefriedigend“. Das soll mit einem Konzept des Wasserwirtschaftsamts München (WWA) bis zum Jahr 2027 verbessert werden. „Das Hauptkriterium ist das Wohl der Fische“, erklärt WWA-Leiterin Sylva Orlamünde. „Ihnen geht’s in der Sempt nicht so gut.“

Es fehlen Strömungsvarianten und freie Flächen zum Laichen. Außerdem ist für die Fische an manchen Wasserkraftwerken kein Durchkommen. Nach dem Gewässerportrait der Behörde ist die Äsche in der Sempt bedroht und die Nase ausgestorben.

Daher sieht das Umsetzungskonzept zwischen seinem Entstehungspunkt in Ottenhofen und der Mündung in den Mittleren Isarkanal zwischen Moosburg und Landshut auch ein Dutzend neuer „passierbarer Bauwerke“ vor – Fischaufstiegshilfen oder Ähnliches. Dafür aufkommen müssen in der Regel die Betreiber der Wasserkraftwerke – unter anderem in Ottenhofen, Erding und Berglern. „Natürlich ist das für kleinere Triebwerksbesitzer schwierig umsetzbar“, gibt Orlamünde zu.

„Das ist aber noch keine fertige Planung“, sagt die Leitende Baudirektorin. Das Konzept sei ein „Plan, der uns über die nächsten Jahre als Grundlage dient“, ergänzt Dr. Stefan Fach, Fachbereichsleiter für Wasserbau und Gewässerentwicklung beim WWA, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das Umsetzungskonzept beinhaltet aber weit mehr als Fischtreppen. Es listet rund 70 Maßnahmen auf: die Entwicklung von Auen, Anpflanzen eines Ufergehölzsaums, Umgestaltung des Gewässerprofils und vieles mehr. Die meisten dieser Arbeiten werden im Auftrag des WWA erledigt. Ganz häufig geht es um „das Einbringen von Totholz oder Störsteinen, um die Strömungsvielfalt und die Tiefenvarianz zu vergrößern“, erläutert Fach. Davon sollen vor allem die Fische profitieren, so wird die Sempt wieder lebenswert. Das eine oder andere sei in den vergangenen Jahren bereits im Rahmen von Studentenbaustellen gemacht worden, berichtet der Fachbereichsleiter.

Bei der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Umsetzungskonzept hatte das WWA die Betroffenen, also vor allem Betreiber von Wasserkraftanlagen, Anfang des Monats zum Gespräch geladen. Fach berichtet von einem konstruktiven Dialog. Ein Dutzend Gäste sei zu der Veranstaltung in der Behörde in München gekommen.

„Die Wasserkraftbetreiber treibt die Verschlammung der Sempt um“, erzählt der Fachbereichsleiter. Oberboden und auch Nährstoffe würden von landwirtschaftlichen Flächen in den Bach gespült. Das liege aber außerhalb der Zuständigkeit der Behörde. Eine Entschlammung für den besseren Betrieb von Kraftwerken würde das WWA nicht veranlassen, erklärt Fach. Entscheidend seien für das Amt dagegen lediglich „nachhaltige Gründe“: „Wir würden zum Beispiel dann tätig werden, wenn die Abflusskapazität zu gering ist.“

Außerdem hat die Sempt nach den Worten des Experten eine Besonderheit, die die Verschlammung am Unterlauf eher noch begünstigt. „Die Sempt wird bei Hochwasser in den Fehlbach abgeleitet. Also kommen Hochwasser ab dem Stadtwehr bis zur Mündung nicht vor“, erläutert Fach. Die Begleiterscheinung sei, dass ab diesem Punkt der Schlamm nicht so stark fortgespült wird.

Timo Aichele

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