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Das Fischer‘s Seniorenzentrum mit Kreisaltenheim an der Haager Straße in Erding.

Erstmals seit Jahren 

Fischer’s Kreisaltenheim in Erding rutscht ins Defizit

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Das Fischer’s Seniorenzentrum in Erding wird heuer erstmals seit Jahren ein negatives Ergebnis einfahren, nicht nur wegen den Folgen der Corona-Krise.

Erding – Das Fischer’s Seniorenzentrum geht schwierigen Zeiten entgegen, ist aber von einer wirtschaftlichen Schräglage weit entfernt. Erstmals seit Jahren rechnet Geschäftsführer Matthias Vögele für heuer mit einem negativen Ergebnis von knapp 80 000 Euro. Das Defizit dürfte aber noch zunehmen – wegen den Folgen der Corona-Krise.

Im Kreisausschuss stellte Vögele den Wirtschaftsplan für das laufende Jahr vor. Er betonte: „Den haben wir im Januar, also vor Corona, aufgestellt. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung kann man wegen der Pandemie noch nicht abschätzen.“ Vögele begründet das prognostizierte Defizit mit Lohnsteigerungen und vor allem der Einführung der Erding-Zulage. Allein sie wird die Stiftung 160 000 Euro kosten. Die Löhne und Gehälter stiegen in Summe von 5,3 auf 5,7 Millionen Euro.

Die vergangenen Jahre hatte der Heimbetrieb Gewinne abgeworfen: 229 000 Euro im vergangenen Jahr und 232 000 Euro 2018. Für die Zukunft kalkuliert Vögele weiter vorsichtig: mit Defiziten von 110 000 Euro in 2021 sowie 83 000 und 75 000 Euro in den Folgejahren – nicht zuletzt wegen der Ausbauvorhaben an der Haager Straße.

Corona hat das Kreisaltenheim zwar zum Glück nicht medizinisch erwischt, dafür aber finanziell. Denn zehn der 160 Betten können laut Geschäftsführer nicht belegt werden. „Bei Neuaufnahmen müssen wir ebenso Quarantäne verhängen wie nach dem Krankenhausaufenthalt eines Bewohners.“ Zweibettzimmer könnten dann nur mit einem Bewohner belegt werden. Jeder freie Platz schlage allerdings mit monatlich 2600 Euro zu Buche. Bei zehn Betten sind das 26 000 Euro im Monat und 3,1 Millionen Euro im Jahr. Noch ist nicht klar, ob und wie viel Geld das Seniorenzentrum aus einem der Covid-19-Rettungspakete bekommt.

Ab März hatte auch das Fischer’s Seniorenzentrum seine Tagespflege geschlossen und den ambulanten Pflegedienst eingestellt. Vögele berichtete zumindest eine positive Folge dieses Schrittes: „Uns stand für die Pflege ausreichend Personal zur Verfügung. Denn auch wir hatten einige Krankheitsfälle, Risikopersonen und Mitarbeiter, die sich daheim wegen geschlossener Schulen um ihre Kinder kümmern mussten.“ Insgesamt könne es sein, dass der Personalbedarf sinkt, wenn Betten leer stehen. Von Kündigungen sprach er allerdings nicht.

Der Geschäftsführer zerstreute Sorgen ob der Zukunftsfähigkeit des Seniorenzentrums. „Die Stiftung ist in der Lage, diese Herausforderung zu stemmen.“ Unserer Zeitung erklärte er: „Wir haben in den vergangenen elf Jahre gut gewirtschaftet und verfügen über Substanz.“

Deswegen halte die Stiftung auch an den Neubauplänen auf dem Nachbargrundgrundstück an der Haager Straße fest, auf dem nicht nur das Betreute Wohnen erweitert, sondern auch ein weglaufgeschützter Demenzbereich geschaffen werden soll. Vögele deutete an, dass man den ersten Abschnitt, den Ausbau des Betreuten Wohnens, aus eigenen Mitteln realisieren könne. Erst für die weiteren Bauabschnitte werde man Fremdkapital aufnehmen. Vögele setzt zudem auf die Verwertung des Stiftungsgutes an der Dachauer Straße, wo ein Gewerbegebiet geplant ist. Wie berichtet, wird derzeit ein Bebauungsplan aufgestellt. Erste Interessenten an den Flächen gibt es bereits.

Helga Stieglmeier (Grüne) wollte wissen, ob die Einrichtung Hilfen des Bundes erwarten könne. Vögele antwortete, er gehe davon aus, dass Gelder fließen werden, allerdings wisse er nicht, wie lange und in welcher Höhe.

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