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Yoga-und Fitnessübungen vor idyllischer Kulisse: In den Abendstunden ist am Kronthaler Weiher im Sommer sportlich viel geboten. Auch wenn sich davon die Schwäne offenbar nicht gestört fühlen, ist dem städtischen Ordnungsamt die kommerzielle Nutzung ein Dorn im Auge. Im Herbst will der Stadtrat über ein mögliches Verbot solcher Kurse entscheiden. Im Gespräch ist eine strikte Grünanlagensatzung wie in der Stadt München. 

Auf öffentlichen Flächen am Kronthaler Weiher und im Stadtpark 

Bald keine Fitness- und Yoga-Kurse mehr?

Schlechte Nachrichten für die Fans organisierter Outdoor-Fitnessgruppen in Erding: Der Stadtrat will im Herbst darüber entscheiden, ob die kommerzielle Nutzung der Erholungsgebiete wie am Kronthaler Weiher und im Stadtpark weiter erlaubt ist.

Erding– Die sanierten und umgestalteten grünen Oasen Erdings – der Kronthaler Weiher und der Stadtpark – erfreuen sich nicht nur bei Privatleuten, sondern auch bei Anbietern von Yoga- und Fitnesskursen immer größerer Beliebtheit.„Bisher haben wird solche Gruppen nur geduldet“, stellte Robert Buckenmaier, Leiter der städtischen Ordnungsamtes, in der Juli-Sitzung des Stadtrates klar. Grundsätzlich müssten alle Gewerbetreibenden eine Genehmigung bei der Stadt beantragen.

Kommt es zu einem Verbot, sind die Organisatoren und Teilnehmer der Sportgruppen die Leidtragenden. Manuel Kurreck und Ingrid Scharf von Outdoor Power Erding veranstalten seit einigen Jahren solche Kurse. „Wir waren die Ersten, die das in Erding angeboten haben. Bisher kamen nie Beschwerden auf“, sagt Kurreck, der hauptberuflich Fitness- und Personaltrainer ist.

„Wir verstehen die Aufregung nicht“

Als eine Konkurrenzveranstaltung vor kurzem einen Platzverweis von der Stadt erhalten habe, weil die Musik wiederholt zu laut gewesen sei, sei man selbst auf das Ordnungsamt zugegangen, um sich eine Genehmigung erteilen zu lassen, so Kurreck und Scharf. „Wir hatten bereits vor der Stadtratssitzung ein sehr gutes Gespräch mit Herrn Buckenmaier und nicht das Gefühl, dass man uns Steine in den Weg legen will. Der Draht zur Stadt ist sehr gut, deshalb verstehen wir die ganze Aufregung nicht ganz“, betonen die beiden Fitnesstrainer, die sehr überrascht waren, dass über ein mögliches Verbot diskutiert wurde.

„Herr Buckenmaier hat Frau Scharf aber auch mitgeteilt, dass ein Verbot kommen könnte und man darüber im Stadtrat diskutieren wird“, stellt Stadtsprecher Christian Wanninger klar. Bis zur Entscheidung im Oktober werde man die Sportgruppen am Weiher und im Stadtpark dulden. „Danach gibt es eine Direktive, an die sich alle halten werden müssen.“

Scharf und Kurreck geht es um die Sache an sich. „Wir wollen den Leuten Spaß an der Bewegung vermitteln. Viele Menschen sitzen den ganzen Tag im Büro. Für sie ist das eine Abwechslung. Und mittlerweile sind wir auch eine schöne Gemeinschaft, die auch privat Dinge miteinander unternimmt“, sagt Kurreck. Daher sei der Zulauf immer größer geworden. „Durchschnittlich sind wir bei 15 Teilnehmern.“

Mittlerweile gebe es auch eine Kooperation mit der AOK. „Die Einnahmen, die wir aus den Gruppen generieren, sind nicht mehr als eine Aufwandsentschädigung. Wir machen das Ganze nebenbei, denn es geht uns um den Spaß, nicht um Geld“, sagt Scharf. Hauptberuflich ist sie Buchhalterin, nebenbei arbeitet sie im gleichen Fitnessstudio wie Kurreck.

Auch das Yoga Centrum Erding wäre von einem Nutzungsverbot betroffen, wenn auch mit überschaubaren Folgen. „Ich habe meine angemieteten Räume, aber bei schönem Wetter wollen viele Kursteilnehmer eben raus in die Sonne“, sagt Simone Gerisch-Zachmann, deren Gruppen gelegentlich die Grünflächen am Kronthaler Weiher nutzen und hinterher noch schwimmen gehen.

Sie kann die Aufregung nicht ganz verstehen. „Was ich verstehen kann, ist, dass Gruppen, die ausschließlich am Weiher oder am Stadtpark organisiert sind und die Flächen gewerblich nutzen, eine Gebühr zahlen sollen. Aber dass es für alle Sportgruppen verboten werden soll, finde ich lächerlich.“

Die Stadtverantwortlichen hingegen stellen sich die Frage, ob die Flächen am Weiher und im Park noch ihrem ursprünglichen Sinn nach genutzt werden. „Die Sanierung dieser Grünflächen ist von Steuergeldern bezahlt worden. Nun muss man sich fragen ob es einerseits gerecht ist, dass andere Geld damit verdienen, und ob andererseits diese Ansammlung von Menschen noch mit dem Sinn der Erholung übereinstimmt“, stellt Wanninger die Sicht der Stadt dar.

Dem halten Gerisch-Zachmann sowie die Leiterin des Yoga Centrums Erding, Ines Oberscheid, entgegen: „Wir sind alle ebenfalls Erdinger und zahlen unsere Steuern.“ Gerisch-Zachmann kann für die Allgemeinheit kein Problem darin erkennen, „wenn man ab und zu mit einer kleinen Gruppe dort einen Kurs abhält“. Sie nehme auch niemandem einen Platz weg, da ihre Yoga-Stunden entweder in der Früh oder am späteren Abend stattfinden, also außerhalb der Hauptnutzungszeiten. Oberscheid: „Wir achten immer darauf, dass wir den Ort so verlassen, wie wir ihn vorgefunden haben. Die Schulklassen, die den Weiher nutzen, machen mit Sicherheit mehr Lärm und Schmutz, als wir das tun.“

„Wir wollen nichts geschenkt haben“

Kurreck und Scharf wollen weiterhin das Gespräch mit der Stadt suchen und sind für verschiedene Lösungen offen. „Dass man eine Genehmigung braucht, ist völlig okay. Auch über geregelte Zeiten für alle Angebote kann man reden. Ich verstehe, dass man aufeinander achten muss“, sagt Scharf. Und: „Selbst Gebühren wären kein Problem, wenn sie sich in einem realistischen Rahmen bewegen. Wir wollen nichts geschenkt haben. Das Wichtigste ist, dass wir mit der Stadt zusammenarbeiten.“

Welche Entscheidung der Stadtrat im Herbst auch treffen wird, Kurreck und Scharf werden sich damit arrangieren. Ein generelles Verbot wollen sie aber unbedingt vermeiden. „Es wäre sehr schade, falls es so kommen würde. Wir haben viel Herzblut in dieses Projekt gesteckt.“

Ilies Mebarki

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