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Es rührt sich wieder was im Warteraum Asyl im Erdinger Fliegerhorst. Das Luftbild zeigt den neuen Ausbauzustand: Rechts sind die Leichtbauhallen zu erkennen, die die Bierzelte ersetzen. Geschlafen wird vorrangig in den halbrunden Sheltern, früheren Flugzeug-Unterständen.

Warteraum Asyl im Fliegerhorst Erding 

500 Flüchtlinge pro Monat

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Erding – Der Warteraum Asyl im Erdinger Fliegerhorst spielt in den kommenden Monaten eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der europäischen Flüchtlingskrise. Pro Monat werden 500 Menschen aus Griechenland und Italien hierher gebracht, um dann bundesweit verteilt zu werden.

Kann der Warteraum Asyl im Herbst 2016 endgültig geschlossen werden? Diese Frage hat der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz zuletzt immer wieder in den Raum gestellt. Hintergrund dafür waren die abgeschnittene Balkan-Route sowie die insgesamt stark rückläufige Zahl in Deutschland ankommender Flüchtlinge. Seit Juli war die Einrichtung des Bundes nur noch im Stand-by-Betrieb.

Jetzt steht fest: Der Warteraum Asyl wird auch in Zukunft eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der europäischen Flüchtlingskrise spielen. Das erfuhr unsere Zeitung am Montag aus dem Bundesinnenministerium. Bereits im Juli hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) angekündigt, dass Camp Shelterschleife wieder reaktiviert werde. Damals war nur von zwei Gruppen beziehungsweise 200 Flüchtlingen im August die Rede, die von Griechenland übernommen werden. Am Mittwoch voriger Woche traf die erste Tranche ein. Ein Flugzeug aus Athen flog nach Angaben des Ministeriums 150 Schutzsuchende an den Flughafen München. Von dort wurden sie in Bussen nach Erding gebracht. Bereits am nächsten Tag ging es weiter in die anderen Bundesländer.

Diese Praxis wird Alltag werden. Grundlage dafür bilden zwei EU-Ratsbeschlüsse vom September 2015. „Es handelt sich um Umsiedelungen innerhalb von EU-Staaten, um besonders belastete Staaten wie Griechenland und Italien zu entlasten“, so der Sprecher. In den Beschlüssen ist von 160 000 Schutzsuchenden die Rede. Deutschland hat sich zur Aufnahme von 27 000 verpflichtet.

Damit wird noch in diesem Jahr begonnen, so das Ministerium. Pro Monat sollen 500 Migranten eingeflogen und in den Warteraum als erste Anlaufstelle gebracht werden. Der Sprecher betont, dass die Flüchtlinge wie bisher maximal 72 Stunden im Fliegerhorst bleiben werden. Die erste Gruppe wurde von 20 Bundeswehr-Soldaten, 35 Helfern des DRK, zehn Dolmetschern und etwa 15 Mitgliedern der Flüchtlingshilfe Erding betreut.

Zu den ersten Flüchtlingswellen in Camp Shelterschleife ab Oktober 2015 gibt es laut Innenministerium einen großen Unterschied: Die Menschen, die eine hohe Bleibewahrscheinlichkeit haben, sind bereits vorregistriert und wissen, wohin ihre Reise geht. Deswegen rechnet man keineswegs mit chaotischen Zuständen. Der Ministeriumssprecher wies entsprechende Befürchtungen zurück. Zwar werde es weiter einen freien Ausgang geben („Es existiert keine gesetzliche Grundlage, Menschen im Warteraum einzuschließen.“). Allerdings würden alle Ankömmlinge informiert, dass sie umgehend weiterverteilt werden und auf familiäre Bezüge explizit Rücksicht genommen werde. Familiennachzüge spielten mittlerweile bei zwei Dritteln der Ankommenden eine Rolle. Wer das Camp verlasse, könne keinen Asylantrag stellen und nicht zu seiner Familie. Beim ersten Durchlauf habe es keine Probleme gegeben. Wann die nächste Tranche kommt, steht noch nicht fest.

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