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Engagieren sich: Bei einem Helfertr effen im Walpertskirchener Knirschvogelhaus berichteten die Ehrenamtlichen über ihre Arbeit. Sie wünschten sich vor allem eine bessere behördliche Unterstützung. 

Flüchtlingsarbeit

„Wir sind unsere eigenen Wegweiser“

Die Helferteams in der Flüchtlingsarbeit werden kleiner, die Probleme größer. Die Ehrenamtlichen sind mit vielfältigen Hürden konfrontiert, die das unbezahlte Engagement erschweren, Kraft kosten und ermüden.

WalpertskirchenDie Helferteams in der Flüchtlingsarbeit werden kleiner, die Probleme größer. Die Ehrenamtlichen sind mit vielfältigen Hürden konfrontiert, die das unbezahlte Engagement erschweren, Kraft kosten und ermüden: kaum Arbeitsgenehmigungen für nicht anerkannte Asylsuchende, ein ausgelasteter Wohnungsmarkt, der es sehr schwierig macht, für anerkannte Flüchtlinge eine Bleibe zu finden, und die Auseinandersetzung mit komplexen bürokratischen Vorgaben. Diese Bestandsaufnahme ergab sich bei einem Basistreffen im Walpertskirchener Knirschvogelhaus. Daran nahmen vor allem Helferkreise aus dem südlichen Landkreis teil.

„Bis heute haben wir keinen Behörden-Wegweiser“, kritisierte Ulla Dieckmann, Koordinatorin des Hörlkofener Kreises. Viele Helfer haben sich deshalb selbst Expertenwissen angeeignet. „Wir sind unsere eigenen Wegweiser“, sagte Bettina Riep aus Isen. Als Alleinstellungsmerkmal des Landkreises wurde die fehlende unabhängige Asylsozialberatung über Wohlfahrtsverbände genannt. Großer Dank gebühre Sozialarbeiterin Maria Brand, die mit viel persönlichem Einsatz und Kenntnisreichtum als unermüdliche Ansprechpartnerin in der Asylverfahrensberatung ehrenamtlich tätig sei.

Wegen fehlender offizieller Strukturen werde Integrationsarbeit in erster Linie von den Ehrenamtlichen geleistet. Stephan Glaubitz vom Helferkreis in Walpertskirchen sah im Landkreis München-Land ein erfolgreiches Gegenmodell zu Erding verwirklicht. Dort werde versucht, so viele Arbeitsgenehmigungen wie möglich zu vergeben, um den Flüchtlingen eine Tagesstruktur zu verschaffen, den Frieden in den Unterkünften zu sichern und dringend benötigte Arbeitskräfte ins Berufsleben zu bringen. „Auch ehrenamtliches Engagement wird stark unterstützt.“ Das habe zur Folge, dass es dort ebenso viele Flüchtlinge wie Helfer gebe. Glaubitz verwies auf den bundesweiten Integrationspreis, den München-Land kürzlich erhalten hat.

Ob Walpertskirchen, Hörlkofen, Wifling, Ottenhofen, Forstern, Buch am Buchrain, Erding, Isen oder Dorfen – in allen Helferkreisen war das Thema Arbeitsgenehmigungen eine zentrale Problemstellung. Der Moosinninger Helferkreis wünschte sich einen offiziellen Wohnungslotsen für die, die ausziehen wollen und dürfen. Bemängelt wurde in der Diskussionsrunde, dass bei behördlichen Verlegungen in andere Unterkünfte oft keine Rücksicht auf bestehende Arbeitsverhältnisse genommen werde.

In Lindum, das inzwischen von der Regierung von Oberbayern verwaltet wird, leben 90 Geflüchtete, davon 30 Kinder und Jugendliche in Mehrbettzimmern zusammen. Es gibt keinen Aufenthaltsraum. Die Menschen würden mit der Zeit psychische Probleme und „Lagerkoller“ entwickeln, berichteten Helfer. Die schlechte öffentliche Verkehrsanbindung – nur ein Bus täglich, um nach Dorfen oder Erding hin und zurück zu gelangen – mache viele private Fahrdienste nötig, um überhaupt Teilhabe am Alltagsleben zu ermöglichen.

Grundsätzlich wünschten sich die Diskutanten bessere behördliche Unterstützung, damit Integration glücken kann. Das sei entscheidend für den sozialen Frieden und das vorurteilsfreie Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft, so die Ehrenamtlichen.

von Vroni Vogel 

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