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Ernüchternde Berichte legten die Asylhelfer (v. l.) Margot Hoigt, Sabrina Tarantik und Angelika Hofmann neben Oberbürgermeister Max Gotz im Stadtrat ab. 

Lagebericht im Erdinger Stadtrat

Flüchtlingshelfer: Wir brennen aus

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In der Stadt Erding leben in 17 Unterkünften 230 Geflüchtete, 80 von ihnen haben ihre Anerkennung. Allmählich geraten die Helfer in Not. Sie klagen, die viele Arbeit und die Probleme überforderten sie zusehends. Und sie wünschen sich vor allem eines: Dank.

Erding– Vor knapp zwei Jahren erreichte der Zustrom an Flüchtlingen einen dramatischen Höhepunkt – auch in Erding. Selbst wenn mittlerweile kaum noch neue Asylsuchende in Erding ankommen, hat sich an der immensen Belastung der Ehrenamtlichen kaum etwas verändert. Das hinterlässt Spuren. Und: Immer mehr springen ab. Über die aktuelle Lage berichteten Sabrina Tarantik von der Flüchtlingshilfe sowie Angelika Hofmann und Margot Hoigt von der Aktionsgruppe Asyl (AGA) jetzt im Stadtrat von Erding.

Hofmann erklärte, man verfüge über 40 aktive Helfer, hinzu kämen 20 Personen, die als Dolmetscher, Nachhilfelehrer und Kinderbetreuer fungierten. Die AGA stelle die langfristige Begleitung der Migranten sicher. „Aber wir geraten allmählich an unsere Grenzen“, machte sie deutlich.

Zunächst berichtete sie von positiven Erfahrungen. Man könne seelische und moralische Unterstützung leisten. Es gebe – bescheidene – Erfolge bei der Suche nach Wohnraum und Arbeit. Viele Flüchtlinge machten deutliche Fortschritte bei Sprache, in Schule und Ausbildung.

Hofmann sagte aber auch, dass es oft ein sehr schweres Ehrenamt sei. „Unter den Flüchtlingen, gerade auch bei den anerkannten, macht sich Ernüchterung und Hoffnungslosigkeit breit. Das gilt vor allem für die, die nicht arbeiten dürfen und zum Nichtstun verdammt sind.“ Das Leben in den Unterkünften ohne Privatsphäre sei trostlos und frustrierend. Hinzu kämen Einsamkeit, Verzweiflung und Aussichtslosigkeit.

Anerkannte Asylbewerber fänden oft keine Wohnung, hätten so gut wie nie Arbeit, müssten jedoch Unterkunftskosten bezahlen. „Vielen droht die Schuldenfalle“, warnte Hofmann. Hinzu kämen der Papierkrieg und der komplizierte Umgang mit Behörden. „All das beschert uns Helfern sehr viel Arbeit.“ Das sei auch für sie psychisch und emotional enorm belastend. „Die Politik der Abschiebung macht alle mürbe.“ Wünschenswert seien ein fester Ansprechpartner bei der Stadt sowie Ämterlotsen.

Hoigt berichtete von ihrer Arbeit in den Containern in Altenerding-Süd, „die immer wieder mit rechten Parolen beschmiert werden“. Den baulichen Zustand der Anlage bezeichnete sie als schlecht. Es gebe zugige Fenster und Löcher, durch die Schnecken kämen. Von den Schlaflagern müssten die Flüchtlinge über den Hof zu den Kochgelegenheiten.

Es gebe weder Sonnen- noch Regenschutz. Dort gebe es tiefe Pfützen. In den Küchen, so Hoigt weiter, gehe immer mehr kaputt, die Sanitäreinrichtungen seien völlig unterdimensioniert. Es gebe kaum Rückzugsmöglichkeiten. Die Situation in der Unterkunft an der Robert-Koch-Straße beurteilte sie als „deutlich besser“. Hoigt äußerte den Wunsch, „dass wir mit der AGA, wie die Tafel, auch das Postgebäude am Bahnhof nutzen können“. Die Helfer sehnten sich nach einem Dankeschön. „Es muss nicht groß sein, die Geste zählt.“

Die Flüchtlingshilfe Erding kümmert sich nach den Worten ihrer Vorsitzenden Sabrina Tarantik nicht nur um die Flüchtlinge im Warteraum Asyl. „Wir unterstützen auch andere Helferkreise vor allem mit Kleidung.“ Diese werde nach wie vor jeden Samstag von 11 bis 13 Uhr am Fliegerhorst-Haupttor gesammelt. 300 Helfer gebe es aktuell, davon seien 100 laufend aktiv. Erschwert werde die Arbeit, so Tarantik weiter, durch das stark nachlassende Aufkommen an Spendengeldern. „Es fällt uns immer schwerer, rare Produkte wie Unterwäsche nachzukaufen. Hinzu kommt, dass wir hohe Verwaltungsausgaben haben, unter anderem, um die Helfer zu versichern. Auch sie äußerte den Wunsch nach Wertschätzung. „Das können auch Hendlmarken fürs Herbstfest sein.“ Am Postgebäude habe auch die Flüchtlingshilfe Interesse.

Auf das Fazit, dass der Druck zunehme, reagierte OB Max Gotz (CSU) mit dem Hinweis, dass man die Wünsche prüfen werde. Das Engagement sei sehr wichtig.

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