+
Gut 1000 Flüchtlinge werden kommende Woche aus Rom und Athen in den Wartraum Asyl nach Erding gebracht. Unser Bild zeigt Eritreer, die im November in den Fliegerhorst kamen, um dann auf Deutschland verteilt zu werden.

Flüchtlingspolitik 

3500 winterfeste Plätze im Warteraum

  • schließen

Erding – Der Warteraum Asyl stellt sich auf die zweite Welle an Flüchtlingen aus Griechenland und Italien ein. Die Einrichtung im Fliegerhorst dient dem Bund als Sicherheit, im Winter notfalls auch eine große Zahl Asylsuchender unterbringen zu können.

Kommende Woche sind Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sowie Deutsches Rotes Kreuz (DRK) wieder gefordert. Am Montag wird ein Flugzeug mit Flüchtlingen aus Italien erwartet, am Donnerstag soll eine Maschine aus Athen am Münchner Flughafen landen – die zweite Welle der Asylsuchenden, die im Rahmen zweier EU-Abkommen aus den Hotspots am Mittelmeer geholt und für einen Tag in den Warteraum Asyl im Fliegerhorst gebracht werden. Dies berichtete am Donnerstag der SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer im Gespräch mit unserer Zeitung. Insgesamt sind von der Maßnahme rund 27 000 Flüchtlinge betroffen. Pro Monat stellt man sich im Warteraum auf rund 1000 Migranten ein – und das bis mindestens September kommenden Jahres.

Nicht nur der zweite Schub steht an. Aus dem Bundesinnenministerium hat Schurer zudem erfahren, dass das Bamf die Anweisung erhalten habe, in Camp Shelterschleife 3500 winterfeste Plätze so bereitzuhalten, dass sie binnen sieben und 14 Tagen zur Verfügung stehen. Damit will der Bund gerüstet sein, sollte der Flüchtlingsstrom während der kalten Jahreszeit plötzlich ansteigen – etwa wenn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Flüchtlingsdeal mit der EU tatsächlich aufkündigen sollte.

„Ich habe mit Außenminister Frank Walter Steinmeier gesprochen. Es gibt zwar derzeit keine konkreten Hinweise, dass Erdogan den Deal platzen lässt, aber die Unsicherheit ist schon groß“, so Schurer. Der Dialog mit der Türkei sei sehr schwierig, das Verhältnis fragil.

Für den Bundestagsabgeordneten aus Ebersberg steht fest: „Öffnet die Türkei die Tore in Richtung Europa, hätte das fatale Folgen. Denn dann würden sich wieder große Flüchtlingsströme in Bewegung setzen, nicht nur aus der Türkei heraus, sondern von Süden auch in das Land hinein.“

Schurer ist überzeugt, „dass der Warteraum Asyl in Erding noch über Jahre gebraucht und deswegen noch auf unbestimmte Zeit in Betrieb sein wird“. Damit vertritt er die entgegengesetzte Position zu seinem CSU-Kollegen Andreas Lenz. Der hat erst kürzlich Bundesinnenminister Thomas de Maizière gebeten, aufgrund des starken Rückgangs der Asylbewerber-Ankünfte die mittelfristige Schließung von Camp Shelterschleife zu prüfen. Die Antwort steht noch aus.

Gute Nachrichten hat Schurer für die Kommunen. Das Mitglied im Haushaltsausschuss verspricht für 2017 „deutlich mehr Geld vom Bund an Gemeinden und Landkreise, um das Flüchtlings- und Integrationsproblem in den Griff zu bekommen“. Allerdings würden die Mittel an die Länder verteilt und von diesen ausgegeben.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Der Kreißsaal öffnet im November
Neun Beleghebammen werden ab November im Klinikum Erding arbeiten. Der genaue Starttermin in der seit Juli geschlossenen Geburtsstation hängt aber noch von Bauarbeiten …
Der Kreißsaal öffnet im November
Hier finden Sie am Sonntag alle Ergebnisse des Wahlkreises Erding-Ebersberg
Welche Kandidaten ziehen für den Wahlkreis Erding-Ebersberg in den Bundestag ein? Hier finden Sie am Sonntag alle Ergebnisse der einzelnen Gemeinden für die …
Hier finden Sie am Sonntag alle Ergebnisse des Wahlkreises Erding-Ebersberg
Heuschneider-Schiff in stürmischer See
Die Gefahr ist digital. Immer mehr Menschen erledigen ihre Einkäufe online vom heimischen Sofa aus. Die Folge ist ein gnadenloser Preiskampf. Der ungleiche Wettbewerb …
Heuschneider-Schiff in stürmischer See
Eltern wünschen sich weniger Schließtage
Im Großen und Ganzen sind die Eltern mit der Kinderbetreuung im Kindergarten zufrieden. Das ergab jetzt eine Bedarfsumfrage.
Eltern wünschen sich weniger Schließtage

Kommentare