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Erding: Flüchtlingszahlen steigen wieder

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Von: Hans Moritz

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In der Gemeinschaftsunterkunft an der FTO, eines der größten Häuser, leben 66 Asylbewerber.
In der Gemeinschaftsunterkunft zwischen Erding und Oberding an der FTO, eines der größten Häuser, leben 66 Asylbewerber. © Archivfoto: Günter Herkner

Erding - Knapp 1000 Asylsuchende leben aktuell im Landkreis. Bald werden es mehr sein, denn in den nächsten Wochen sollen rund 100 weitere Flüchtlinge dazukommen.

Die Themen Flucht und Migration sind aus den Schlagzeilen fast völlig verschwunden. Dennoch leben im Landkreis Erding aktuell knapp 1000 Geflüchtete, Tendenz wieder steigend. Vor allem Deutschland stellt sich auf steigende Ankunftszahlen ein, die Erstaufnahme-Einrichtung in München gilt derzeit als „sehr ausgelastet“. Nun steht eine größere Umverteilung auf die Region bevor.

Dies kündigte Landrat Martin Bayerstorfer in der Jahrespressekonferenz an. Er sprach von rund 100 Geflüchteten, die in den kommenden zehn Wochen im Erdinger Land unterzubringen seien. Der Kommunalpass hat indes endgültig ausgedient.

Zu Jahresbeginn 2021 hatte das Asylmanagement in der Kreisverwaltung 1008 Geflüchtete betreut, im Dezember waren es 957. Sie leben in 71 dezentralen Unterkünften und in den beiden großen Gemeinschaftsunterkünften der Regierung von Oberbayern in Dorfen und Erding/Oberding, zwei weniger als vor einem Jahr.

Dort halten sich laut Landrat nach wie vor auch 220 so genannte Fehlbeleger auf, also anerkannte Asylbewerber, die aber keine Wohnung finden und in den Heimen bleiben dürfen, um nicht obdachlos zu werden. Unter den Geflüchteten sind laut Landratsamt 430 Männer, 188 Frauen und 339 Kinder.

Fast jeder dritte Migrant kommt aus Nigeria (30 Prozent). Die zweitgrößte Gruppe stellen die Afghanen (knapp 30 Prozent), gefolgt von Eritreern (sechs Prozent). Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine reicht bis in den Landkreis: Fünf Prozent der Geflüchteten stammen aus der Ukraine.

Die meisten Asylsuchenden sind in Erding untergebracht (223). In Dorfen sind es 168, in Taufkirchen 152, in Wartenberg 69 und in Oberding 66. Insgesamt leben sie in 20 der 26 Landkreis-Gemeinden. In Bockhorn etwa sind es nur zwei. Ein Asylsuchender, der dem Landkreis zugeteilt wurde, sitzt in einer Justizvollzugsanstalt.

Nach der Wirecard-Pleite musste die Zusammenarbeit mit dem Kartenanbieter Sodexo beendet werden. Der bayernweit ebenso einmalige wie umstrittene Kommunalpass als unbares Zahlungsmittel musste eingestampft werden. Seit vergangenem Mai werden alle Leistungen nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz auf Bankkonten überwiesen. Eine Zeit lang mussten sich die Geflüchteten ihr Geld direkt beim Landratsamt abholen.

Bayerstorfer berichtete, dass derzeit 83 Prozent der Asylbewerber über ein Konto verfügten. Nur 58 Personen über 18 würden das Geld noch in bar erhalten. Die Hälfte davon lebe aber erst seit kurzem im Landkreis.

Immer wieder kommt es in den Unterkünften zu Corona-Infektionen. Gesundheitsamt und Asylmanagement arbeiten in diesen Fällen eng zusammen, vor allem dann, wenn ein komplettes Heim in Quarantäne muss. In diesen Fällen werde auch die Versorgung mit Lebensmitteln sowie bei Bedarf auch mit Medikamenten und Hygieneprodukten sichergestellt. Bayerstorfer sagte aber auch, dass in Einzelfällen Security abgestellt werde, um die Isolation durchzusetzen.

Holprig ist nach Angaben des Landratsamtes der Corona-Impffortschritt bei Asylbewerbern. Bei Sonderimpfaktionen wurden im Mai und Juni 104 Personen geimpft, bei der zweiten Spritze seien es dann nur noch 90 gewesen – also weniger als zehn Prozent Impfquote. Mittlerweile ist die Quote laut Bayerstorfer deutlich gestiegen, allerdings liege sie noch unter der des Landkreises insgesamt. Die Geflüchteten konnten sich ab dem Frühjahr auch bei den niedergelassenen Ärzten immunisieren lassen, seit Herbst wurden sie für die Angebote des mobilen Teams vor Ort und des BRK-Impfbusses sensibilisiert.

Für Bewohner der Unterkünfte gibt es nach den Worten Bayerstorfers weder eine Impf- noch eine Auskunftspflicht über den Impfstatus. Das Asylmanagement habe die Erfahrung gemacht, dass viele Bewohner skeptisch auf die Impfung reagierten. So gehe die Angst um, dann leichter abgeschoben werden zu können. Auch das Vertrauen in die Impfstoffe sei gering gewesen, insbesondere bei AstraZeneca.

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