1020 Asylbewerber halten sich derzeit im Landkreis Erding auf, fast genau so viele wie vor einem Jahr. Sie leben in insgesamt 74 Unterkünften. Foto: Swen Pförtner/dpa
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1020 Asylbewerber halten sich derzeit im Landkreis Erding auf, fast genau so viele wie vor einem Jahr. Sie leben in insgesamt 74 Unterkünften (Symbolbild).

Nur noch vereinzelt Asylbewerber kommen in den Landkreis

Wegen der Pandemie: Flüchtlingszuzug ist abgerissen

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Die Corona-Pandemie sorgt auch dafür, dass nur noch vereinzelt Asylsuchende in den Landkreis kommen. Die Zahlen haben zuletzt stark abgenommen.

Erding – Heute bestimmt Corona die Nachrichtenlage, vor fünf Jahren war es die Hochphase des Flüchtlingszustroms – es war die Zeit des Warteraums Asyl im Fliegerhorst. Die Pandemie sorgt seit Spätherbst 2020 dafür, dass nur noch vereinzelt Asylsuchende in den Landkreis kommen. Dies berichtete Landrat Martin Bayerstorfer in der Jahrespressekonferenz. Etwa zehn Geflüchtete pro Woche musste die Ausländerbehörde bis September aufnehmen. Die Zahlen haben zuletzt stark abgenommen. Der weltweite Lockdown hat auch die Flüchtlingsströme nach Deutschland nahezu versiegen lassen.

Dennoch lebten zum Jahreswechsel nach wie vor 1020 Asylbewerber im Landkreis, nur drei weniger als ein Jahr zuvor, teilt Behördensprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer mit. Darunter seien 652 Männer, 368 Frauen und 345 Kinder. Einquartiert sind sie in 72 dezentralen Einrichtungen sowie den beiden Gemeinschaftsunterkünften der Regierung von Oberbayern in Lindum bei Dorfen und an der FTO bei Erding. Vor einem Jahr waren es 70 Unterkünfte gewesen.

Hauptherkunftsländer sind laut Fiebrandt-Kirmeyer nach wie vor Nigeria (32 Prozent) und Afghanistan (23 Prozent).

Die meisten Asylsuchenden leben in Erding (206), Dorfen (180) und Taufkirchen (142). Danach folgen Oberding und Wartenberg (je 82), Forstern (43), Lengdorf (32), Fraunberg, St. Wolfgang (je 27), Finsing (25), Wörth, Moosinning, Hohenpolding (je 24), Isen (23), Eitting (19), Pastetten, Berglern, Langenpreising (je 14), Buch (11) und Walpertskirchen (7).

Mit seinem vor allem bei den Helfern umstrittenen Kommunalpass als einziges Zahlungsmittel hatte Bayerstorfer bundesweit für Aufsehen gesorgt. Doch der ist bis auf Weiteres Geschichte. Denn die Zahlungen wurden über die Wirecard-Tochter Sodexxo abgewickelt. Seit der spektakulären Pleite des einstigen DAX-Konzerns bekommen Flüchtlinge ihr Geld wieder in bar – an zwei Tagen zum Monatsende im Landratsamt, wo sich dann lange Schlangen bilden.

Kreiskämmerin Elisabeth Thaler ist froh, dass die Wirecard-Insolvenz nicht auch das Landratsamt erfasst hat: „Wir haben zum Glück alles zurückbekommen.“ Bayerstorfer berichtet, „dass wir uns zwar nach einem neuen Zahlungsdienstleister umsehen. Wenn das aber mit einem höheren finanziellen Aufwand verbunden ist, lassen wir es“. Dann werde es bei der Bar-auszahlung bleiben, zumal eine Erhebung ergeben habe, dass nur etwa jeder zweite leistungsberechtigte Asylbewerber ein Konto habe.

Mit Sorge beobachtet die Kreisbehörde, dass es zuletzt „vermehrt ausländerrechtliche Verstöße bezüglich illegaler Beschäftigung und unerlaubten Aufenthalts sowie verspätete Anträge zur Erteilung oder Verlängerung von Aufenthaltstiteln gegeben hat“. Einige verfügten über keinerlei Ausweisdokument. Bayerstorfer weist darauf hin, dass Strafverfahren die Folge sein könnten, die das Bleiberecht gefährdeten. Seit Oktober seien 14 Delikte angezeigt worden.

Um Flüchtlingskindern ruhiges Lernen, aber auch Distanzunterricht ermöglichen zu können, hat der Landkreis mit der Aktionsgruppe Asyl im Herbst in den Containern am Korbinian-Aigner-Gymnasium ein Studierzimmer mit Internetanschluss eingerichtet.

Weiter berichtet Bayerstorfer von der Arbeit der Integrationslotsin. Sie habe eine Schulung zum Laiendolmetscher sowie Workshops im Bereich Erziehung und Bildung angeboten. Heuer sollen Kurse in Wertevermittlung und gesunder Ernährung folgen. Ziel sei, dass sich die Bewohner in den Unterkünften gegenseitig unterrichten.

ham

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