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Ein Spanier transportierte knapp 300 Gramm Cannabis im Bauch.

Staatsanwältin stellt auf stur

Cannabis-Schmuggel: Bodypacker aus Spanien wird verurteilt

Schon das Delikt war skurril: Ein 44-jähriger Spanier war als Bodypacker unterwegs – mit Haschisch intus.

Landshut/Flughafen Schon das Delikt war skurril: Ein 44-jähriger Spanier war als Bodypacker unterwegs – mit Haschisch intus. Fast genauso bizarr war, wie unerbittlich die Landshuter Staatsanwaltschaft bei der Sanktion blieb.

Der studierte Sozialarbeiter, der zuletzt in seiner spanischen Heimat als Fischverkäufer sein Dasein fristete, war bereits am 18. September 2017 aus Lissabon kommend am Münchner Flughafen gelandet und wollte mit dem Bus nach Salzburg weiterreisen. Eine Zollkontrolle ergab, dass der Mann als so genannter Bodypacker unterwegs war. Er hatte knapp 30 Gummi-Fingerlinge voller Marihuana im Bauch – ein lebensgefährlicher Drogentransport. Denn wenn nur ein Behälter reißt, bedeutet das den sicheren Tod. Bei dem Spanier waren es knapp 300 Gramm.

Cannabis: „Die Liebe meines Lebens“

Im Februar 2018 war er vom Schöffengericht des Amtsgerichts Erding wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt worden. Das Schöffengericht war angesichts zahlreicher Milderungsgründe von einem „minder schweren Fall“ ausgegangen. Der 44-Jährige hatte ein vollumfängliches Geständnis abgelegt, wobei ihm nicht widerlegt werden konnte, dass das Gras lediglich für den Eigengebrauch bestimmt war.

Der Fischverkäufer hatte berichtet, dass er bereits seit 22 Jahren Cannabis konsumiere, zuletzt bis zu sechs Joints am Tag. Er leide seit vielen Jahren an Ein- und Durchschlafstörungen. Dagegen kämpfe er mit dem Haschisch-Konsum an: „Das ist die Liebe meines Lebens.“

Bodypacking: Nur zwei bis drei Fälle in 30 Jahren erwischt

Beim psychiatrischen Sachverständigen hatte er auch noch gelegentlichen Kokain-Konsum geltend gemacht, so dass ihm dieser eine nicht ausschließbare verminderte Schuldfähigkeit attestierte. Letztlich fiel noch strafmildernd ins Gewicht, dass das Gras nicht für den deutschen Markt bestimmt gewesen sei.

Ein Drogenfahnder der Kripo Erding berichtete, dass in den vergangenen 30 Jahren „vielleicht zwei bis drei Fälle bekannt geworden sind, bei denen Cannabis-Bodypacker gefasst wurden“.

Viele Vorstrafen in Spanien

Mit der Strafaussetzung zur Bewährung war aber die Landshuter Staatsanwaltschaft nicht einverstanden und ging in die Berufung. Alle bisherigen Versuche einer Neuauflage des Prozesses scheiterten freilich. Der 44-Jährige erschien zu keinem Termin, auch nicht zum bislang letzten Versuch dieser Tage.

Kein Wunder. Denn wie sich herausstellte, war der 44-Jährige, dessen spanisches Vorstrafenregister bereits 18 Eintragungen – davon eine Vielzahl wegen Drogendelikten – aufweist, erst im März dieses Jahres in seiner Heimat erneut zu einer Freiheitsstrafe von knapp zwei Jahren verurteilt worden. Ob die bereits vollstreckt wird, oder ob auch hier eine Berufung aussteht, konnte nicht eruiert werden.

Spanier saß bereits fünf Monate in U-Haft

Vorsitzender Richter Klaus Kurtz von der 2. Strafkammer des Landgerichts verwies schließlich auch noch darauf, dass der Spanier bereits fünf Monate in Untersuchungshaft verbüßt habe. Gehe man davon aus, dass er – wie bei Ausländern üblich – nach Verbüßung der Halbstrafe abgeschoben werde, blieben noch ganze vier Monate Haft. „Da wäre es doch schon aus Kostengründen Wahnsinn, ihn ins Land zu holen.“

Seinen Vorschlag, die Staatsanwaltschaft solle die Berufung aus eben diesen Gründen zurücknehmen, lehnte die Anklagevertreterin aber ab. „Das Erdinger Urteil war falsch, es hätte nie eine Bewährung geben dürfen.“

Nach ihrer Beratung richteten die Kammer-Mitglieder den eindringlichen Appell an die Staatsanwaltschaft, aus den genannten Gründen, vor allem auch im Hinblick auf die bereits verbüßte Untersuchungshaft und die neuerliche Verurteilung in Spanien, auf das Rechtsmittel zu verzichten.

Walter Schöttl

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