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Bei der Einreise über den Münchner Flughafen flog die Schleusung eines Kindes auf.

Kind von Bekannten illegal nach Deutschland gebracht – Amtsgericht Erding verhängt Bewährungsstrafe

Mütterliche Fürsorge macht Afghanin zur Schleuserin

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Zu einer zehnmonatigen Haftstrafe auf Bewährung hat das Amtsgericht Erding eine 31 Jahre alte Afghanin verurteilt, weil sie am Silvestermorgen des vergangenen Jahres ein zehn Jahre altes Kind über Athen in die Bundesrepublik einzuschleusen versucht hatte.

Erding/Flughafen – Am Münchner Flughafen wurde die Frau, die 2015 als Geflüchrete nach Deutschland kam, von der Bundespolizei gestoppt. Das von der Staatsanwaltschaft Landshut vorgehaltene gewerbsmäßige Vorgehen sah Vorsitzender Richter Björn Schindler als nicht erwiesen an. Was es mit einem 6000 Euro schweren Geldscheinbündel auf sich hatte, konnte in der Verhandlung nicht geklärt werden.

Christine Rappold von der Staatsanwaltschaft hielt der Frau, selbst Mutter von vier Kindern zwischen zwei und 13 Jahren vor, am 31. Dezember 2019 das Kind einer befreundeten Familie eingeschleust zu haben. Weil die Bundespolizei bei der 31-Jährigen 6000 Euro sicherstellte, gingen die Ermittler davon aus, dass es sich hierbei um den Schleuserlohn gehandelt haben müsse.

Die Frau und ihre Verteidigerin berichteten, dass es sich um einen Freundschaftsdienst aus mütterlicher Fürsorge gehandelt habe, für den sie nur die Kosten erstattet bekommen habe. Die Großmutter habe die Afghanin angefleht, das zehnjährige Kind nach Deutschland zu bringen. Das tat sie dann auch an Bord einer Lufthansamaschine aus Athen – in Begleitung zweier ihrer eigenen Kinder. Der Enkel wurde mit Papieren eines weiteren eigenen Kindes ausgestattet. Bei der Einreisekontrolle fiel der Schwindel prompt auf.

Eine 49 Jahre alte Bundespolizistin sagte im Zeugenstand aus, dass die Afghanin sofort geständig gewesen sei. Die Beamtin erklärte, sie gehe davon aus, dass es sich bei den 6000 Euro um den Schleuserlohn gehandelt haben müsse. Dafür spreche auch, dass nur 20- und 50-Euro-Banknoten sichergestellt worden seien.

Die Verteidigerin widersprach. Es habe sich vielmehr um die Ersparnisse mehrerer Jahre gehandelt. Ihre Mandantin habe sich in ihrer Münchner Asylbewerberunterkunft als Putzfrau etwas dazu verdient, im Monat etwa 180 Euro – in bar bezahlt vom Sozialreferat der Landeshauptstadt. Das Geld habe sie stets bei sich gehabt, „weil sie Angst hatte, dass es ihr Mann nimmt und ausgibt“. Die Ehe stecke in einer Krise.

Diese Version nahmen ihr Rappold und Staatsanwalt Anselm Schmidt nicht ab. In ihrem Plädoyer forderten sie ein Jahr und zwei Monate Haft auf Bewährung – und die Einziehung der eingefrorenen 6000 Euro. Die Verteidigerin wollte von gewerbsmäßigem Vorgehen nichts wissen und hielt eine Geldstrafe für ausreichend.

Schindler verhängte eine zehnmonatige Bewährungsstrafe gegen die bisher strafrechtlich unbescholtene Mutter. Zudem muss sie 1500 Euro an die Caritas Erding zahlen. Für den Richter stand die Schleusung außer Frage. Das – straferschwerende – gewerbsmäßige Vorgehen sei nicht nachweisbar. Deswegen dürfe sie die 6000 Euro auch behalten. ham

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