34 Bewohner des Seniorenzentrums in Taufkirchen wurden positiv auf das Corona-Virus getestet. Foto: Lang
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34 Bewohner des Seniorenzentrums in Taufkirchen wurden positiv auf das Corona-Virus getestet.

Corona-Infektionen in Seniorenheimen

„Fokus auf die Seniorenheime“: Landkreis geht gegen Corona-Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen vor

  • vonTimo Aichele
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Viele Infektionen in Pflegeeinrichtungen: Landrat Martin Bayerstorfer fordert flächendeckend Besuchsverbot in den Seniorenzentren im Landkreis Erding.

Landkreis – Das Gesundheitsamt Erding reagiert auf die stark gestiegene Zahl der Corona-Infektionen in Pflegeeinrichtungen. Diese Woche werde die Behörde in allen Heimen Begehungen durchführen, kündigt Landrat Martin Bayerstorfer an – beginnend in den Häusern, in denen es zu regelrechten Ausbrüchen gekommen ist. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) werde eingebunden.

Am stärksten betroffen ist weiterhin das Seniorenzentrum in Taufkirchen. Wie schon am Freitag sind hier laut Landratsamt 34 Bewohner und 20 Mitarbeiter Corona-positiv. Fast so schlimm hat es das Pflegeheim in Hohenpolding erwischt: 30 infizierte Bewohner und neun Mitarbeiter (am Freitag lagen die Zahlen hier bei 29 und 5).

In einer Einrichtung im Gemeindegebiet Dorfen sind es 22 positiv getestete Bewohner und zwei Mitarbeiter, in einer weiteren Dorfener Einrichtung acht Mitarbeiter. In zwei Heimen in Erding ist je ein Bewohner infiziert.

„Wir haben den Fokus zu stark in Richtung Schulen gelenkt“, ist Bayerstorfer überzeugt: „Es gibt keine nachgewiesenen Infektionen Schüler-Schüler oder Schüler-Lehrer.“ In den Sommermonaten sei es in den Pflegeeinrichtungen gut gelaufen, aber jetzt sei der „Fokus auf die Seniorenheime“ wichtig, erklärt der CSU-Politiker im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Landrat fordert ein Besuchsverbot für alle Seniorenheime. Ausnahmen soll es höchstens in Fällen der Sterbebegleitung geben. Diese und weitere Maßnahmen sollen laut Bayerstorfer im Einvernehmen beschlossen werden. „Wir haben keine Veranlassung zu glauben, dass Einrichtungen nicht kooperativ wären“, sagt er.

Wichtig sei nun auch „Kontrolle und Verschärfung der Schutz- und Hygienekonzepte“. Zum Beispiel müsse verstärkt das Pausenverhalten der Mitarbeiter angesprochen werden. Die Beschäftigten müssten sich dauerhaft in Teams aufteilen und dürften nicht zum Beispiel beim Mittagessen in gemischten Runden zusammenkommen. Auch Friseurbesuche in den Häusern oder ähnliches müssen unterbunden werden.

Die Firmengruppe Pichlmayr als Träger des Taufkirchener Seniorenzentrums äußerte sich nicht auf unsere Anfrage, das Aloisium Hohenpolding dagegen schon. Bis Dienstag vor einer Woche sei das Aloisium noch frei von Corona-Infektionen gewesen, berichtet Geschäftsführer Björn Michael. Dann sei aber ein Bewohner bei einem Krankenhausaufenthalt positiv getestet worden. „Da haben wir sofort ein Besuchsverbot erlassen.“

Vier Aloisium-Bewohner seien nun mit Covid-19 im Krankenhaus. „Und mittlerweile zeigt der eine oder andere Bewohner im Haus leichte Symptome“, berichtet Michael außerdem. Das ganze Haus steht nach seinen Worten nun unter Quarantäne. „Wir können die Dienste selbst abdecken“, berichtet Michael. Weitere Kräfte seien nicht nötig. Außerdem seien die infizierten Bewohner teilweise hausintern verlegt worden. So sei dann auch eine feste Zuordnung des Personals gewährleistet.

Man sei sich des Ernstes der Lage bewusst, erklärt der Geschäftsführer: „Unsere Bewohner sind Hochrisiko-Patienten.“ Die Pfleger würden die Betroffenen nun engmaschig auf Symptome kontrollieren und Fieber messen. Das alles geschehe unter Vollschutz mit FFP2-Maske, Schutzkittel, Brille, Visier und Handschuhen.

Das sei natürlich anstrengend. Doch die Mitarbeiter würden vorbildlich ihre Pflicht erfüllen: „Wir haben ein eingeschworenes Team. Da gibt es keine Klagen.“ Das Pflichtbewusstsein reiche bis ins Private: „Die Mitarbeiter haben sich an alle Spielregeln gehalten und auch in der Freizeit große Rücksicht auf ihre Arbeitsstelle genommen.“

Im Marienstift in Dorfen sei am Samstag bekannt geworden, dass ein Mitarbeiter sich mit Corona infiziert habe, sagt Leiterin Marion Prey auf Nachfrage. Sofort wurden alle Mitarbeiter sowie die zu betreuenden Senioren mit Schnelltests auf das Virus getestet. Das Ergebnis: Alle Getesteten waren negativ. „Viele Angehörige haben am Wochenende besorgt angerufen – bislang sind wir verschont geblieben.“ Doch eine Garantie gebe es nicht, dass nicht auch ins Marienstift das Virus gelangen könnte, so Prey.

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