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Erding vor gut 300 Jahren: Dieses Detail der Stadtansicht von Michael Wening aus dem Jahr 1711 zeigt im Vordergrund das Ökonomiegebäude der Heilig-Geist-Stiftung, das heutige Museum Erding.

Forschungen von Archäologen und Historikern 

Stadtgründung 1228 ist ein Mythos

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Erding – Im Jahr 2028 wird Erding sein 800. Stadtjubiläum feiern. Aber stimmt das wirklich? Wurde Erding tatsächlich 1228 gegründet? Dieser Frage gehen der Archäologische Verein und der Historische Verein in zwei Veranstaltungen am Montag, 5. Dezember, nach.

„Abschied vom Mythos 1228 – Die Anfänge der Stadt Erding im neuen Licht“ – das ist das Thema des Vortrags, den Dr. Roman Deutinger (Bayerische Akademie der Wissenschaften) am Montag, 5. Dezember, um 20 Uhr im Museum Erding, Prielmayerstraße 1, hält. Der Archäologische Verein (AVE) lädt dazu ein. Der Eintritt ist frei.

Verein und Museum sehen den Vortrag als Startschuss für die Vorbereitungen zum 800. Stadtjubiläum 2028. „Der AVE möchte nicht am Festjahr 2028 rütteln“, betont Vorsitzender und Museumsleiter Harald Krause. Vielmehr bestehe die Chance, mit archäologischer und historischer Forschung der Gründungsgeschichte Erdings auf die Spur zu kommen.

„Bekanntermaßen fehlen urkundliche Überlieferungen aus den ersten vier Jahrhunderten Erdings fast vollständig. Hier kann einzig die Archäologie belastbare Ergebnisse liefern“, sagt Krause. In den kommenden Jahren wird deshalb ein Doktorand der Ludwig-Maximilians-Universität München im Rahmen des Forschungsprojektes „Erding im ersten Jahrtausend“ alle archäologischen Ausgrabungen im Altstadtgebiet auswerten.

Zum Vortrag am kommenden Montag hat Krause auch Doktoranden der LMU München, Professor Bernd Päffgen und Vertreter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege eingeladen. Darum geht es: Dass die Stadt Erding 1228 gegründet wurde, scheint festgefügtes Wissen zu sein. Man liest es im Brockhaus ebenso wie auf Wikipedia, auf der Website der Stadtverwaltung genauso wie am 2015 aufgestellten Bronzemodell der Altstadt auf dem Kleinen Platz. Die Jahreszahl 1228 beruht allerdings weder auf zeitgenössischen mittelalterlichen Quellen noch auf gründlichen wissenschaftlichen Forschungen, sondern auf Überlegungen des Erdinger Bürgermeisters und Heimatforschers Friedrich Herbig (1858-1936) aus den 1920er Jahren. Er war von Annahmen ausgegangen, die sich bei näherer Betrachtung als falsch herausstellen.

„Die angebliche Gründung Erdings 1228 ist also ein Mythos, von dem man sich schleunigst verabschieden sollte“, so Krause. Was aber sagen die mittelalterlichen Quellen tatsächlich über die Entstehung der Stadt? Hatten möglicherweise die Grafen von Andechs oder das Kloster Ebersberg etwas damit zu tun? Und wie lassen sich die Funde aus dem 12. Jahrhundert, die 2015 bei den archäologischen Ausgrabungen im Haus Am Rätschenbach 12 gemacht wurden und die es dem Gründungsmythos zufolge gar nicht geben dürfte, darin einordnen? Antworten auf diese Fragen sucht Deutinger in seinem Vortrag.

Auch der Historische Verein befasst sich mit der Entstehung Erdings. Die Jahresschrift, die am Montag, 5. Dezember, in der Jahreshauptversammlung um 19 Uhr beim Mayr-Wirt vorgestellt wird, enthält auch einen Aufsatz des Erdinger Historikers Dr. Hans Bauer. Titel: „Erding vor seiner ‚Gründung‘ 1228. Die Entstehung der Stadt Erding zwischen historischen Fakten und tradierten Erzählungen“.

Darin stellt auch Bauer fest: Erding wurde nicht exakt im Jahre 1228 von Herzog Ludwig dem Kelheimer in einem hoheitlichen Akt auf einem Stück Land, das „aus der Flur von Altenerding herausgeschnitten“ wurde, als Stadt gegründet. Dies sei mangels schriftlicher Zeugnisse nicht belegbar. „Vor mehr als 100 Jahren glaubten die Forscher dieses Gründungsjahr 1228 mit der Ersterwähnung des Namens AErding (Arding) in jenem Herzogsurbar aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts verbinden zu können, wo Einnahmen aus einem Markt in AErding genannt werden. Das Jahr 1228 markiert die erste quellenmäßige Nennung Erdings als selbstständiges Gemeinwesen. Der Kontext lässt in keiner Weise erkennen, ob der Marktort bereits damals den Status einer Stadt besaß, so Bauer: „Ein stadteigenes Siegel mit dem Ard, dem keltischen Pflugeisen, erscheint erst um das Jahr 1303. Das äußere Merkmal einer Stadt war ihre Befestigung mit einem Mauerring. Wann die mit Ziegeln erbaute Stadtmauer tatsächlich errichtet wurde, ist nicht gesichert.“

2028 feiert Erding 800. Geburtstag

Die Stadt könne ungeachtet der fehlenden Urkunden stolz auf ihre Geschichte blicken. „Die gewählte Jahreszahl hat symbolischen Charakter und gibt uns heutigen Menschen, die wir in modernen, rationalen Denkweisen verhaftet sind, als Anhalt einen konkreten historischen Bezugspunkt zur Orientierung“, so der Historiker. 2028 könne trotzdem gefeiert werden: „800 Jahre Ersterwähnung Erdings – eines historischen Ortes mit mehr als 1000-jähriger Geschichte.“

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