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Keine Ahnung hatte Fritz Steinberger, dass in seinem Haus in Erding der als Flüchtling getarnte Soldat lebte. 

Franco A. plante Anschläge und tarnte sich dazu als Flüchtling

Rechtsradikaler Soldat vor Gericht

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Am 18. Mai beginnt vor dem Oberlandesgericht ein Prozess, in dem Erding nicht nur eine Nebenrolle spielt. Es geht um geplante Terroranschläge.

Erding/Frankfurt – Einen perfiden Plan geschmiedet haben soll ein Bundeswehrsoldat, um seine rechtsradikale Gesinnung auszuleben. Der Generalbundesanwalt geht davon aus, dass sich Franco A. als syrischer Flüchtling getarnt hat, um in dieser Rolle einen Anschlag zu begehen. So könnte er Stimmung gegen Ausländer geschürt haben wollen. Einige Zeit wohnte Franco A. in Erding. Am 18. Mai beginnt vor dem Oberlandesgericht Frankfurt der Prozess gegen den früheren Oberleutnant.

28 Jahre war Franco A. alt, als er im Herbst 2015 in die Rolle eines Flüchtlings schlüpfte und ausgerechnet in seiner Heimatstadt Offenbach als Syrer mit den Tarnnamen David Benjamin und Benjamin David Asyl beantragte. Die Behörden schenkten ihm Glauben.

Um den Jahreswechsel 2016 wurde A. nach Erding verlegt – in die Asylunterkunft an der Wilhelm-Weindler-Straße, die zu diesem Zeitpunkt AWO-Chef Fritz Steinberger gehört hatte. Weder er noch die Erdinger Behörden durchschauten das perfide Spiel. Pikant: Wo und wann sich A. in Erding bewegte, konnte ihm anhand der Zahlungen mit dem – mittlerweile – abgeschafften Kommunalpass der Erdinger Ausländerbehörde nachgewiesen werden.

Oft hielt er sich wohl nicht in Erding auf. Seinen Zimmergenossen und Asylhelfern sagte er, dass er häufig in München sei. Tatsächlich soll er zu seiner deutsch-französischen Truppe gefahren sein, um nicht aufzufliegen.

Ende Januar 2017 verlor er seine Anerkennung als Geflüchteter und verschwand. Anfang Februar des selben Jahres wurde A. in Wien festgenommen, als er am Flughafen Schwechat eine für ihn dort deponierte Pistole aus einem Schacht fischte.

Vor dem Frankfurter Oberlandesgericht muss er sich ab 18. Mai wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie Verstößen gegen das Kriegswaffenkontroll-, das Waffen- und das Sprengstoffgesetz verantworten, außerdem wegen Diebstahls und Betrugs. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Der Prozess wird bundesweit für Aufsehen sorgen, denn die Generalbundesanwaltschaft geht davon aus, dass A. auch Anschläge auf Bundesaußenminister Heiko Maas und die Grünenpolitikerin Claudia Roth geplant hatte. 

ham

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