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Apotheker Franz Stadler mit seinem neuen Buch „Medikamenten-Monopoly“.

Franz Stadler legt Buch über Medikamenten-Skandal vor

Ein Apotheker klagt an

  • Hans Moritz
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Dieses Buch wird in der Branche für Aufregung sorgen: Der Erdinger Apotheker Dr. Franz Stadler rechnet mit der Pharma-Industrie ab. Er sieht viele Menschen in großer und wachsender Gefahr.

Erding/Bockhorn – Monopoly ist ein Gesellschaftsspiel, in dem es um viel Geld und Besitzstände, verbunden mit Macht und Einfluss, geht. „Medikamenten-Monopoly“ heißt das soeben erschienene Buch des Erdinger Apothekers Dr. Franz Stadler. Auch hier geht es um Macht und Geld. Aber noch viel mehr: Es geht um die Sicherheit der Bürger. Und um die sorgt sich Stadler. Er mahnt ein Umsteuern in seiner Branche an, sonst drohe die Versorgungssicherheit in Gefahr zu geraten. Die Corona-Pandemie habe die wunden Punkte schonungslos offen gelegt. Stadlers „Medikamenten-Monopoly“ ist eine Anklageschrift gegen die eigene Zunft und die mächtige Industrie dahinter.

Stadler, 58 Jahre alt und in Bockhorn zu Hause, führte jahrelang die Sempt-Apotheke in Erding. Zum Jahresende hat er sie verkauft. Gemeinsam mit Dr. Armin Braun gehört ihm weiterhin die Campus-Apotheke am Klinikum. In zahlreichen Fachzeitschriften hat sich Stadler immer wieder kritisch mit der Medikamenten-Versorgung auseinandergesetzt. Nun hat er den Lockdown genutzt, um seine Erfahrungen in ein Buch zu packen – eines, das ebenso schonungslos wie allgemein verständlich ist.

Stadlers Ausgangspunkt ist der vielen Patienten leidlich bekannte Medikamentenmangel. Deutschland verfüge zwar über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, „es ist aber dennoch empfindlich gestört und instabil aufgrund von Mangelwirtschaft, Profitgier und Lobbyismus“. In seinen 30 Jahren als Apotheker „musste ich erleben, wie sich die Arzneimittelversorgung systematisch zu einem unheilvollen, von der Politik gestützten und von den Herstellern gewollten Geschäft entwickelt hat“, schreibt Stadler.

Profitgier gefährde die Versorgung und in der Folge Patienten, „also das Leben von Menschen“. Die Apotheker seien dabei die Repräsentanten nach außen. Sein Buch vergleicht Stadler mit dem „Aufheulen einer Alarmsirene“: „Unser System steht vor dem Kollaps. Künftig wird nicht mehr jeder Kranke jederzeit die besten Arzneimittel bekommen, Kranksein also riskanter werden.“

Als Beweis dafür führt der 58-Jährige ausgerechnet die Corona-Krise an. In ihr sei auf einmal Vieles möglich gewesen – Auflagen und Verordnungen, die bis dato unantastbar erschienen, seien außer Kraft gesetzt worden. Möglich sei dies erst „durch eine drohende Unter- beziehungsweise Nichtversorgung mit zum Teil lebensnotwendigen Medikamenten“ geworden.

Die Schieflage beginnt für Stadler bei der Wirkstoffproduktion, die größtenteils ins Ausland, vor allem nach Indien und China, ausgelagert worden sei. „Die Folge war, dass patentgeschützte Neueinführungen immer teurer wurden und die Fälle von Fälschungen und Verunreinigungen bei Arzneimitteln anstiegen.“

Vor allem bei den innovativen, patentierten Wirkstoffen ist die Marktmacht der Hersteller laut Stadler besonders ausgeprägt. Weil sie das alleinige Vertriebsrecht hätten, könnten sie die Preise diktieren. Fünfstellige Beträge seien keine Seltenheit mehr. „Hohe Preise haben noch eine weitere Nebenwirkung: Sie wecken das Interesse skrupelloser Menschen, die gefälschte Produkte auf den Markt bringen.“ Dabei seien höhere Margen drin als beim Drogenhandel, beklagt der Apotheker.

Stadler fordert den Aufbau eines nationalen Arzneimitteldepots, um gegen unterbrochene Lieferketten und Qualitätsmängel gewappnet zu sein.

Und wie sind die ersten Reaktionen auf seine Klageschrift? „Meine Haltung ist bei den Kollegen aufgrund meiner Fachaufsätze bekannt.“ Er bekomme durchaus Zustimmung. Die Pharmaindustrie habe sich bislang nicht gemeldet.

Das Buch

Franz Stadler: „Medikamenten-Monopoly – Die unheilvolle Welt der Arzneimittelgeschäfte“s ist im Murmann-Verlag erschienen, kostet 18 Euro und mit der ISBN-Nummer 978-3-86774-659-5 über den Buchhandel beziehbar.

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