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Totschlagsprozess: Zweifel am „unwiderlegbaren Alibi“

Mit einem Gutachten will die Verteidigung des Erdinger Frauenarztes Prof. Dr. Michael B. (57) im Totschlagsprozess in Landshut für ein unwiderlegbares Alibi sorgen.

Erding/Landshut Mit einem Gutachten will die Verteidigung des Erdinger Frauenarztes Prof. Dr. Michael B. (57) im Totschlagsprozess in Landshut für ein unwiderlegbares Alibi sorgen.

Die Verteidiger des Gynäkologen, dem vorgeworfen wird, am 4. Dezember 2013 seine Frau Brigitte getötet zu haben, führten an, die Kriminaler hätten gegen 20.50 Uhr das Top der Toten aufgeschnitten und unter dem Körper herausgezogen. Dabei habe das Kleidungsstück eine Blutspur am Waschbecken hinterlassen.

Man habe, so die Anwälte, einen Versuch mit einem nassen T-Shirt gemacht, das bei den damals im Badezimmer herrschenden Temperaturen am Körper getragen worden sei. Das sei dann nach vier Stunden trocken gewesen. Es sei auszuschließen, so die Verteidiger, dass mit dem Top der Ehefrau noch Blutspuren gesetzt werden konnten, wenn sie, wie die Anklage behaupte, nach 12.37 Uhr getötet worden sein soll. Für einen späteren Todeszeitpunkt habe ihr Mandant allerdings ein Alibi.

Ob es damit klappt, steht auf einem anderen Papier. Denn auf Hinweis von Staatsanwalt Christoph Ritter, dass bei der Getöteten Leichenflecke am Rücken und am Po festgestellt worden seien, gab Vorsitzender Richter Ralph Reiter zu bedenken, dass das Opfer, das von den Rettungskräften und den Kripobeamten auf der Seite liegend aufgefunden wurde, durchaus „umgedreht“ worden und dabei wieder Blut ausgetreten sein könnte.

Keine neuen Erkenntnisse brachte das Gutachten zu einem auf der Brille des Frauenarztes gefundenen 0,3 Millimeter großen Blutspritzer. Dazu hatte der 57-Jährige bei seinen früheren Vernehmungen verschiedene Versionen geliefert. So etwa, dass seine Frau am Vortag Nasenbluten gehabt habe und er ihr geholfen habe. Später hatte er dann angegeben, er habe, nachdem er seine Frau tot aufgefunden hatte, aus Verzweiflung seine Brille in die Blutlache neben ihrem Kopf geworfen.

Die Gutachter bestätigten, sie hätten bei aufwändigen Versuchen zwar festgestellt, dass sich kleinste Schlagspritzspuren niederschlagen könnten, allerdings hätte man dann auch Kontaktspuren etwa am Brillengestell finden müssen. Die „Wegwerf-Version“ sei eher unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen. Richter Reiter kommentierte, dass die Brillen-Version auch im Widerspruch zum Beweisantrag der Verteidigung stünde, wonach das Blut im Badezimmer bereits eingetrocknet gewesen sei.

Kritisch beurteilte die ehemalige Kollegin aus der Gemeinschaftspraxis den 57-Jährigen. 2012 sei B. eingestiegen. Allerdings habe es immer wieder Ärger gegeben, etwa bezüglich des Qualitätsmanagements, bei Hygienefragen oder der Nutzung ihres E-Mail-Accounts. Der Kollege habe narzisstische Züge gehabt. Privat habe hingegen seine Frau das große Wort geführt.

Nach seinem Freispruch habe er kein Interesse mehr an der Praxis gehabt. „Er hat die Praxis mutwillig ruiniert.“ Der Prozess wird heute fortgesetzt. Walter Schöttl

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