Frauenhaus 

Beim Trägerwechsel ist Sand im Getriebe

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Der letzte Baustein in der Finanzierung des Frauenhauses sitzt. Der Kreis Ebersberg wird sich weiter am Defizitausgleich beteiligen. Das BRK ist als neuer Träger startklar. Ganz glatt verläuft der Wechsel aber nicht.

Erding – In zwei Monaten geht im Landkreis Erding eine Ära zu Ende: Im 26. Jahr muss der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) die Trägerschaft über das Frauenhaus im Kreis Erding abgeben. 30 Frauen mit Opfererfahrung wurden allein 2016 hier betreut, oft über Wochen. Wegen des zu hohen Defizits hatte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) dem SkF gekündigt – nachdem der Kreis Freising als einer der Defizitzahler abgesprungen war. Damit blieben noch die Kreise Erding und Ebersberg.

Die Ausschreibung für die Trägerschaft ab dem 1. März 2018 gewann der BRK-Kreisverband. Er darf nicht mehr als 120 000 Euro Miese im Jahr machen. Der SkF hatte zuletzt 160 000 Euro Zuschuss gebraucht. Nach Informationen unserer Zeitung hat BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden einen Wirtschaftsplan vorgelegt, der ein Minus von deutlich unter 100 000 Euro vorsieht. Zweite Säule bei der Finanzierung ist das bayerische Sozialministerium.

Kurz vor Weihnachten erhielt Bayerstorfer von seinem Ebersberger Kollegen Robert Niedergesäß (CSU) die frohe Botschaft, dass sich die Nachbarn wie bisher am Ausgleich des Fehlbetrags beteiligen. Dafür darf der Kreis Ebersberg, der kein eigenes Frauenhaus hat, hier Opfer häuslicher Gewalt und deren Kinder unterbringen.

Übergang dürfte abrupt ausfallen

Oft müssen in dem Objekt im Eigentum des Landkreises aber auch Frauen aufgenommen werden, die von weiter her kommen. „In diesen Fällen holen wir eine Erklärung der Kostenübernahme von den jeweiligen Landratsämtern ein“, erklärt van der Heijden im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bei der Kündigung der Trägerschaft ist zwischen dem SkF und dem Landrat viel Porzellan zerschlagen worden. Das Verhältnis gilt als zerrüttet. Der SkF hat angekündigt, den Vertrag regulär bis 28. Februar zu erfüllen. „Leider wurde unser Ansinnen, unsere Mitarbeiter die letzten zwei Wochen mitlaufen zu lassen, um die Vorgänge kennen zu lernen, abgelehnt“, klagt die BRK-Chefin.

Ärger soll es nach Informationen unserer Zeitung auch wegen der Akten der Bewohnerinnen gegeben haben. Mit Hinweis auf den Datenschutz will sie der SkF unter Verschluss halten. Bayerstorfer und van der Heijden berichten jedoch, dass zumindest die Unterlagen der akuten Fälle übergeben würden.

Nun wird es am 28. Februar eine Übergabe vom SkF ans BRK geben. „Wir können deswegen nicht sagen, ob wir mit einer neuen Konzeption kommen, weil wir die aktuelle nicht kennen“, sagt van der Heijden, betont jedoch, dass es nicht nur um akuten Schutz gehe, sondern auch darum, die Opfer dauerhaft stark zu machen, damit sie wieder Vertrauen in – neue – Beziehungen gewinnen. Auch um die Kinder werde man sich gezielt kümmern. Dabei verfüge das BRK über reichlich Erfahrung.

Am Personalschlüssel wird sich nichts ändern: 1,25 Sozialpädagogen-Stellen für die Frauen und eine halbe für die Kinder. Platz ist unverändert für fünf Frauen mit bis zu sieben Kindern.

Bereits zum Jahreswechsel übernommen hat das BRK die Interventionsstelle. Der Vertrag zwischen SkF und Landkreis läuft, wie berichtet, früher aus. Die Akut-Anlaufstelle ist unter Tel. (0 80 81) 9 57 24 77 erreichbar.

Noch im Aufbau befindet sich ein Erdinger Novum in der Betreuung von Gewaltopfern – der 24-Stunden-Frauennotruf. Bayerstorfer und van der Heijden versichern, dass dieser bis März stehen soll. Aktuell würden Zuschussfragen geklärt.

Die BRK-Chefin betont, der Defizit-Deckel von 120 000 Euro gelte nur fürs Frauenhaus. Interventionsstelle und Notruf seien eigene Projekte, die gesondert abgerechnet würden. Das BRK hat bereits angekündigt, gezielt um Spenden fürs Frauenhaus zu werben. Auch wegen der Offenlegung von Spenden hatte es zwischen Landrat und SkF wiederholt gekracht.

Rubriklistenbild: © dpa

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