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In die Kritik der Kirche geraten: Erdings Landrat Martin Bayerstorfer

Frauenhaus im Landkreis Erding

Kirche auf Konfrontationskurs zum Landrat

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Beim Sozialdienst katholischer Frauen und bei der Erzdiözese München-Freising ist man entsetzt über die schweren Vorwürfe, die Landrat Martin Bayerstorfer gegen den Frauenhaus-Träger erhebt. Die Anschuldigungen seien haltlos.

Erding - In der Kreistagssitzung am Montag hatte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) den Punkt Bekanntgaben, der keine Debatte zulässt, genutzt, um gegen den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und die dahinter stehende Erzdiözese München-Freising zu keilen. Das wollen beide Institutionen nicht auf sich sitzen lassen. Am Mittwoch ging der Sozialverband an die Öffentlichkeit – wiederum mit schweren Vorwürfen gegen den Landrat.

Der hatte der Interventionsstelle für akute Notlagen vorgeworfen, sehr teuer zu sein. Die dort tätige Sozialpädagogin mit einer halben Stelle verdiene angesichts 100 betreuter Frauen im Jahr nicht schlecht. Der SkF erwidert, von den 37 500 Euro Zuschuss des Landkreises würden nicht nur Personalkosten bestritten, sondern auch Büromiete und Sachausgaben. Die Pädagogin werde tariflich bezahlt.

Ferner weist der SkF darauf hin, dass es in der Regel nicht bei einer Akutberatung bleibe. „In den meisten Fällen kommt es zu einer längerfristigen Begleitung, auch zu Gerichtsterminen, zum Jobcenter und anderen Behörden.“ Nicht vergessen werden dürfe die Netzwerkarbeit mit Kontakten etwa zu Polizei, Justiz oder Jugendämtern.

Entschieden verwahrt sich der Träger gegen Bayerstorfers Vorwurf, mit Spenden nicht transparent umzugehen. Geschäftsführerin Elke Prumbach erinnert daran, „dass wir verpflichtet sind, den Spenderwillen in jedem Fall einzuhalten.“ In der Regel würden gezielt Frauen und Kinder bedacht. Voriges Jahr habe man unter anderem Zuzahlungen zu Krankenhausaufenthalten, Unterstützung bei Therapien, den Kauf von Medikamenten, Kleidung sowie Bastel- und Schulmaterial für Kinder bezuschusst.

Auch würden Starthilfen für den Umzug in eine eigene Wohnung gewährt. Prumbach versichert, dass der SkF eine eigene Spendenverwaltung habe. Bisher sei man von den Wirtschaftsprüfern noch nie beanstandet worden. Allerdings werde man persönliche Daten niemals weitergeben. Wunschgemäß werde der Landrat eine Liste erhalten – allerdings anonymisiert. Man könne jedoch keine Spenden in den Frauenhaus-Betrieb fließen lassen.

Den 15 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen hatte Bayerstorfer aufgrund deren Kündigung im Falle eines Trägerwechsels vorgeworfen, ihnen gehe es nur um die Einrichtung und nicht primär um Schutzsuchende. Darauf erwidert der Verband, dass sich ein Helfer in der Regel bewusst entscheide, bei wem er sich engagiert. Die Helferinnen hielten Frauenhaus und SkF seit vielen Jahren die Treue. Man sei eine enge Gemeinschaft.

Für die Diözese erklärt der SkF, dass die Kirche von 2007 bis 2009 die damals innovative Interventionsstelle mit einer Anschubfinanzierung ermöglicht habe – „ein übliches Vorgehen, um neue Konzepte zu erproben, ehe sie in die Regelfinanzierung gehen“.

Es dürfe nicht übersehen werden, dass die Diözese ein Geldgeber des SkF sei – und damit auch das Frauenhaus unterstütze. Es könne also keine Rede davon sei, die Kirche habe sich zurückgezogen, was laut Bayerstorfer „nicht besonders partnerschaftlich“ sei. In der SZ hatte sich ein Bistumssprecher in gleicher Weise geäußert.

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