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Das Team vom Frauenhaus stellte BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden (M.) vor: Leiterin Stefanie Tremmel (r.) und Nadine Plath.

Frauenhaus Landkreis Erding

Ein Netz für alle Opfer häuslicher Gewalt

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Zwei Frauen und ein Kind leben derzeit im Frauenhaus des Landkreises. Wie der Start verlaufen ist, darüber informierte das Bayerische Rote Kreuz Erding als neuer Träger. Für die Hilfsorganisation steht fest: So umfassend war das Angebot noch nie.

Erding - Von einem Dreiklang war in der Pressekonferenz am Dienstag immer wieder die Rede: Zum Frauenhaus und der nun an der Klinik Dorfen angesiedelten Interventionsstelle kommt im Mai noch der Opfernotruf. Er richtet sich an alle Opfer häuslicher Gewalt – also auch an Männer. Landrat Martin Bayerstorfer erklärte: „Wir wollen schnelle Hilfe in allen Notlagen bieten.“ Wer sich an den Opfernotruf wende, habe in der Regel kaum Zeit, sich vor dem gewalttätigen Partner Sicherheit zu bringen. Das BRK stellt das sicher.

Gut angenommen werde auch die Interventionsstelle, die im Akutfall eine Erstberatung leiste. 40 Anrufe sind seit Jahresanfang bereits eingegangen.

Mit dem neu aufgestellten Team ist BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden sehr zufrieden. „Es läuft wirklich klasse“, lobte sie die neue Leiterin Stefanie Tremmel und Mitarbeiterin Nadine Plath. Zu den beiden 25 und 26 Jahre alten Sozialarbeiterinnen gesellt sich noch eine Erzieherin. Tremmel und Plath waren zuvor in der Betreuung von Asylbewerbern tätig. Sie hatten sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gekümmert.

Tremmel berichtete, dass man das Frauenhaus mit fünf Plätzen für Frauen und sieben für Kinder derzeit noch umgestalte: „Wir wollen es möglichst hell und freundlich machen.“ Van der Heijden wies auf das neue Sicherheitskonzept hin – eine von Bewegungsmeldern gesteuerte Lichtanlage sowie Videoüberwachung. „Mit der Polizei arbeiten wir gut zusammen“, versicherte sie.

Vernetzung ist ein Stichwort des neuen BRK-Trägerkonzepts. Tremmel hat sich bereits mit dem Jobcenter Aruso in Verbindung gesetzt. „Dabei geht es nicht zuletzt um die Kostenübernahme.“ In der Regel kommen die Herkunftslandkreise für die Unterbringung auf. „Die beherbergten Frauen zahlen elf Euro am Tag“, erklärte Bayerstorfer. Van der Heijden wies jedoch darauf hin, „dass wir niemanden abweisen werden, nur weil sie nicht zahlen kann. Dafür haben wir einen Spendentopf.“

Auch bei der Hilfe selbst arbeitet das Frauenhaus eng mit anderen Behörden zusammen. „Es geht nicht nur darum, den Frauen Schutz, sprich ein Dach über dem Kopf, zu gewähren“, sagte Tremmel. „Wir organisieren auch Hilfe zur Selbsthilfe und suchen gemeinsam Wege, damit die Frauen wieder ein selbstbestimmtes Leben in Sicherheit führen können.“

Neu ist, dass Mütter auch ihre jugendlichen Söhne mit einquartieren können. „Es war ein Anliegen des Jugendamts, dass wir die Familien nicht auseinander reißen müssen, wie das zuvor der Fall war“, so Bayerstorfer.

BRK-Vorsitzender Franz Hofstetter sagte: „Es war richtig, dass wir die Trägerschaft übernommen haben. Denn es ist das Selbstverständnis des BRK, Menschen in Not zu helfen – nicht nur im Rettungsdienst.“ Dazu baue man nun auch ein Netz an Ehrenamtlichen auf, kündigte van der Heijden an.

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