Auf Diebestour gingen v. l. Stefan Schimmer, Robert Grätzlmeier und Sascha Hoffmann.

Vier Maibaumgeschichten

Frech, fröhlich, weltoffen

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Erding - Freche Maibaumdiebe, textsichere Althamer, begeisterte Flüchtlinge und Karlsdorfer Konditionswunder – die Maibaumfeiern lieferten wieder schöne Geschichten.

Die Maibaumfeier – das ist mehr als nur Lederhosen und Irxnschmoiz. Hier spiegelt sich auch Schlitzohrigkeit, Lebensfreude und Offenheit wieder. Vier Beispiele:

So leicht geht Klauen

Einen raffinierten Plan hatten die Diebe des Grunder Maibaums ausgeheckt: Drei Wörthern – Stefan Schimmer, Robert Grätzlmaier und Sascha Hoffmann – gelang es, den 24 Meter langen Stolz von Grund (Gemeinde Ottenhofen) vier Stunden vor dem Aufstellen zu klauen, und das ohne großen Aufwand.

„Er wurde unbewacht vor dem Ortstaferl stehen gelassen. Da mussten wir einfach zuschlagen“, erzählt Schimmer. Die drei Männer mussten den Baum lediglich 200 Meter schieben, um es außerorts zu wissen, denn die Grunder hatten ihn bereits nichtsahnend auf den Nachläufern platziert. Großen Wert auf Unauffälligkeit haben die Langfinger nicht gelegt. „Wir sind einfach mit dem Auto in den Hof gefahren.“ Verdacht schöpfte niemand. „Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort, weil alle in ihre Vorbereitungen vertieft waren“, vermutet Schimmer. Aufgeflogen sind die Diebe dennoch schnell. „Das Lustige war ja, dass fünf Minuten nach dem Klau eine Dame lautstark in die Grunder Runde gerufen hat, warum sie den Baum so weit raus geschoben haben“, erinnert sich der Wörther.

Für die Maibaumfreunde Grund ist der Klau eine Premiere. Fünfmal zuvor war nichts passiert. Die Organisatoren blieben aber gelassen. „Wir haben einfach einen Moment nicht aufgepasst, Die Drei sind auch überhaupt nicht aufgefallen, weil sie gute Freunde von uns sind“, erzählt Hermann Brandlmeier, Vorsitzender der Maibaumfreunde. Er versprach zwölf Mass Bier und sechs Essen, vorausgesetzt sie bringen ihre Muskelkraft beim Aufstellen zum Einsatz. Das ließen sich die Langfinger nicht zwei Mal sagen. Schimmer brachte sich damit in eine verzwickte Situation, denn er war in dieser Saison nicht nur in Grund aktiv. Auch beim Diebstahl des Hofsingeldinger Stamms hatte er seine Finger im Spiel. Geholfen hat er in Grund.

Althamer Liedgut

Wir wissen nicht, ob der Baum in Altham jemals in Gefahr war. Spannend war das Aufstellen in anderer Hinsicht, denn es war die Feuertaufe für Hansi Ostermaier, dem neuen Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft. „Er hat das super organisiert“, sagt Sepp Biller. Und der muss das wissen, denn er ist Ostermaiers Vorgänger. Was das große Fest auf dem Lex’n-Hof besonders auszeichnet: die Musik. Zwei Tage zuvor bereits war es bei der Rocknacht heiß hergegangen. Es folgte der sittsame Bandltanz der sieben Grundschülerinnen und -schüler, den sie mit Sabine Beierl und Andrea Ippisch perfekt eingeübt hatten. Aber für das große Finale sorgten die jungen Fußballer. Sie haben gut 30 Lieder über Althamer oder Eichenkofener Heldentaten oder Gaunereien. Die schmetterte einst schon Sepp Biller. „Und die haben auch unsere jungen Burschen drauf“, sagt Biller Übrigens: Es sollen auch Langengeislinger mitgesungen haben.

Völkerverständigung

Völkerverständigung ist eben Trumpf. Deshalb setzten die Hofsingeldinger ein ganz besonderes Zeichen. Als Reaktion auf die Einführung des Kommunal Passes (siehe Artikel unten) luden sie alle Flüchtlinge zur Brotzeit ein. „Eigentlich wollten wir das bezahlen“, erzählte Ulla Dieckma vom Helferkreis, „aber das hat dann die Siedlergemeinschaft übernommen“. Zehn Asylbewerber aus Palästina, Eritrea und Syrien nahmen das Angebot gern an. „Sie waren absolut begeistert“, erzählte Dieckmann. Und damit meinte sie nicht nur das Essen („Wer kein Schweinefleisch wollte, konnte sich vom Gemüse-Wok bedienen“). Das Aufstellen des Baumes habe die Flüchtlinge fasziniert. „Sie haben massenweise Fotos gemacht – zum Beispiel, als Ralf Rothe auf den 23 Meter hohen Baum kraxelte, um ihn vom Kranseil zu befreien. „Am Schluss standen wir zusammen mit den Flüchtlingen auf den Bänken und haben zu Blasmusik und südamerikanischen Klängen getanzt“, erzählt Dieckmann. „Wir sind gemeinsam ihnen heimgeradelt. Man hat allen angemerkt, wie gut ihnen dieses Dorffest getan hat.“

Konditionswunder

Der Preis für die größte Ausdauer dürfte nach Karlsdorf gehen. Acht Jahre mussten sie auf einen Maibaum warten. Dafür feierten sie am längsten. „Ich habe gehört, dass andere Feste schon am späten Nachmittag beendet waren. Bei uns saßen die Leute auch noch um Mitternacht da“, erzählte Organisator Max Bauer von den Eichengrün-Schützen Karlsdorf. Mit 700 Leuten hatte er gerechnet. Dass es trotz des leichten Regens über 1000 waren – kein Problemt. „Wir haben halt ein paar Zelte mehr aufgestellt.“ Eins ist schon jetzt klar. „Wir warten nicht mehr acht Jahre bis zum nächsten Maibaum.“ Ansonsten wolle er nichts ändern. Doch, eins fällt ihm noch ein: „Ich werde ein anderes Wetter bestellen.“

Julia Adam, Dieter Priglmeir und Michael Liegl

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