Josef Vogl von der Kripo Erding präsentiert mehrere Dutzend Kilo Rauschgift, das in Freising sichergestellt wurde.
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Volltreffer: Josef Vogl von der Kripo Erding präsentierte am Montag ein mehrere Dutzend Kilo schweres Sammelsurium in Freising sichergestellter Drogen.

Zwei Männer in Haft, einer auf der Flucht

Studentenbuden als Drogen-Bunker: Kripo Erding beschlagnahmt kiloweise Rauschgift

  • Hans Moritz
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Dutzende Kilo Rauschgift hat die Kripo Erding in Freising sichergestellt. Zwei Tatverdächtige sind bereits in U-Haft, nach einem dritten wird bundesweit gefahndet.

Erding/Freising – Es ist der größte Fahndungserfolg der Rauschgiftjäger der Kripo Erding seit Jahren: In Freising stellten sie Dutzende Kilogramm ganz unterschiedlicher Drogen sicher. Der Fundort: Zwei Apartments in der großen Studentenwohnanlage an der Giggenhauser Straße. Sie waren unbewohnt und dienten wohl ausschließlich als Bunker für das Rauschgift.

Zwei Tatverdächtige sind in Haft, nach einem Dritten wird seit Montag bundesweit gefahndet. Die Ermittlungsakte liest sich wie ein Krimi. Das Kommissariat 4 (Rauschgift und Organisierte Kriminalität) hat eine sechsköpfige Ermittlungsgruppe „Schlüssel“ gegründet. Der Schwarzmarktwert der Drogen dürfte bei 200 000 Euro liegen.

In einer Pressekonferenz berichtete Kommissariatsleiter Josef Vogl (56) am Montag von dem spektakulären Erfolg, der mit einem Studenten begann, der ein gutes Näschen bewies und in der riesigen Wohnanlage lebt. Er rief am Abend des 11. März bei der Freisinger Polizei an. Aus einem Apartment rieche es seit gut einer Woche auffällig nach Marihuana. Zwei Drogensachbearbeiter fuhren dorthin und taten – erst mal nichts. Sie warteten.

Marihuana-Geruch aus Apartment: Student alarmiert Polizei

„Sie haben sich vorbildlich verhalten“, lobt Vogl, Denn wenig später kam ein 35-jähriger Deutscher und betrat die Wohnung. Dabei ist er eigentlich an einer anderen Adresse gemeldet, wiederum in der Domstadt. Die Beamten folgten dem Studenten. Und trauten ihren Augen nicht. Offen, in Tüten und Taschen lag das Rauschgift in dem Apartment – in rauen Mengen.

Vogl berichtet von 6,6 Kilo Amphetaminen, 1,6 Kilo Marihuana, 700 Gramm Haschisch, 150 Gramm Kokain, 100 Gramm Pulver, um Ectasy-Pillen herzustellen, 350 LSD-Trips, knapp 300 Ectasy-Pillen, 1,6 Gramm Heroin und 100 Ampullen mit feinstem, 96-prozentigem flüssigen THC, das in E-Zigaretten konsumiert wird. Auch mehr als 2400 Euro in Bar lagen in der Wohnung, Geld, das aus dem Drogenhandel stammen dürfte. Damit war es ein Fall für die Erdinger Kripo.

Während die nächtlichen Ermittlungen liefen, berichtet Vogl weiter, kam ein zweiter Mann dazu, ein 29-Jähriger aus Freising. Als er den Einsatz bemerkte, wollte er sich aus dem Staub machen. Doch die Polizisten stoppten ihn – und fanden in seiner Wohnung prompt 30 Gramm hoch reines Kokain. Es handelt sich um einen 29 Jahre alten Gartenbau-Azubi.

Drogenfund in Freising: Polizisten finden zweite Wohnung voller Rauschgift

„Uns ging es nun darum, ihn mit der ersten Bunker-Wohnung in Verbindung zu bringen“, erzählt der Kommissar. Doch die bei dem jungen Mann gefundenen Schlüssel passten nicht zu der Bude. Aber nach längerer Suche zu einer zweiten in demselben Komplex. Hier das gleiche Bild: Auch sie dürfte lediglich als Rauschgift-Umschlagplatz angemietet worden sein. „Gewohnt hat auch da niemand, beide waren so gut wie unmöbliert.“ Beide Mietverträge waren laut Vogl erst heuer abgeschlossen worden. In diesem Unterschlupf konfiszierten die Fahnder 21,9 Kilo Marihuana, 300 Gramm Kokain, 1,1 Kilo Pulver für Ectasy-Pillen, 50 Gramm Kokain, 200 Ectasy-Pillen und weitere 700 Ampullen flüssiges THC. In der Asservatenkammer landeten zudem vier Messer und ein Elektroschocker.

Ein Haftrichter erließ am nächsten Tag Haftbefehl für beide Männer. Sie sitzen seither in U-Haft. Ins Visier gerieten nun die beiden Brüder des Azubis. Einer, so Vogl, hat mit dem schwunghaften Drogenhandel wohl nichts zu tun. Dafür aber ein zweiter, ein 27 Jahre alter Deutsch-Niederländer. Er ist auf der Flucht. Am Montag ordnete ein Richter die bundesweite Fahndung an. Es handelt sich um Philip Jan May. Er ist 1,80 Meter groß, hat blonde Haare und blaue Augen. Er könnte sich im Raum München – in Ismaning befindet sich sein Elternhaus, wo er auch gemeldet ist –, in Freising, aber auch in Hamburg aufhalten.

Drogenhandel und -konsum nehmen zu

Die Ermittlungsgruppe Schlüssel arbeitet weiter auf Hochtouren. Noch schweigen die Tatverdächtigen. Nur der 29-Jährige hat den Besitz der Drogen eingeräumt, die in seiner „echten“ Wohnung sichergestellt worden waren. Nun geraten die Abnehmer ins Visier. „Wir vermuten, dass auch online gedealt wurde, möglicherweise über das Darknet“, so Vogl. Den Tätern drohen mehrjährige Haftstrafen.

Insgesamt nehmen Drogenhandel und -konsum zu. Vogl bilanziert, „dass wir 2020 bei den Sicherstellungen ein Plus im zweistelligen Prozentbereich vorweisen können, und das auf dem schon relativ hohen Niveau von 2019. Vor allem Cannabis und Amphetamine würden intensiv gehandelt und konsumiert. Das liege auch am relativ niedrigen Preis von zehn bis 15 Euro pro Gramm.

Zeugen gesucht

Zwei Männer sind in Haft. Nach einem Dritten, Philip Jan May (27) aus Ismaning (o.), wird gefahndet. Er könnte sich in München, Freising oder Hamburg aufhalten.

Die Kripo Erding sucht weitere Zeugen und bittet um Hinweise auf den dritten Tatverdächtigen, Philip Jan May. Erreichbar ist sie unter Tel. (0 81 22) 96 80.

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