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So eng wie an manchen Tagen auf der Elbe ging es beim heuer maritim geprägten Turmschieberball am Samstag im Mayr-Wirt zu. Die Kostüme waren größtenteils eindrucksvoll.

Freunde  der Stadt Erding: Turmschieberball im Mayr-Wirt

Wo der Bürgermeister a. D. zum Pirat wird

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Aus dem Erdinger Faschingskalender ist diese rauschende Nacht nicht wegzudenken – der Turmschieberball im Mayr-Wirt. Heuer meinte man, sogar das Meer rauschen zu hören.

Erding - Das macht den Erdingern kein Ostfriese nach. Nach dem Motto „Hafenkneipe am Kronthaler Weiher“ ließen die Freunde der Stadt beim Mayr-Wirt die Erdinger Seefahrertradition auferstehen. Ursache mochte gewesen sein, dass das Institut für Binnenschifffahrt angesichts des Hochwassers den Kiesweiher zur Hochsee erklärt hat.

Fotos vom Turmschieberball im Mayr-Wirt

Die Ballbesucher waren hierzu bestens gerüstet. Zu sehen waren mehr Kapitänsmützen als seit Anbeginn der Traumschiff-Serie. Dazwischen aber auch Leichtmatrosen, fesche Seejungfrauen und Piraten. Letzteren mimte etwa der frühere Bürgermeister Karl-Heinz Bauernfeind mit echtem nur geringfügig geschwärzten Stoppelbart und Augenklappe, rechts wohlgemerkt. Gemahlin Petra befand allerdings, dass es sich bei ihm mehr um einen Schiffbrüchigen handle.

Auch als solcher findet man in der Hafenkneipe und auf dem, wie immer vollem Parkett, seinen Platz. Zum Freirudern lieferte die Walter Autsch Band mit Klabauterfrau a la Pumuckel an Trompete Gesang den notwendigen Takt.

Dass sich die Gästeschar zum Turmschieberball etwas ausdünnte, soll nicht verschwiegen werden. Wettgemacht wurde dies durch den Erdinger Seemannschor, von dem man einiges lernen konnte. „Land in Sicht“, beispielsweise ist die Ansage zum Prost der Gemütlichkeit.

Ein wenig im Nachteil waren die Seebären freilich, als es zur Bussi-Polonaise ging: Männerüberschuss – die Klage aller Matrosen. Die Stimmung trübte das freilich nicht. Der Seemanschor war einer der Höhepunkte des Abends.

Großen Anklang fand das Kinder-Prinzenpaar Xaver I. von Angel und Haken mit Carolina vom Gardetanz mit einer heiteren Begrüßungsrede und einem schmissigen Ehrentanz. Da konnte die Kindergarde nicht nachstehen und begeisterte mit ihrem Auftritt. Wohlgemerkt in halber Formation, hatte man doch aus den vergangenen Jahren gelernt, dass es recht eng wird, wenn sich alle an die Bühne drängen, damit ihnen nichts entgeht.

Dass sich der eine oder andere nach der akrobatisch-tänzerischen Vorführung eher schüchtern auf die Tanzfläche begab, war verständlich. Zum einen hatte man im Nachwuchs seinen Meister gefunden, zum anderen galt es ja nur die Zeit bis zum Höhepunkt des Abends zu überbrücken, dem Turmgespräch.

Schon umgestellt haben sich der Scheena, alias Josef Hochholzer und der Stodara, Andreas Maier: Aus den Stadttürmen wurden diesmal Leuchttürme mit weitem Blick in die Zukunft Erdings.

Getreu dem Ballmotto einer Hafenkneipe ging es zunächst um den Kronthaler Weiher, demnächst als Hochsee zu sehen. Da Stodara hatte sich schon umgestellt und parlierte auf Dünenplatthochdeutsch als Messstation von der Kronthaler Sandküste. Zu sehen gab es allerhand, vom Frachter, Tanker, Surfer und – oioioi – Nacktbader.

Ganz gelungen war der Umstieg jedoch nicht, nach dem ersten Aquavit wollten er und das Schneene „a gscheids Bier“. Dabei kammen beiden die besten Ideen.

Etwa ein Flugzeugträger, womit sich die dritte Startbahn am nahen Großflughafen samt Verkehrsanbindung erledigt hätte. Was man dann nur bräuchte, wäre die Sempt-Saubach-Isarkanal- Verbindung, die man nur ein wenig ausbaggern müsste. Machen könnte das die FMG im Zweigbetrieb als Moos-Dampfschifffahrtsgesellschaft.

Ins Konzept passt auch die neue Brücke am Fehlbach. „De werd vui breiter, und do machans an Dampfasteg für Touristen“, hofft der Scheene und warb schon mal für die große Sempt- und Saubach-Rundfahrt.

Auf die Touristen setzte auch der Stodara. Jeder Thermenbesucher müsse von seinem Acht-Stunden-Ticket mindestens zwei Stunden in der Innenstadt verbringen. „Mit einem Beleg für vier Halbe Stiftungsbräu und zwei neuen Anzügen“, ergänzte der Scheena, müsse er dann auch keine Strafe an die Stadtkasse zahlen.

Alles erst ein Anfang, denn supervertraulich, weil es erst fünf Tage später in der Zeitung stand: das neue Gewerbegebiet in Klettham mit Logistikzentrum, Handwerkerviertel und Recyclinghof. Der Stodara denkt da gleich an einen richtigen Stau auf der Anton-Bruckner-Straße – „net nur so a bisserl wos, wie jetzad“. Der Scheena war dafür, kannte er doch die Geheimpläne des OB. Keine Logistik, kein Abfall, sondern eine Semptphilharmonie – größer und schöner als die in Hamburg und extra für den Erdinger Seemanschor.

Dass dort keine Sempt ist, stört wenig. Die wäre umzuleiten, so der Stodara, „denn unserem OB is nix unmöglich“. Anderseits könnte man den Kunsttempel auch Saubach-Stadl nennen oder noch besser, so beide in seltener Eintracht: „Turmscheiber-Arena“.

Hans Moritz

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