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Sechs Aktionen in eineinhalb Jahren – das ist die Bilanz von Fridays for Future in Erding, hier eine Kundgebung 2019 auf dem Schrannenplatz. 

Fridays-for-Future-Gruppe Erding überzeugt Stadtrat mit Ideen und Kompromissbereitschaft

Klimaschutz: Erding soll Vorbild werden

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Beim Klimaschutz hat Fridays for Future (FFF) in Erding jetzt einen starken Verbündeten: den Stadtrat mit OB Max Gotz und der Verwaltung.

Erding – Mit klaren Forderungen, aber auch Kompromissbereitschaft gelang es den FFF-Sprechern Jule Maylandt, Lena Börner und Tobias Hupfer am Dienstagabend im Plenum, die Stadtpolitik für ihren Kampf gegen den Klimawandel zu gewinnen. In Erding besteht die Bewegung seit gut eineinhalb Jahren. Insgesamt gab es seither sechs Veranstaltungen, darunter mehrere große Freitagskundgebungen. „Die fanden aber alle am Nachmittag statt, weil wir Klimaschutz, aber auch Bildung als unerlässlich ansehen“, so Hupfer.

Das Trio wartete mit einer überzeugenden Gleichung auf. FFF vertritt die Auffassung, dass vor allem die beim Klimaschutz vorangehen können und müssen, die stark, stabil und finanzstark aufgestellt sind. Hupfer, Börner und Maylandt sind überzeugt: „Erding könnte ein Beispiel für Bayern werden, Bayern wiederum für Deutschland, und die Nation wiederum für die Welt.

Hupfer wartete mit lokalen Forderungen auf, darunter eine autofreie Innenstadt, ein zunächst verbilligter und letztlich kostenloser öffentlicher Nahverkehr sowie die (finanzielle) Förderung von Firmen, die sich dem Klimaschutz verschrieben haben.

PV-Anlagen sollen Pflicht werden

Börner sprach von der Pflicht, PV-Anlagen auf und an – neuen– städtischen Gebäuden anzubringen, große Park & Ride-Parkplätze am Stadtrand zu bauen, Carsharing zu fördern, von der Umstellung der Busflotte auf Elektroantrieb, vom konsequenten Ausbau des Radwegenetzes sowie der CO2-Kompensation sämtlicher Dienstreisen von OB und Stadträten. Auch private und gewerbliche Bauherren sollten zu Dachflächen-Photovoltaik, alternativ dazu zu Dachbegrünung verpflichtet werden.

Mehrfach versicherte Hupfer, FFF stehe nicht für kompromisslose Radikallösungen. Deswegen sei Tempo 20 in der Innenstadt ein guter Ansatz. Die Baustelle habe aber gezeigt, es gehe auch ohne Autos – von Anwohnern, Behinderten und Bussen abgesehen.

Auch lobten sie bisherige Anstrengungen wie das Konzept der fahrradfreundlichen Stadt. „Wir wissen, dass in einer wachsenden Stadt Flächenversiegelung nicht ganz ausbleibt. Aber man könnte es auffangen, indem man für jeden gefällten Baum zwei neue pflanzt.“

Lob von OB und Stadträten

Eingangs hatte Maylandt erklärt, gerade Deutschland dürfe nicht auf andere, größere Klimasünder zeigen. „Wir produzieren zwei Prozent des globalen CO2-Ausstoßes, und das mit einem Prozent der Weltbevölkerung.“ Wenn es ein wohlhabendes und stabiles Land wie Deutschland nicht schaffe, „dann schafft es niemand“, so Maylandt. Die Bewegung müsse von Europa aus in die Welt gehen.

Auch in Erding sei der Klimawandel spürbar, so die junge Aktivistin mit Verweis auf immer mehr Starkregen- und Hochwasserereignisse im Winter sowie heißen Trockenperioden im Sommer.

Sichtlich beeindruckt lobte Gotz: „Ich habe in Ihrem wohltuenden Vortrag heute nichts Radikales gehört.“ Es sei gut, dass FFF einerseits auf bereits Erreichtes hinweise, aber auch darauf, was noch zu tun sei. Gotz bot den Klimaschützern einen dauerhaften Dialog an.

CSU: Geht bloß nicht zu einer Partei

Helga Stieglmeier (Grüne) regte an, FFF solle Mitglied im neuen Klimabeirat des Landkreises werden. Sie freue sich, dass alle Fraktionen hinter dem Ansinnen stünden. „Mit Ausnahme einer Partei, die den Klimawandel grundsätzlich leugnet“, erklärte sie mit Blick auf die AfD, dessen Fraktionschef Wolfgang Kellermann prompt aufstöhnte. Stieglmeier forderte wie Parteikollege Herbert Maier, alle Entscheidungen im Stadtrat müssten auf Klimaschutz überprüft werden. Walter Koppe (Linke) wünschte sich, dass FFF „künftig in der Stadtpolitik mitredet“.

Burkhard Köppen (CSU) appellierte an die jungen Leute: „Lasst Euch nicht von den Parteien vereinnahmen, egal von welcher. Sonst wird euch vorgeworfen, Parteiziele zu verfolgen.“ Allerdings gab er FFF auch mit auf den Weg: „Politik ist das Bohren ultradicker Bretter.“

ham

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