Wollen ihre Friseurgeschäfte wieder öffnen (vorne, v. l.): Obermeisterin Bettina Kagerl (Salon „Das Haarreich“ in Altenerding), Viktoria Bauer (Haarroom in Erding), Veronika Gaigl (Friseursalon Kuliga in Erding), Barbara Strobl („Da Lipp“ in Pretzen) und Marion Ostermaier („Hairpoint“ in Dorfen) bei der Demo in Ebersberg.
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Wollen ihre Friseurgeschäfte wieder öffnen (vorne, v. l.): Obermeisterin Bettina Kagerl (Salon „Das Haarreich“ in Altenerding), Viktoria Bauer (Haarroom in Erding), Veronika Gaigl (Friseursalon Kuliga in Erding), Barbara Strobl („Da Lipp“ in Pretzen) und Marion Ostermaier („Hairpoint“ in Dorfen) bei der Demo in Ebersberg.

Familienbetriebe im Landkreis Erding kämpfen um ihre Existenz

Friseure entzünden Grablichter

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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„Unsere Existenz ist bedroht!“ Die Corona-Pandemie und die damit verbundene Zwangsschließung ihrer Geschäfte tritt auch die Friseure im Landkreis Erding hart. Einige haben demonstriert.

Erding/Ebersberg – Mit einem stillen Protest vor dem Landratsamt Ebersberg haben am Montagabend rund 50 Friseurinnen und Friseure auf ihre prekäre Situation im Corona-Lockdown aufmerksam gemacht. Darunter waren auch sieben Friseurinnen aus dem Landkreis Erding mit Obermeisterin Bettina Kagerl an der Spitze.

Sie standen mit ausgeklappten Meterstäben vor der Kreisbehörde, stellten symbolisch Grablichter auf und hielten Schere und Kamm in den Händen. Die Friseure wollten ihre Sprachlosigkeit und die ihrer Kunden über die Schließung der Läden zum Ausdruck bringen sowie über die daraus entstandene „fatale finanzielle Situation“, so die Initiatoren der Demonstration, Ludwig Bitto und Uschi Etze.

Bettina Kagerl betont, dass die Friseure zum Handwerk gehörten, aber im Gegensatz zu anderen Branchen während des Corona-Lockdowns schließen mussten. Dieser Zustand sei für die Betriebe, die meist familiengeführt seien, existenzbedrohend. „Lasst uns wieder öffnen“, fordern die Friseure. Auf einem Plakat stand: „Wir Friseure wollen wieder arbeiten! Unsere Existenz ist bedroht.“

Schon im ersten Lockdown hatten die Friseure ihre Geschäfte – wie andere Branchen auch – sechs Wochen schließen müssen. Die Mitarbeiter, viele von ihnen in Teilzeit beschäftigt, gingen in Kurzarbeit. „Mieten, Versicherungen, Steuern mussten jedoch weiter gezahlt werden“, betont Kagerl. In einem Brief an Ministerpräsident Markus Söder, Landrat Martin Bayerstorfer und alle Bürgermeister im Landkreis Erding macht sie mit eindringlichen Worten auf die schwierige Situation aufmerksam.

„Der Lockdown zwingt uns in die Knie“, schreibt Kagerl. Sie berichtet von Investitionen, um die umfangreichen Hygienebestimmungen penibel einzuhalten, Umsatzeinbußen und Schwierigkeiten bei den staatlichen Hilfen, die nur über den Steuerberater beantragt werden könnten, der wieder Geld koste.

Kagerl hinterfragt auch den Sinn der Zwangsschließung, „wenn dadurch gleichzeitig der Schwarzarbeit die Türen geöffnet werden“. Diese sei inzwischen sehr weit offen – „oder die Deutschen haben tatsächlich innerhalb der letzten Wochen per YouTube Haare schneiden gelernt oder Strähnentechniken“. Sie müsse zusehen, „wie meine Innungsmitglieder und ich untergehen, nur weil wir uns an die staatlichen Anordnungen halten und nicht wie andere schwarz weiterarbeiten. Das ist ein herber Schlag ins Gesicht.“ Die Obermeisterin bittet die Lokalpolitiker, sich für das Friseurhandwerk einzusetzen.  ac/zie

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