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Friseurinnung Erding beklagt: Weniger Kunden, höhere Löhne

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Von: Daniela Oldach

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Düstere Zukunftsaussichten: Obermeisterin Bettina Kagerl (hinten, 2. v. l.) berichtete über die aktuelle Lage bei den Friseuren, die immer noch gewaltige finanzielle Einschnitte hinnehmen müssen.
Düstere Zukunftsaussichten: Obermeisterin Bettina Kagerl (hinten, 2. v. l.) berichtete über die aktuelle Lage bei den Friseuren, die immer noch gewaltige finanzielle Einschnitte hinnehmen müssen. © Daniela Oldach

Die Friseurinnung Erding hadert mit der Preisentwicklung und Umsatzeinbußen durchs Homeoffice.

Erding – Immer noch mit Umsatzeinbußen haben die Friseure im Landkreis zu kämpfen. Innungsobermeisterin Bettina Kagerl berichtete in der Jahreshauptversammlung im Gasthaus zur Post von Berufskollegen, denen erhebliche finanzielle Einbrüche entstehen. Dazu trage auch das lange Homeoffice von Kunden bei. „Wenn ich nicht rausgehe, muss ich auch nicht schön sein“, meinte sie sarkastisch. Und so würden etliche Kunden immer längere Zeiten zwischen Friseurbesuchen verstreichen lassen.

Die Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent, ein finanzieller Ausgleich für Unternehmer oder sogar ein Schadensausgleich wären Mittel, damit den Friseuren wieder mehr Geld in die klammen Kassen gespült werde. Diese Forderungen stellt der Landesverband, von dessen April-Tagung Kagerl ihren Berufskolleginnen berichtete. „Es wird uns noch eiskalt erwischen“, sagte sie angesichts der steigenden Inflation. Preiserhöhungen werden nicht auszuschließen sein. Dabei seien die Auswirkungen der Pandemie auch im dritten Jahr noch spürbar.

Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Änderung der Berufsausbildung. So gibt es bei den Friseuren Überlegungen, ein Berufsgrundschuljahr einzuführen. Ähnlich wie bei den Schreinern wäre dann das erste Lehrjahr schwerpunktmäßig von Theorie geprägt. Gerade verschafft man sich in den Innungen ein Meinungsbild.

Die Erdinger stehen diesem Vorschlag grundsätzlich positiv gegenüber. Denn je attraktiver eine Ausbildung gestaltet ist, umso mehr Lehrlinge würden sich wieder für das Friseurhandwerk entscheiden, und umso mehr Fachkräfte würden damit die Branche beleben. Laut Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger wird eine Änderung aber nicht einfach sein. „Da müssen sich die Wirtschaftsminister der Bundesländer mehrheitlich einig sein. Und das ist ein äußerst beschwerlicher Weg.“

Ein Motivationsfaktor ist auch die Bezahlung. Für Auszubildende wird der monatliche Mindestlohn zum neuen Lehrjahr laut Kagerl angehoben. Dann gelten 585 Euro für das erste, 690,30 Euro für das zweite und 789,75 Euro für das dritte Lehrjahr. Ab Januar tritt eine weitere Mindestvergütung in Kraft: 620 Euro im ersten, 731,60 Euro im zweiten und 837 Euro im dritten Ausbildungsjahr.

Kagerl mahnte aber auch, Angebote und Programme für die Erwachsenenbildung, für Wiedereinsteiger oder für Kräfte, die zwar in der Theorie nicht so gut seien, dafür aber im Handwerk, anzubieten. Über mehr Geld dürfen sich auch ausgelernte Kräfte freuen, denn der Mindestlohn wird laut Kagerl steigen. Ab Juli sind es 10,45 Euro pro Stunde (bisher 9,82 Euro). Voraussichtlich ab Oktober müssen mindestens zwölf Euro pro Stunde gezahlt werden.

„Wenn die Löhne steigen, müssen auch die Preise steigen“, schlussfolgert Kagerl. Denn auch die Energiekosten reißen ein Loch in die Kasse. „Die Preise müssten eigentlich um 30 Prozent angehoben werden. Da werden unsere Kunden nicht in die Hände klatschen“, meinte sie.

Die Erdinger Innung verfügt derzeit über 32 Mitgliedsbetriebe. Lehrlingswartin Barbara Strobl berichtete von den Gesellenprüfungen. Acht Prüflinge haben Anfang April die Theorie 1 abgelegt. Dabei gab es einmal die Note eins, dreimal die Note zwei, einmal die drei und dreimal eine vier. Durchschnittsnote: 2,8. Im praktischen Teil wurden Bewertungen zwischen 1,9 und 2,6 erzielt. Am 4. Juli steht die Theorie für die Gesellenprüfung zwei an. Der praktische Teil folgt am 14. Juli. Derzeit sind acht Auszubildende im ersten, sechs im zweiten und zwölf im dritten Lehrjahr.

Bei der Innung selbst gibt es eine Änderung: Kassenprüferin Andrea Mair gab ihr Amt ab. Ihre Nachfolgerin ist Sonja Bayram. Der zweite Kassenprüfer Herbert Kuliga wurde in Abwesenheit wiedergewählt.

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