Volle Straßen an Fronleichnam im vergangenen Jahr: An der Prozession in Erding nahmen hunderte Katholiken teil. Auf unserem Bild ziehen sie mit Stadtpfarrer Martin Garmaier unter dem Baldachin gerade vom Altar an der Langen Zeile weiter Richtung Rätschenbach.
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Volle Straßen an Fronleichnam im vergangenen Jahr: An der Prozession in Erding nahmen hunderte Katholiken teil. Auf unserem Bild ziehen sie mit Stadtpfarrer Martin Garmaier unter dem Baldachin gerade vom Altar an der Langen Zeile weiter Richtung Rätschenbach.

Vor Ort mit Gläubigen oder im Livestream

Fronleichnam ohne Prozession: So wird im Landkreis Erding gefeiert

Einige Pfarrer feiern an Fronleichnam vor Ort mit den Gläubigen, andere setzen weiter auf Livestreams im Netz. Ihnen allen gemeinsam ist: Heuer gibt es keine Prozessionen.

Landkreis – Wird normalerweise das Fronleichnamsfest in der katholischen Kirche mit einem Festgottesdienst und anschließender Prozession durch den Ort begangen, läuft in Zeiten von Corona alles anders ab. Erlaubt sind Gottesdienste in den Kirchen nur unter Einhaltung des Abstands von zwei Metern, mit Desinfektion, Tragen von Mundschutz und namentlicher Auflistung der Besucher. Gestattet ist auch die Aussetzung, also das Herzeigen des Allerheiligsten in der Monstranz. Doch eine feierliche Prozession, bei der üblicherweise zahlreiche Fahnenabordnungen der Vereine mitgehen, ist untersagt.

Pfarrverband St. Anna im Moosrain: Anmeldung über Homepage

Michael Bayer, Kreisdekan und Leiter des Pfarrverbands St. Anna im Moosrain, kann wegen der Abstandsregel nur 30 Gläubige in der Moosinninger Pfarrkirche St. Emmeram unterbringen, in St. Martin Oberneuching finden 23 Besucher Platz. Die Anmeldung zu den Gottesdiensten läuft über die Homepage des Pfarrverbands. „Da haben wir gleich alle Daten beisammen und müssen an der Kirchentür keine Gläubigen heimschicken“, erklärt der Seelsorger.

Dass Personen ohne Internetzugang damit Probleme haben könnten, ist ihm klar. „Da sind dann Nachbarn oder Enkel gefragt beim Helfen.“ Doch Bayer versichert auch, es würden alle Gläubigen mit ins Gebet genommen, auch die Nichtanwesenden. „In dieser Zeit wird die Hauskirche in den Familien wieder wichtiger, wie in der Urkirche“, meint Bayer.

Pfarrer Kriechbauer: Gottesdienst mit Besuchern derzeit noch keine Option

„Solange kein würdiger Gottesdienst möglich ist, feiere ich keinen Gottesdienst mit Besuchern“, erklärt dagegen Pfarrer Josef Kriechbaumer aus Isen. Mit dem vorgeschriebenen Ordnungsdienst, Desinfektion und Mundschutz sei dies für ihn keine Option.

Seit 29. März werden in der Kirche St. Zeno regelmäßig Gottesdienste mit nur fünf Beteiligten gehalten, die dann per Livestream im Internet übertragen werden. Neben dem Pfarrer sind Gemeindereferent Bernhard Schweiger, Barbara Schrallhammer für Lektorat und Gesang sowie der Organist und ein Mann für die Technik dabei. „Das läuft jetzt wie geschmiert“, freut sich der Pfarrer. Zugeschaltet sind jedes Mal einige hundert Teilnehmer, sogar ein ehemaliges Gemeindemitglied, das jetzt in Peking wohnt, folgt auf diesem Weg der Messe in seiner Heimatkirche. Zusätzlich werden fast 200 Abonnenten über den E-Mail-Verteiler mit Gebets- und Meditationstexten, Liedern oder auch mal einem Witz versorgt.

St. Johannes Erding: 40 Gläubige in der Stadtpfarrkirche

Beim Fronleichnamsgottesdienst wird Kriechbaumer am Ende die „Regenvariante“ der normalen Prozession vorführen, bei der die Monstranz auf dem Altar gezeigt wird. Wie bei einer Station erklingen Fürbitte, Gebet und Gesang, dazu wird der eucharistische Segen erteilt.

Eigentlich wird an Fronleichnam das letzte Abendmahl vom Gründonnerstag nachgefeiert, wie Kriechbaumer erklärt. Der Leib Christi, dargestellt durch die Hostie, wird bei der Prozession mit der Monstranz durch den Ort getragen, damit Jesus die Bewohner und den Ort segnen kann. Besonders in Coronazeiten sei es für die Gläubigen wichtig zu wissen, dass Jesus da ist. „Er geht alle unsere Weg mit und spendet dadurch Zuversichtlichkeit auch in schweren Zeiten“, betont der Seelsorger.

In der Erdinger Stadtpfarrkirche St. Johannes wird Stadtpfarrer Martin Garmaier am Donnerstag zum ersten Mal seit der Corona-Krise wieder einen regulären Gottesdienst mit Austeilung der Heiligen Kommunion feiern. Bis jetzt waren wegen der Beschränkungen nur Wortgottesdienste ohne Kommunion möglich. In der Stadtpfarrkirche werden 40 Gläubige Einlass finden, in Langengeisling 24. Für die Messen liegen vorab in der Kirche nummerierte Einlasskarten zur Abholung bereit. „Bitte dabei auch an die anderen Gläubigen denken und vielleicht nur alle drei Wochen kommen“, appelliert der Stadtpfarrer an seine Gemeinde. Bisher sei aber „der große Run noch ausgeblieben“, da viele Menschen wegen der Auflagen und Sicherheitsbedenken noch zuhause blieben.

Leere Kirchen soll es vielerorts auch trotz Corona nicht geben – etwa in St. Johannes, wo es Einlasskarten gibt.

Sehr erleichtert ist Garmaier, dass wieder die Austeilung der Kommunion ohne Handschuhe erlaubt ist. Er befürchtet trotzdem einen dauerhaften Besucherrückgang durch die Pandemie. „Da werden sicher einige auch nach der Lockerung daheim bleiben und vielleicht den Gottesdienst im TV anschauen“, meint er.

Maria Tading: Livestream statt Gottesdienst mit Besuchern

Auch in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt Tading wird Pfarrer Christoph Stürzer eine Messe feiern – mit Aussetzung der Monstranz, aber ohne Besucher. Der Gottesdienst wird live auf www.kirch-dahoam.de zu sehen sein, hier sehen die Übertragungen 600 bis 700 Gläubige, dazu noch etwa 500 in den folgenden Tagen.

Laut Stürzer sei schon die erforderliche Ausstattung wie Desinfektionsspender, Mundschutz und Einmalhandschuhe schwer zu bekommen, es gebe wochenlange Lieferzeiten. „Solange die Grundausstattung nicht vorhanden ist, brauchen wir nicht über eine Öffnung nachzudenken“, erklärt er.

In seiner Wallfahrtskirche mit regulär 250 Plätzen könnte er momentan 20 Personen unterbringen, jedoch nur ohne Austeilung der Kommunion, sonst wären es noch weniger. Mit den nötigen fünf Ordnern stünde der Aufwand in keinem Verhältnis. Und würde dann nur einer der Besucher dem Livestream widersprechen, könnte man diesen nicht mehr anbieten, sagt der Pfarrer, der am Ende des Gottesdienstes im Freien vor der Kirche den „Segen des Pfarrverbands“ erteilen wird.

Gerda Gebel

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