+
Der Tatort: Auf dem Parkplatz vor dem Erdinger Kino an der Dorfener Straße fand am 13. November der Überfall von fünf Männern auf drei Arbeiter aus dem Ostblock statt. Ein 52-Jähriger erlag am 4. Dezember im Klinikum München-Schwabing seinen schwersten Kopfverletzungen.

Fünf Verdächtige in Untersuchungshaft

Vor Erdinger Kino: Rollkommando tötet Ukrainer

  • schließen

Auf dem Parkplatz des Erdinger Kinos hat sich ein Gewaltverbrechen ereignet, bei dem ein 52 Jahre alter Ukrainer getötet worden ist. Polizei und Staatsanwaltschaft schließen internationale Bandenkriminalität nicht aus. Fünf Tatverdächtige sind in Haft.

Erding/Taufkirchen  - Es war gegen 1.40 Uhr in der Nacht auf den 13. November vorigen Jahres. Sechs Männer rollen in einem Mercedes auf den Kino-Parkplatz an der Dorfener Straße in Erding. Sie wissen genau, wo sie hinwollen. Neben einem Opel Zafira stoppen sie. Fünf Männer zwischen 26 und 47 Jahren steigen aus und reißen die Autotür auf. Wild prügeln die Männer aus Osteuropa auf die Insassen ein.

Dabei handelt es sich um zwei Tadschiken und einen Ukrainer, die eine Zeit lang in Taufkirchen gewohnt haben. Der 52 Jahre alte Ukrainer springt aus dem Wagen und versucht zu fliehen. Weit kommt er nicht. Die Männer rennen ihm nach, halten ihn fest. Sie traktieren ihn. Als der Ukrainer zu Boden geht, treten sie mit den Füßen gegen seinen Kopf.

Ein Zeuge beobachtet den Gewaltexzess und ruft die Polizei. Er merkt sich das Kennzeichen des Mercedes. Wenige Minuten später sind die erste Streife und ein Rettungswagen vor Ort. Der fährt den 52-Jährigen mit schwersten Verletzungen ins Klinikum Erding. Von dort wird er wenig später ins Klinikum München-Schwabing verlegt. Doch auch dort können ihm die Ärzte nicht helfen. Am 4. Dezember erliegt er seinen lebensbedrohlichen Verletzungen. Unter anderem hat er einen Schädelbasisbruch erlitten.

Öffentlichkeit sollte erst einmal nichts erfahren

Die Kripo Erding übernimmt den Fall. Doch die Öffentlichkeit soll erst einmal nichts erfahren. Denn die Indizien gehen in Richtung organisierter russischer Kriminalität. Dank des Zeugen können die fünf Männer bereits am selben Morgen festgenommen werden. Seither sitzen sie in Untersuchungshaft. Thomas Steinkraus-Koch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Landshut, sagt unserer Zeitung: „Die Ermittlungen laufen noch. Vermutlich werden wir sie wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung anklagen.“

Doch warum ist vor dem Erdinger Kino die Gewalt derart eskaliert? Nach Informationen unserer Zeitung haben die drei Osteuropäer für eine Firma mit Sitz in Heidenheim/Baden-Württemberg gearbeitet – als Paketzusteller und Lageristen. Unter anderem waren sie im Erdinger Land eingesetzt.

Irgendwann vor dem 13. November soll dem Trio Lohn vorenthalten worden sein. Angeblich wollten die Drei den Opel Zafira, der der Firma gehört, erst herausgeben, wenn sie ihr Geld bekommen haben. Das wäre Erpressung.

Waren die Männer bezahlte Schläger?

Noch sind es nur Mutmaßungen, ob die fünf Männer aus Lettland und Litauen bezahlte Schläger waren, die das Auto zurückholen sollten. Es gibt aber Hinweise darauf, dass es sich um ein äußerst gewaltbereites Rollkommando gehandelt hat. Dieser Komplex wird von der Kripo Heidenheim bearbeitet. Die Ermittler dort prüfen auch, inwieweit die Tadschiken und der Ukrainer mit falschen rumänischen Pässen ausgestattet wurden, damit sie hier arbeiten konnten. Ob der Auftrag, das Trio zu stellen, von der Firma kam, ist unklar. Die Fahnder gehen davon aus, dass Erding nur ein zufälliger Tatort war. Als wahrscheinlich gilt, dass das Trio hierher gelockt wurde.

Nach Angaben von Steinkraus-Koch – die Landshuter kümmern sich um die Tötung und die gefährlichen Körperverletzungen – gibt es wegen laufender Ermittlungen noch keine Anklageschrift. Daher ist noch nicht absehbar, wann den fünf Tatverdächtigen vor dem Landgericht Landshut der Prozess gemacht wird. Wegen der unterschiedlichen Sprachen gestalten sich die Untersuchungen schwierig, zumal die Osteuropäer dem Vernehmen nach keinen Beitrag zur Aufklärung leisten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erding bekommt einen Kletterpark am Kronthaler Weiher
Für einen Jugendzeltplatz war dem Landkreis die Fläche am Kronthaler Weiher zu klein. Jetzt will das Erdinger Alpenkranzl bauen – vor allem in die Höhe. Die Stadt könnte …
Erding bekommt einen Kletterpark am Kronthaler Weiher
Erdinger Grüne uneins über Koalition mit der CSU
Was eine schwarz-grüne Koalition im Landtag betrifft, sind sich die Erdinger Grünen uneins. Das wurde bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Katrin Göring-Eckardt in …
Erdinger Grüne uneins über Koalition mit der CSU
„Laut, leidenschaftlich, aber nicht hässlich“
Was eine schwarz-grüne Koalition im Landtag betrifft, sind sich die Erdinger Grünen uneins. Das wurde bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Katrin Göring-Eckardt in …
„Laut, leidenschaftlich, aber nicht hässlich“
Zwei Radl Presssack und eine Flasche Rum
Zehn Burschen, zwei gemeinsame Leidenschaften – so entstand vor fünf Jahren der RW Bresssog n. e. V. Mittlerweile sind es 13 Mitglieder – dabei ist die Aufnahmeprüfung …
Zwei Radl Presssack und eine Flasche Rum

Kommentare