Vor Gericht 

Fund unterschlagen

Erding – Wegen Unterschlagung, respektive Diebstahl musste sich jetzt eine Erdingerin (50) vor dem Amtsgericht Erding verantworten. Sie kam mit einer Geldstrafe davon.

Die Vorwürfe klingen merkwürdig: Die Servicekraft, geschieden mit vier Kindern und seit einem Jahr krankgeschrieben, druckte im Dezember gegen 23 Uhr ihre Kontoauszüge in der Filiale der Sparkasse am Alois-Schießl-Platz aus.

Dabei fiel ihr eine Brieftasche auf, die jemand vergessen hatte. Die Frau nahm sie an sich, ging aber erst einmal nach Hause. Ihr Plan, das Fundstück anderntags abzugeben, zerschlug sich. Sie gab an, von einem Mann besucht worden zu sein, dessen Namen sie nicht kennt, von dem sie aber immerhin ein Foto auf dem Handy präsentieren konnte.

Der rechtmäßige Eigentümer des Geldbeutels fragte zunächst bei der Bank nach, die zur Anzeige riet. Die Polizei kam der Finderin schnell auf die Spur, denn zum einen gab es Videoaufnahmen, zum anderen hatte sie sich beim Ausdruck der Kontoauszüge identifiziert.

Damit konfrontiert, so der Ermittler im Zeugenstand, sei die Dame „sehr aufgebracht“ gewesen und laut geworden. Nach Aussage der Angeklagten, die schon einmal wegen Betrugs verurteilt worden war, befanden sich lediglich zehn Euro in der Geldbörse – jedenfalls solange sie sie noch hatte. Die Anklage sprach von 50 Euro.

Nicht das Geld, aber wenigstens die Dokumente, die noch in der Brieftasche waren, bekam der Geschädigte anonym zugesandt. Der Schaden hielt sich damit insgesamt in Grenzen.

Richterin Sabine Schmaunz ging davon aus, dass die Angeklagte vorhatte, den Geldbeutel zu behalten. Dass er ihr abhandengekommen sein soll, wertete sie als Schutzbehauptung – und verurteilte die 50-Jährige zu 450 Euro Geldstrafe. Dabei berücksichtigte Schmaunz die Vorstrafe und die nur sehr geringe Beute.  gse

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