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Aus zwei mach eins. Die Vorstände der VR-Banken Erding und Isen-Sempt (v. l.): Josef Kressirer, Friedrich Ziller, Johann Luber, Josef Kern und Friedrich Reiser vor dem künftigen gemeinsamen Hauptsitz an der Zollnerstraße in der Erdinger Altstadt. Kressirer und Reiser scheiden altersbe dingt im Lauf des Jahres aus ihren Gremien aus.

Fusion der VR-Banken Erding und Isen-Sempt 

Heiraten, so lange es beiden noch gut geht

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Nicht aus der „Position der Schwäche“, sondern mit der „Strategie gebündelter Kräfte“ wollen die VR-Banken Erding und Isen-Sempt fusionieren. Im September soll der Zusammenschluss zur VR Bank Erding über die Bühne gehen – wenn beide Vertreterversammlungen zustimmen.

Erding/Isen – Negativzinsen, Digitalisierung und Regulatorik – die Banken haben es wegen der rigiden Politik der Europäischen Zentralbank nicht einfach. Die Zinserträge schrumpfen. Der Aufwand, Verluste hier über das Anlagengeschäft hereinzuholen, ist beträchtlich. Wegen dieser Entwicklung erlebt die Bankenlandschaft derzeit eine Welle an Fusionen.

Sie erreicht nun den Landkreis: Die VR-Banken Erding und Isen-Sempt, beide vor 120 Jahren gegründet, streben unter ein Dach. Die allgemein angespannte Lage sei aber nicht das ausschlaggebende Moment, heißt es aus beiden Geldhäusern.

Es hatte vielmehr personelle Gründe. Friedrich Reiser, Chef der Isener Bank, geht mit 61 Jahren Ende September in den Ruhestand. Bereits vor zwei Jahren, berichtet Reiser, sei der Aufsichtsrat auf ihn zugekommen. Der Vorstand solle mit den vier anderen Genossenschaftsbanken im Landkreis ausloten, ob eine Fusion eine Option sei. „So kamen wir schnell mit der VR-Bank Erding ins Gespräch“, sagt Reiser.

Das bestätigen die Vorständler aus der Kreisstadt. Johann Luber, Josef Kern und Josef Kressirer. Die Situation hier ist ähnlich: Kressirer, wie Reiser viele Jahre Sprecher des Kreisverbands, ist 60 Jahre alt und scheidet Ende August aus dem Berufsleben aus.

Reiser und seine Kressirer versichern, „dass wir nicht aus der Position der Schwäche fusionieren“. Im Gegenteil, sagt auch der Isener Vorständler Friedrich Ziller: „Wir fahren die Strategie der gebündelten Kräfte.“ Die Situation sei nicht einfach, „aber jetzt können wir den Zusammenschluss frei und frei von Zwängen gestalten“.

Und: Auf diese Weise müssen beide Häuser keine neuen Vorstände einstellen. Denn die neue Spitze bilden nach aktuellem Stand Luber, Kern und Ziller.

Zusammenschlüsse unter Genossenschaftsbanken sind kein Betriebsunfall, sondern seit Jahren die Regel – und das seit Jahren, so Luber. „Von einer Fusionitis kann also keine Rede sein“, so Luber Beide Häuser hätten sich zuletzt vor 14 Jahren vergrößtert – einmal mit Neuching, Ottenhofen, Finsing beziehungsweise Reichenkirchen-Wartenberg. Ziller und Reiser ergänzen, dass ihr Bankhaus heute ein Zusammenschluss von einst zehn kleinen Genossenschaftsbanken sei.

Bemerkenswert an der nun anstehenden Hochzeit ist, dass zwar der Große den Kleinen schluckt. Reiser: „Das übernehmende Institut ist die VR-Bank Isen Sempt.“ Das Verhältnis beträgt seinen Worten zufolge hinsichtlich Eigenkapital, Bilanzvolumen und Geschäftsstellen etwa 60:40. Aber: Der neue Verbund werde den Namen VR-Bank Erding tragen und hier auch seinen Sitz haben – mit Abteilungen in Isen und Lengdorf.

Diese Verteilung laut Luber mehrere Gründe. Der eine sei fiskalisch: So falle die Grunderwerbssteuer geringer aus. Der andere sei ein strategischer: „Der Name Erding ist bekannter.“ Kressirer ist überzeugt, dass man so auch neue Fachkräfte leichter gewinnen könne. „Und da befinden wir uns zunehmend in einer Konkurrenzsituation.“

Grundsätzlich, betonen alle Vorständler, verfolge man kein Sparmodell. Fusionsbedingte Kündigungen seien ebenso wenig geplant wie Filialschließungen. Dennoch würden einige Kollegen das Haus verlassen, geben Luber und Reiser zu – etwa in den (Vor-)Ruhestand, oder weil sie die Gelegenheit zu einem beruflichen Neustart nutzten.

Mitglieder stimmen am 17. und 18. Mai ab

Die neue VR Bank Erding wird diese Kennzahlen aufweisen: Die Bilanzsumme wird etwa eine Milliarde Euro betragen, das Eigenkapital mit 100 Millionen Euro beziffert. Das Institut zählt danach 42 000 Kunden, 17 000 Mitglieder, 16 Geschäftsstellen und 220 Mitarbeiter. Luber merkt diesbezüglich an: „Damit sind wir immer noch keine Großbank.“

Die Fusion soll im September über die Bühne gehen. Danach müssen Firmenschilder, Visitenkarten und Briefbögen erneuert werden. Obwohl es sich um die VR-Bank Erding handelt, bekommen deren heutige Kunden neue Karten. Denn die IBAN bringen die Isener mit in die Ehe.

Das Jawort bedarf der Zustimmung der beiden Mitgliederversammlungen am Mittwoch, 17. Mai, in Erding und am Donnerstag, 18. Mai, in Isen.

Von Hans Moritz

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