Experte beim Thema Fußgängerzone ist Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (M.). Wolfgang Reiter (l.) und Stephan Treffler hatten ihn nach Erding eingeladen. f: fez

Politischer Frühschoppen der ÖDP 

Fußgängerzone: „Ein Kampf, der sich lohnt“

Klettham - Es ist ein Thema, das in Erding regelmäßig aufflammt: eine Fußgängerzone in der Innenstadt. Jetzt gab’s beim ÖDP-Frühschoppen einen Erfahrungsbericht aus Murnau, wo so was schon lange existiert.

Obwohl das Thema Fußgängerzone in Erding viele betrifft, waren zum politischen Frühschoppen der ÖDP am Sonntag im Gasthaus Wanderer nur wenige Bürger gekommen. Dort berichtete Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting, wie es sich in einer Stadt lebt, die eine solche verkehrsbefreite Zone erfolgreich durchgesetzt hat. Sein Fazit: „Heute möchte die Fußgängerzone niemand mehr missen, wir haben eine unglaubliche Lebensqualität.“

In Erding indes, so stellte Stadt- und Kreisrat Stephan Treffler dar, stauten sich morgens und abends Autos in der Innenstadt: „Kurzparker in zweiter Reihe, Falschparker auf Gehwegen und Eingängen sind an der Tagesordnung. Von Leuten, die sich auf Schwerbehinderten-Plätze stellen, nur um Kontoauszüge zu holen, oder jenen Schaufahrern, die viel zu schnell durch die Lange Zeile rasen, ganz zu schweigen.“

Dabei, so Treffler, sei das Thema Fußgängerzone seit 2001 mehrfach im Stadtrat vorgebracht worden. Ob als Ankündigung eines Bürgerbegehrens für Spiegelgasse/Zollnerstraße von der SPD, ob als Möglichkeit einer probeweisen Einführung, angeregt von OB Max Gotz im Wahljahr 2008, ob als Testlauf an Wochenenden von der ÖDP oder als autofreie Zone in der Spiegelgasse, eine Idee des Bundes Naturschutz. „Wir suchen weiterhin nach einer guten Lösung, mit der viele Bürger leben könnten“, sagte Treffler.

Als mögliche Ideen gibt es von der ÖDP etwa eine Sperrung der Langen Zeile von der Sparkasse bis zur Maurermeistergasse, etwa mit Durchfahrt für den Stadtbus. Weiter kann sich die Partei die gesamte Lange Zeile für den Verkehr gesperrt vorstellen. „Bei den Märkten und beim Altstadtfest stört das auch keinen.“ Um professionell vorzugehen, solle aber ein Planungsbüro eingebunden werden – und vorab Infostände zur Bürgerbefragung.

Von Bürgerseite kamen Vorschläge, dass der „Anachronismus einer Innenstadt, die nur noch einen Auto-Parcours darstellt, obwohl die so genannte autogerechte Stadt nicht einmal mehr dem Handel dient, aufhören muss“. Selbst Gehwege würden immer mehr von Autos blockiert, besonders störend aber sei, „dass in Erding nur noch der Kommerz das Geschehen diktiert“.

In Murnau, so berichtete der dortige ÖDP-Bürgermeister Rolf Beuting, sei ein solches Verhalten längst Geschichte. „Wir haben schon in den 1930er Jahren versucht und begonnen, den Verkehr aus der Stadtmitte zu bringen, mittlerweile ist uns das sehr gut gelungen. Wir haben nur noch wenig Verkehr in den Parallelstraßen, haben eine geeignete Parkplatz-Situation, viel weniger Unfälle in der Stadt und vor allem zufriedene Bürger. Unsere Fußgängerzone hat auch die Stimmung verändert.“

Freilich sei mittlerweile auch das Bild des Gewerbes in der Fußgängerzone ein anderes. „Wir haben viele Optiker, Gaststätten und Handyläden, kaum mehr Lebensmittel.“ Darauf meinte Treffler schmunzelnd: „Das ist in Erding schon heute so.“

Die Gestaltung einer solchen neuen Zone im Ort, so Beuting, verlange auch viel Konsequenz: „Da kann nicht jeder Laden machen, was er so will. Vor allem die optische Gestaltung muss ins Gesamtbild passen, wilde Werbung gehört da nicht hin.“ Sein Resümee: „Wir sind lange von vielen angefeindet worden, bis es soweit war. Aber aus heutiger Sicht muss ich stolz sagen: Der Kampf hat sich gelohnt.“

Friedbert Holz

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