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„Ein brutaler Faktor sind Pommes“: Wirte leiden unter Inflation – und erhöhen die Preise

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Von: Uta Künkler

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Bettina Seibert von Schweiger‘s Landgasthof in Manhartsdorf, Wartenberg.
Die steigenden Preise und die Personalnot machen den Wirten im Landkreis Erding zu schaffen. Wie ihre Kollegen muss auch Bettina Seibert von Schweiger‘s Landgasthof in Manhartsdorf, Wartenberg, ihre Preise erhöhen, um überhaupt noch wirtschaftlich arbeiten zu können. © Roland Albrecht

Teures Fleisch, teures Öl, teure Lieferung: Die Gastwirte im Landkreis Erding spüren die Inflation stark. Sie sehen sich gezwungen, die Preise zu erhöhen. Zudem fehlt es in der Branche vorne und hinten an Personal.

Landkreis – Erst Corona und Lockdown, dann Krieg und Inflation: Die Gastronomen im Landkreis Erding leiden unter den Auswirkungen der Weltlage. Und damit auch die Gäste. Denn aufgrund der wegen des Ukraine-Kriegs steigenden Gesamtkosten müssen die Preise angehoben werden – und teilweise weit mehr als nur um ein paar Prozent. Die Drucker für neue Speisekarten laufen heiß in den Gaststätten im Erdinger Land.

Energiepreise und Lieferkosten explodieren: Gastronomie leidet unter Inflation

Nicht nur die Energiepreise und die Lieferkosten explodieren, sondern auch die Lebensmittelpreise. Bis zu 40 Prozent zahlt Thomas Eichloff, Wirt der Herzogstubn in Erding, beim Großhändler für einzelne Produkte mehr als noch vor drei Monaten. „Das kannst du nicht zu 100 Prozent weitergeben an die Gäste“, sagt er, „sonst kommt überhaupt keiner mehr“. In der Folge schließen die Gaststätten selbst die Lücke, verdienen schlichtweg weniger am Verkauf der Gerichte. „Auf Dauer kannst du das aber nicht durchhalten“, gibt Luis Stärkl zu bedenken, der vor zwei Jahren das „Lou“ in Erding eröffnet hat.

Ernst Rauschhuber, Wirt vom Gasthaus zur Linde in Hohenpolding.
Ein alter Hase in der Gastronomie ist Ernst Rauschhuber, Wirt vom Gasthaus zur Linde in Hohenpolding. Seit 35 Jahren ist er im Geschäft. So schwierig wie momentan sei es selten gewesen. © Fabian Holzner

Doch um überhaupt noch einigermaßen wirtschaftlich haushalten zu können, geben die Wirte einen Teil der Kostensteigerung an die Gäste weiter. Etwa ein bis zwei Euro teurer als noch vor kurzem verkauft Eichloff seine Speisen, 20 bis 40 Cent hat er bei den Getränken draufgeschlagen. Um spontan auf Angebote beim Großhändler reagieren zu können, hat sich der Wirt für monatlich wechselnde Speisekarten entschieden. Man versuche eben, soweit es geht verhältnismäßig günstig zu kochen. „Wenn essen gehen mindestens 40 Euro pro Person kostet, dann macht das ja keinem mehr Spaß“, sagt Eichloff.

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Küchenchefs müssen spontan und kreativ reagieren

Die Küchenchefs tüfteln und probieren sich an neuen Gerichten, um ihren Gästen weiterhin ein vernünftiges Angebot machen zu können. „Man muss eben kreativ sein, das haben wir die letzten zwei Jahre wegen Corona sowieso lernen müssen“, sagt Bettina Seibert, die zusammen mit ihrem Mann Steffen Schweiger’s Landgasthof in Manhartsdorf, Gemeinde Wartenberg, betreibt.

Auch sie musste neue Speisekarten schreiben. Ein Wiener Schnitzel gibt’s jetzt für 20,90 Euro statt 18,90 Euro, den Zwiebelrostbraten für 22,90 Euro statt 19,90 Euro. Dass die Preissteigerungen nicht endlos funktionieren, ist Seibert bewusst. „Wenn der Zwiebelrostbraten irgendwann 30 Euro kosten müsste, dann nehme ich ihn lieber gleich von der Karte“. Einige Gerichte hätte sie ohnehin streichen müssen. Man setze jetzt mehr auf Qualität als Quantität.

Extreme Teuerungen bei Fleisch und Öl

Nicht alles ist in gleicher Weise teurer geworden. Extrem seien die Preissteigerungen beispielsweise im Einkauf von Rindfleisch, erklärt Seibert. Auch für Obst, Gemüse und Weizenmehl müssen man unverhältnismäßig mehr hinblättern.

„Ein brutaler Faktor sind Pommes“, klagt Ernst Rauschhuber, Wirt des Gasthauses zur Linde in Hohenpolding. Die Preise für Frittierfett und Öl hätten sich weit mehr als verdoppelt. Auch er habe die Preise pro Gericht um etwa zehn Prozent angehoben. Um Speiseöl zu sparen, hat die Küche im Schweiger’s in weiten Teilen auf Butterschmalz umgestellt, erklärt Seibert. Und auch im „Lou“ verzichtet man teilweise auf Öl und kocht mehr mit Wasser und Gewürzen, berichtet Restaurantleiter Stärkl.

Immerhin: Die Gäste sind verständnisvoll

Die steigenden Preise erleben die Kunden auch beim privaten Einkauf im Supermarkt. Dass die Wirtschaften in logischer Konsequenz ihre Karten neu schreiben müssen, können die Gäste offenbar gut nachvollziehen. Beschwerden hat noch keiner der befragten Gastronomen gehört. „Die Gäste sind noch nie so verständnisvoll gewesen wie momentan“, sagt Rauschhuber, der sein Gasthaus zur Linde seit 1986 führt. Immerhin kämen die Gäste trotz der Preise. Sie hätten nach zwei Jahren Pandemie großen Nachholbedarf.

Eine andere Sache bereitet den Wirten zusätzlich Sorgen: „Die Personalsuche ist eine Katastrophe“, seufzt Rauschhuber. Während der Pandemie hätten sich enorm viele umorientiert in Berufe, deren Arbeitszeiten besser mit Freizeitaktivitäten vereinbar seien. Gerade Aushilfskräfte seien derzeit sehr schwer zu finden.

Steigende Lohnkosten

Hinzu kämen die steigenden Lohnkosten, ergänzt Seibert. Jüngst wurde eine Tariferhöhung von sieben Prozent beschlossen. Und im Herbst steigt der Mindestlohn von zehn auf 12 Euro. „Das dreht die Lohnspirale nach oben“, befürchtet Seibert. Die Folge sei ein Wirtshaussterben: „Wer kein Personal findet, muss selbst sieben Tage die Woche 18 Stunden ran. Das frustriert auf Dauer. Ändert sich nichts an der Lage, werden in zwei Jahren noch mehr Restaurants verschwunden sein.“

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