+
Den Ausgang im Blick haben Horst und Kanueng Busch. Elf Jahre lang betrieben sie die Ratsstube im Schönen Turm und machten sich damit kulinarisch einen Namen.  

Gastronomie 

Ratsstube im Schönen Turm schließt

Erding – Am Faschingssonntag geht in Erding eine gastronomische Erfolgsgeschichte zu Ende. Dann schließen Horst und Kanueng Busch die Ratsstube im Schönen Turm. Elf Jahre lang war sie ein kulinarisches Kleinod.

Am 26. Februar werden Horst und Kanueng Busch ihre Gäste zum letzten Mal in der Ratsstube im Schönen Turm begrüßen, bewirten und verabschieden. Und sie werden mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegen Mitternacht die schwere Tür abschließen. Die vergangenen elf Jahre hatte das Ehepaar hier seine Gäste kulinarisch verwöhnt. Nur im Sommer war geschlossen. Kanueng Busch (48) stand in der Küche, Horst Busch (62) servierte das Essen und die Getränke. Ein Knochenjob angesichts der vielen Stufen im verwinkelten Lokal, insbesondere nach seinem Schlaganfall vor eineinhalb Jahren und einem Bandscheibenvorfall.

Auch Kanueng Busch ist gesundheitlich angeschlagen. „Ihr Leben hing an einem seidenen Faden“, erzählt ihr Ehemann. Vor sechs Jahren überlebte sie eine Lungenembolie nur knapp. Eine mehrstündige Operation, ärztliches Können und viel Glück retteten ihr Leben. „Das hat uns beiden unsere Grenzen aufgezeigt. Es war ein Wink des Schicksals“, sagt Horst Busch. Seit der Genesung seiner Frau treten sie kürzer. „Es ist ein Wunder, dass meine Frau noch in der Küche stehen kann.“

Und was sie dort kocht, begeistert die Gäste seit Jahren. Dabei liegt der Schwerpunkt keineswegs auf asiatischer Küche. Vielmehr setzt Kanueng Busch auf ihrer Speisekarte auf klassische Schmankerl von Rind, Lamm, Reh oder Fisch. Beliebt sind aber auch ihre hausgemachte Tom-Yang-Gung-Suppe oder ihre asiatischen Nudeln.

Mit ihrer Kochkunst hat sie es geschafft, hier gehobene Gastronomie zu etablieren. Dafür gab es auch Auszeichnungen. So erhielt die Ratsstube im Aral-Feinschmecker-Atlas regelmäßig zwei Kochlöffel, Auszeichnungen in Hotel- und Restaurantführern oder Vier-Sterne-Bewertungen auf Tripadvisor. Es war für das Ehepaar Busch immer wichtig, das Essen ohne Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe zuzubereiten.

Horst Busch war Immobilienmakler, hatte ein Jahr lang auf Hotelfachmann umgeschult und weiß genau, welchen Wein er dem Gast zu welchem Essen anbietet.

Beide haben ihren Gästen in den vergangenen elf Jahren Genuss auf höchstem Niveau geboten. Nun wollen der 62-Jährige und seine 48-jährige Gattin das gemeinsame Leben genießen, sich erholen und – wie Kanueng Busch betont – „erst mal an uns selbst denken“. Sie werden ihre Eltern in Thailand besuchen, die beide schon über 80 sind, und dann überlegen, wie sie ihre weitere Zukunft gestalten wollen – ob in Griechenland, im Erdinger Land oder in Thailand.

Für die Einrichtung hatte das Ehepaar Busch seinerzeit eine hohe Ablöse bezahlt. Derzeit verhandelt es mit einem Verein, der die Einrichtung fürs sein Vereinsheim erwerben möchte.

Eigentümer der Ratsstube im Schönen Turm ist die Stadt Erding. Wie die Räumlichkeiten künftig genutzt werden, steht noch nicht fest. Allerdings: „Man könnte sie sofort wieder für Gastronomie verpachten“, erklärte Stadtsprecher Christian Wanninger auf Nachfrage. Auch Brandschutzauflagen stünden dem nicht entgegen. Es gebe einen zweiten Fluchtweg, nämlich einen Durchgang zum Treppenhaus auf der anderen Turmseite, wo der Kunstverein untergebracht war.

Elvi Reichert

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das neue Wiesnmadl kommt aus Landersdorf
Der absolut letzte Höhepunktbeim 141. Dorfener Volksfest war am Sonntagabend die Wahl des neuen Wiesnmadls für 2018.
Das neue Wiesnmadl kommt aus Landersdorf
Familiär, feucht-fröhlich, friedlich
Keinen Zwischenfall meldete die Polizei während des gesamten 141. Dorfener Volksfestes. Zehn Tage wurde gemütlich, auch ausgelassen, feucht-fröhlich und vor allem …
Familiär, feucht-fröhlich, friedlich
Neubaugebiet birgt reichlich Zündstoff
Äußerst hitzig könnte es heute Abend vor der Sitzung des Taufkirchener Bauausschusses zugehen, denn um 17.30 Uhr ist ein Ortstermin anberaumt.
Neubaugebiet birgt reichlich Zündstoff
„Man wird härter im Nehmen“
2014 waren die Kommunalwahlen – Zeit für eine Zwischenbilanz.
„Man wird härter im Nehmen“

Kommentare