Einen gastronomischen Aufschwung hat die Bräuhausgasse in Erding in der Corona-Pandemie erlebt. Vier neue Bistros und Restaurants sind in der Erdinger Fußgängerzone entstanden.
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Einen gastronomischen Aufschwung hat die Bräuhausgasse in Erding in der Corona-Pandemie erlebt. Vier neue Bistros und Restaurants sind in der Erdinger Fußgängerzone entstanden.

Zahlreiche erfolgreiche Neueröffnungen während der Pandemie in Erding – Wirte zufrieden

Erding: Gastronomische Vielfalt, die ankommt

Erding - Ausgerechnet in der Corona-Pandemie hat sich in Erdings Innenstadt das gastronomische Angebot deutlich erhöht. Süßes, Veganes, Herzhaftes und Klassiker sind neu.

Die Corona-Pandemie hat die Gastronomie schwer getroffen. Dennoch hat sich in den vergangenen Monaten in Erdings kulinarischer Szene viel getan. Allein an der Bräuhausgasse haben binnen eines Jahres vier neue Lokale eröffnet. Die Entscheidung dazu fiel meist im Lockdown, wird jedoch nicht bereut, wie unser Besuch – vor den jüngsten politischen Beschlüssen – vor Ort zeigt.

Familie Stärkl, die seit Jahren das gleichnamige Café am Mühlgraben betreibt, hatte sich im vergangenen Jahr zu einem zweiten Restaurant in der Innenstadt entschlossen – das „Lou“. Die Entscheidung für die Nachfolge von Uwes Klösterl fiel nach dem ersten Lockdown. „Das war schon schwer, und wir haben natürlich auch etwas gezögert und überlegt“, erinnert sich Louis Stärkl (23).

Nach der Eröffnung im Oktober 2020 hatte das Restaurant nur drei Wochen geöffnet, bevor der Lockdown kam. Zwar hatte der junge Koch mit den erneuten Beschränkungen gerechnet, „aber eher mit drei bis vier Monaten. Das war natürlich schon deprimierend für uns alle“, erzählt Stärkl. Die Lockdown-Wochenenden überbrückte das Lou mit Essen und Cocktails zum Mitnehmen. Ein Jahr nach der Eröffnung kann die Familie sagen: Nicht nur das Café Stärkl’s ist weiterhin beliebt, auch das Lou. „Jetzt läufts super, und wir bereuen den Schritt Gott sei Dank gar nicht“, sagt Stärkl. Wie in vielen anderen Gaststätten sucht er aber noch neue Mitarbeiter.

Bubble Waffeln sind die süße Spezialität von Thomas Mittermeier im „Zum Mieze“. Sie werden künftig wieder ins Hauptgeschäft integiert.

Die Entscheidung von Thomas Mittermeier, vom Vereinsheim des TC Erding am Volksfestplatz in die Innenstadt zu wechseln, fiel kurz vor Weihnachten 2020. Seinen neuen Laden „Zum Mieze“ eröffnete der 41-Jährige dann Anfang April. Vor allem die Bubble Waffeln, die mit Eis, Sahne, Früchten und weiteren Zutaten dekoriert werden, kamen gut an. So gut, dass Mittermeier für seine süßen Speisen einen weiteren Raum an der Ecke zum Rätschenbach anmietete.

Seit den Sommerferien ist der Umsatz dort jedoch zurückgegangen. „Warum es eingebrochen ist, können wir auch nicht sagen“, so Mittermeier. Als Ursachen vermutet er die wechselnden Corona-Regeln und, dass die Innovation Bubble Waffeln wohl schon etwas abgeflaut ist. Ab Dezember will er seine süßen und herzhaften Gerichte wieder in den vorderen Räumlichkeiten an der Bräuhausgasse bündeln. Dennoch ist Mittermeier zufrieden.

Ein zurückgekehrter Trend sind die Bubble Teas, die in Erding beispielsweise seit April bei Baso Tea verkauft werden. Das Geschäft hat sich gut entwickelt. „Wir sind sehr zufrieden, alles ist im grünen Bereich“, sagt Inhaber Vu Nguyen (29). Seit Ende August wird in dem Bistro auch Sushi zubereitet, das mittlerweile fast beliebter sei als Bubble Tea, so Nguyen.

Unmittelbar daneben ist seit Ende Juli ein weiterer vietnamesischer Imbiss zu finden. In Kim’s Bistro gibt es asiatische Spezialitäten, Salate oder Suppen – aber kein Sushi. Deswegen werten deren Inhaber das benachbarte Bistro gar nicht als Konkurrenz. „Im Gegenteil. Es ist eine gute Nachbarschaft und funktioniert sehr gut“, sagt Nguyen.

Mitten im ersten Lockdown war die Nachfolge des Café Pano am Schrannenplatz geregelt worden. Nino Filippetti (52) machte es im Juli 2020 zum Panino. Die unsichere Lage gab auch dem früheren Leonardo-Wirt zu denken. „Natürlich habe ich ein bisschen gehadert, war aber letztlich durch die 100-prozentige Unterstützung meiner Frau, Familie und des Hausherren sehr überzeugt.“

Der diesjährige Sommer sei aufgrund der vollendeten Baustellen im Zentrum noch erfolgreicher gewesen als 2020. Filippettis Fazit fällt positiv aus: „Es war genau die richtige Entscheidung. Für uns war Corona sogar eine Chance.“

Seit knapp zwei Wochen ist Erding um einen weiteren Gastronomie-Hype reicher. An der Münchener Straße eröffnete eine Filiale der deutschen Franchise-Marke Royal Donuts, deren Läden in Städten für lange Warteschlangen sorgen. Die meist kunstvoll verzierten Donuts mit verschiedensten Füllungen und Zutaten werden gerne von jüngeren Gästen in den sozialen Medien entsprechend in Szene gesetzt.

120 Donuts-Variationen bieten Anastasia Ittner und Demirel Demiroglu seit kurzem in ihrem Laden „Royal Donuts“ an der Münchener Straße an.

Inhaber der Erdinger Filiale sind der frühere Wartenberger Demirel Demiroglu und seine Partnerin Anastasia Ittner, die die Kreisstadt als attraktiven Standort bezeichnen. 120 Donuts-Variationen, die vor Ort hergestellt werden, hat das Paar im Angebot.

Auch für Veganer wird es in Erding ein zusätzliches Angebot geben. Den Chakula-Foodtruck, der seit 2008 in Freising existiert, kennen viele bereits vom Sinnflut-Festival. Ab Anfang 2022 wird Erding zum zweiten festen Chakula-Standort.

Inhaber Alexander Gretz (37) plant an der Haager Straße 16 ein veganes Bistro mit Lieferservice. Die Umbaumaßnahmen in den ehemaligen Räumen von Foto Mohr, laufen bereits. Sorgen wegen der weiteren Pandemie-Entwicklung macht sich Gretz keine: „Wir freuen uns auf Erding.“

Auch wenn sich das gastronomische Angebot in der Innenstadt seit der Corona-Pandemie erhöht hat, herrscht in der Branche eine gute, kollegiale Stimmung. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt Mittermeier, der auf die positiven Aspekte von mehreren Läden und Besuchern in der Bräuhausgasse verweist. Auch Filippetti erwähnt die Wichtigkeit vielfältiger Läden. „Ich empfinde es nicht als Konkurrenz, sondern als weitere Anziehungspunkte für die Innenstadt. Lieber wieder eine Gastronomie, die Leute anzieht, als ein weiterer Handyladen.“ MARKUS OSTERMAIER

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