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Mit Sonnenbrille und Zunftstangen zogen die Teilnehmer des Fronleichnamszugs gestern die Lange Zeile entlang. Die Stadtkapelle ging voraus, danach folgten Fahnenabordnungen, Ministranten, Pfarrer Martin Garmaier unter dem Himmel und hunderte Gläubige. 

Fronleichnamsprozession 

Gebete unter freiem Himmel

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Sie waren schon von Weitem zu hören: die Ministranten mit Megafon, Blaskapelle, der Pfarrer unter dem prächtigen Himmel, Fahnenabordnungen und hunderte Gläubige – sie sind bei der Fronleichnamsprozession entlang der Langen Zeile ganz schön ins Schwitzen gekommen.

Erding – Wenn jeden Sonntag Fronleichnam wäre, dann hätte die Kirche wohl ein Problem weniger. Anders als an gewöhnlichen Sonntagen war die Erdinger Stadtpfarrkirche St. Johannes gestern voll, einige Menschen standen sogar am Eingang, die ganze Stadt war zugeparkt. Der Grund dafür war die Fronleichnamsprozession. Zur Erinnerung: Fronleichnam ist das Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi, als Zeichen dafür wird eine Monstranz mit einer geweihten Hostie durch die Straßen getragen – jedes Jahr ein Höhepunkt in der Stadt, egal ob man gläubig oder nicht gläubig ist.

Doch bevor alle gemeinsam unter freiem Himmel beteten, wurde Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche gefeiert. Dabei beschäftigte sich Pfarrer Martin Garmaier in seiner Predigt mit dem „schwindenden Glauben“ in der Gesellschaft. „Es geht uns einfach zu gut“, bekäme er oft von Bekannten zu hören, wenn er mit ihnen darüber diskutiere, warum sich weniger Menschen mit Gott und der Kirche identifizieren. Aber Garmaier antwortet dann: „Soll es uns denn schlechter gehen?“ Vielmehr gehe es darum, dass die Liebe zu Gott – wie in einer Beziehung – „immer wieder neu gesucht und gepflegt werden muss“ – in guten und in schlechten Zeiten.

Garmaier sagte, dass Jesus mit den Leuten gefeiert habe, und „Gott trägt Sorge dafür, dass wir Menschen feiern können“, einige Kirchenbesucher schmunzelten. Und der Theologe zitierte seinen UniProfessor: „Das erste Wunder, das Jesus vollbracht hat, war, dass die Menschen gesoffen haben“ – an der Hochzeit zu Kana. Das sei keine Aufforderung zum Dauerrausch. Aber das Leben bestehe eben einerseits aus Festen, aber auch aus Tod und Trauer – in beiden Phasen sei Gott dabei.

Gestern stand allerdings das Feiern im Vordergrund: Ihr 60-jähriges Ehejubiläum zum Beispiel feierten Edeltraud und Josef Mittermeier aus Erding – sie wurden während des Gottesdienstes von Garmaier gesegnet.

Bereits zu diesem Zeitpunkt standen die Fahnenabordnungen der Wasserwacht, der Faschingsgesellschaft Narrhalla, des Roten Kreuzes oder der Feuerwehr an den Seitenaltären. Nach dem Gottesdienst zogen Pfarrer Garmaier unter einem prächtigen Himmel, Ministranten, politische Würdenträger und Gläubige, angeführt von einem Kreuzerlträger und der Stadtkapelle, entlang der Langen Zeile zu den Altären unter freiem Himmel. Mit dabei waren auch die Kommunionskinder – sie trugen ihre Festkleidung nur eine Woche nach ihrer Erstkommunion nochmals auf.

Ganz leicht hatten es die Teilnehmer des Zuges allerdings nicht: Bei circa 25 Grad in der Sonne kamen einige sicher ins Schwitzen – wenigstens hatte Pfarrer Garmaier einen Sonnenschutz.

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