vor gericht 

Geblitzt: Ausraster kostet 2400 Euro

Uneinsichtig bis zuletzt zeigte sich ein Kraftfahrer (46), der vor lauter Ärger, in eine Radarfalle geraten zu sein, eine Erdinger Verkehrsüberwacherin nötigte. Die Quittung dafür: 2400 Euro Geldstrafe.

Erding/LandshutDer Ergoldsbacher war im Juni 2015 mit seinem Lkw unterwegs, als es Am Kletthamer Feld im Westen Erdings blitzte. Zunächst setzte er seine Fahrt zum GLS-Paketzentrum fort, kehrte aber nach wenigen Minuten zurück. Er parkte den Wagen der Verkehrsüberwachung zu, stieg aus, trommelte gegen die Scheiben des Blitzer-Autos und versuchte vergeblich, dessen Tür zu öffnen. Er forderte die Messtechnikerin (27) auf, auszusteigen. Sonst, so drohte er laut Anklage, werde er solange stehen bleiben, bis sie rauskomme. Schließlich machte er noch Fotos vom Blitzer-Auto und fuhr weiter.

Sein aggressives Verhalten brachte ihm beim Amtsgericht Erding eine Geldstrafe von 2800 Euro (80 Tagessätze à 35 Euro) ein. Dagegen legte er Berufung ein und gab nun vor der 5. Strafkammer des Landgerichts als Ziel einen Freispruch an. Er sei zwar, so räumte er ein, an besagtem Vormittag geblitzt worden, „weil ich zu schnell dran war“. Das Bußgeld habe er auch anstandslos bezahlt.

Er sei damals auf das GLS-Gelände gefahren, habe dort seinen Anhänger abgestellt. Auf der Rückfahrt habe er bemerkt, dass im Blitzer-Auto niemand saß, deshalb habe er 15 Meter dahinter angehalten und „reinfotografiert“, um das später belegen zu können. Danach sei er weitergefahren, habe aber noch gesehen, dass ein anderer Lkw angehalten habe: „Möglicherweise hat sie den mit mir verwechselt.“

Gegen diese Version sprach die Aussage eines Polizeibeamten. Als die Meldung über die Bedrohung eingegangen sei, sei man in der Nähe auf Streife gewesen. „Wir waren zwei bis drei Minuten später da, da saß die Messtechnikerin in ihrem Fahrzeug, in das sie sich offensichtlich völlig verängstigt eingesperrt hatte.“ Die Frau bestätigte die Anklagevorwürfe. Sie habe das Gesicht des Mannes deutlich gesehen. Ohne Zweifel sei es der Angeklagte gewesen.

Dass der 46-Jährige nicht ganz so anstandslos wie behauptet bezahlt habe, machte ein Mitarbeiter des Ordnungsamts deutlich: Dort habe sich der Kraftfahrer höchst emotional und lautstark über die „Wegelagerer“ und den nicht eingehaltenen Abstand des Blitzer-Autos vom Geschwindigkeits-Begrenzungsschild, später noch per Mail über die „erbärmliche Abzocke“ beschwert.

Das Vorstrafenregister des 46-Jährigen weist fünf Geld- beziehungsweise Bewährungsstrafen wegen falscher Verdächtigung, Beleidigung und versuchter Nötigung auf.

In seinem Schlusswort beschwerte sich der Kraftfahrer darüber, dass er als Straftäter abgestempelt werde und die Staatsanwaltschaft entlastende Indizien negiert habe. So sei seine Fahrerkarte nicht ausgewertet worden, die bewiesen hätte, dass er sich höchstens vier Minuten am Blitzer-Auto aufgehalten habe. Die Berufungskammer hatte ebenso wie Staatsanwalt Jürgen Rohrmüller keine Zweifel, dass die Verkehrsüberwacherin die Wahrheit gesagt hatte.

So blieb es bei der Geldstrafe und den 80 Tagessätzen, allerdings wurde die Tageshöhe auf 30 Euro reduziert, da der 46-Jährige inzwischen krankheitsbedingt arbeitslos ist. Vorsitzender Richter Klaus Kurtz sprach von einem „Schnäppchen“. Wäre auch die Staatsanwaltschaft in Berufung gegangen, hätte sich die Tagessatzzahl mit Sicherheit erhöht.

Dem 46-Jährigen bestätigte der Richter zwar, dass ihm sein strafrechtliches Vorleben nachhänge. Allerdings beweise es auch, dass er sich und seine Aggressivität nicht unter Kontrolle habe und es mit der Wahrheit nicht so genau nehme. Die Verkehrsüberwacherin lobte Kurtz für ihre vorbildliche Reaktion: „Wer weiß, was sonst noch passiert wäre.“

Walter Schöttl

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