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Schule ist gar nicht so doof, meinen zumindest die jungen Damen aus der Gebundenen Ganztagsklasse 5 an der Mädchenrealschule Heilig Blut, hier mit den Initiatoren Ursula Zettl-Bauer und Jochen Schweitzer (hinten, v. l.).

Mädchenrealschule Heilig Blut 

Zum Gedichtelernen in die Chillout-Zone

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Erding - Spannende Zeiten für Familien mit Viertklässlern: Der Übertritt steht an. Bei der leidigen Frage, welche Schule die richtige fürs Kind ist, spielen Ganztagsangebote eine immer größere Rolle. In der Mädchenrealschule Heilig Blut in Erding ist ein ganz besonderes Modell gelungen.

Vielleicht sind diese 43 Mädchen gestern etwas weniger unwillig aus den Osterferien in den Unterricht zurückgekommen. 19 besuchen die fünfte Klasse der Gebundenen Ganztagsschule an der Mädchenrealschule Heilig Blut (MRS) in Erding, 24 sind es in der sechsten. Gebundener Zug – das heißt: Die Kinder der GGS befinden sich von Montag bis Donnerstag von 8.15 bis 16 Uhr im Unterricht. Mit diesem Terminplan gerne aus den Ferien?

Ja, denn gepaukt wird an der privaten Schule in Trägerschaft der Erzdiözese München-Freising, natürlich nicht von früh bis spät. Vielmehr wechseln Lernphasen mit denen der Essens, der Erholung und der kreativen Beschäftigung ab. Daneben gibt es an der MRS noch die Offene Ganztagsschule (OGS), das seit Jahrzehnten bestehende Tagesheim.

Ganztagsangebote sind in Zeiten, in der in vielen Familien beide Elternteile arbeiten (müssen), an mittlerweile fast allen Schulen Standard. Die gebundene Form ist auf dem Vormarsch. An der MRS ist die Realisierung zum Schuljahr 2014/2015 besonders gelungen. Der Unterricht selbst ist nämlich nur ein Teil der Erfolgsgeschichte. Pädagogen der ersten Stunde sind Ursula Zettl-Bauer und Jochen Schweitzer. Wenn die beiden Studienräte über „ihre“ GGS berichten, befällt sie eine fast kindliche Begeisterung.

Eigenes Raumkonzept

„Bei uns ist es entscheidend anders als in anderen Gebundenen Ganztagsschulen“, erklärt Zettl-Bauer, selbst Lehrerin in der GGS. „Denn bei uns kommt zum Unterrichts- auch ein eigenes Raumkonzept.“ Die Möglichkeiten wie an der MRS hätten nur wenige Schulen, ergänzt Schweitzer. Das liege an der langen Geschichte der MRS. Eine GGS-Klasse befindet sich im früheren Wohntrakt der Ordensschwestern, die zweite im ehemaligen Internat.

„Die fünfte und sechste GGS-Klasse verfügen nicht nur über ihr Klassenzimmer mit Flachbildschirm statt Tafel sowie unterschiedlichen Sitzmöbeln, sondern zudem über je drei Differenzierungsräume und einen gesamten Flur. Jedes Kind bekommt einen Spind. Die Kleingruppenzimmer werden auch als Ruhezone genutzt“, sagt Zettl-Bauer. In den Zimmern sowie auf dem Gang liegen etwa dicke Chillout-Sitzsäcke. Auch Couchgarnituren fallen auf. „Es ist wichtig, dass die Kinder Bereiche haben, in denen sie sich ausruhen, in denen sie sich mal ausklinken können“, meint Schweitzer.

Diese Bereiche werden auch für die Vertiefung des Unterrichts genutzt. Zettl-Bauer erklärt: „Die Mädchen können auf der Couch zum Beispiel Gedichte lernen, Stoff noch einmal durcharbeiten oder sich gegenseitig abfragen.“ Dieses Wechselspiel macht ihren Worten zufolge den besonderen Charakter der GGS aus.

Mehr Zeit für den Lehrstoff

„Weil der rhythmisierte Unterricht viermal wöchentlich von 8.15 bis 16 Uhr stattfindet, ist es wichtig, dass sich harte und weiche Fächer ebenso abwechseln wie Lernphasen und Vertiefung beziehungsweise Freiarbeit sowie individuelle Förderung“, sagt Zettl-Bauer. Denn unterm Strich hätten die GGS-Schüler keinen anderen Lehrplan wie alle anderen bayerischen Realschüler. „Zentral ist, dass bei uns einfach mehr Zeit ist“, sagt Schweitzer So könnten Hauptfächer sieben statt fünf Wochenstunden unterrichtet werden. In den Hauptfächern seien Doppelstunden die Regel. „Das kommt unter anderem Schülerinnen entgegen, die etwas mehr Zeit brauchen“, ist Schweitzer überzeugt. Dennoch sei die GGS keine Schule für schwache Kinder. Acht Stunden Schule seien eine Herausforderung für sich. Wesentlicher Bestandteil, so die Studienrätin, ist das gemeinsame Mittagessen. „Für uns gehört auch dazu, dass die Mädchen für die Deko und das Tischdecken sorgen.“

Sehr beliebt bei den Kindern ist der Regenbogennachmittag am Mittwoch, an dem es besondere Angebote gibt: etwa Schwimmen, Musik, Teakwondo, Kleinkunst, Leichtathletik oder IT. Da macht sogar der Chef mit. Schulleiter Josef Grundner bietet an der GGS Fotokurse an.

Und was sagen die Kinder zur GGS? Eine Umfrage unter den Fünftklässlern des Vorjahrs hat gezeigt: Weit über 95 Prozent sind (sehr) zufrieden. Wir haben uns umgehört: Jasmin (10) berichtet, hier werde ihr nie langweilig. „Es ist schön, dass wir in der Schule spielen können, im Winter drin, im Sommer auch draußen.“ Veronika (11) bescheinigt dem Raumkonzept, „richtig cool zu sein“. Lucia (10) findet Unterricht bis 16 Uhr „zwar nicht so toll“, dafür seien die vielen Möglichkeiten in der Freizeit aber schön. Und Kathi mag die vielen Freizeitaktivitäten und Kurse.

Das Erdinger Modell strahlt bereits über die Schule hinaus. Bei einer Schulleiter-Tagung in der MRS und bei einem Ganztagsschul-Kongress in Forchheim sei die Wiederspiegelung des pädagogischen Ansatzes im Raumplan besonders gewürdigt worden, berichtet Schweitzer. Lob, versichert Zettl-Bauer, habe es nicht zuletzt von der Schulaufsicht am Kultusministerium gegeben.

Weitere Infos zur GGS:

Die Mädchenrealschule Heilig Blut lädt am Samstag, 9. April, von 9 bis 12.30 Uhr zum Tag des offenen Klassenzimmers ein. Viertklässlerinnen können Einblicke in den Unterricht gewinnen. Schulhausführungen gibt es bis 14 Uhr. Die Einschreibung erfolgt vom 9. bis 11. Mai. Probeunterricht ist vom 31. Mai bis zum 2. Juni. Die Privatschule kostet 40 Euro pro Monat, zehn Euro davon übernimmt der Landkreis. Die Gebundene Ganztagsschule kostet 140 Euro im Monat. Berechnet werden elf Monate.

Hans Moritz

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