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Asylunterkunft ist der frühere Landgasthof Stiller in Lindum seit drei Jahren. Hier spielte sich vor einem Jahr ein sexueller Übergriff auf eine 17-jährige Syrerin ab. 

Dem Gefängnis knapp entkommen 

17-Jährige wird Opfer einer Sex-Attacke

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Es war ein Ritt auf Messers Schneide, den ein abgelehnter Asylbewerber aus Nigeria vor dem Amtsgericht Erding hinlegte. Erst ein spätes und zögerliches Geständnis, zu dem ihm Richter Björn Schindler gleich dreimal eindringlich geraten hatte, bewahrte den heute in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) lebenden Afrikaner vor dem Gang ins Gefängnis. Weil er mit seiner Entscheidung im letzten Moment dem heute 18 Jahre alten Opfer die Aussage ersparte, kam er mit einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung davon. Angeklagt war der Flüchtling wegen sexueller Nötigung.

Dorfen/Erding – Es war nicht schön, was die Landshuter Staatsanwältin Sandra Seeburger in ihrer Anklage vortrug. Im Februar vergangenen Jahres hatte der Nigerianer eine damals 17 Jahre alte Syrerin, die viel jünger wirkt, in der gemeinsam bewohnten Asylunterkunft der Regierung von Oberbayern in Lindum bei Dorfen abgepasst und war ihr auf die Damen-Toilette gefolgt. „Dort drückte der das Mädchen gegen die Wand, hielt sie fest, drückte ihr einen Zungenkuss auf die Lippen und griff ihr über der Bekleidung nicht nur an die Brust, sondern auch zwischen die Beine und berührte dabei den Intimbereich der jungen Frau“, so Seeburger.

Angeklagt war er wegen sexueller Belästigung. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht erklärte der Schwarzafrikaner: „Ich war das nicht, ich bin unschuldig.“ Bei dieser Version blieb der 27-Jährige zunächst auch, obwohl ihm Richter Schindler klarmachte, dass es nach Aktenlage nicht gut für ihn aussehe. Denn nicht die Syrerin hatte den Übergriff angezeigt, sondern erst zwei Wochen später der Hausmeister der großen Gemeinschaftsunterkunft. „Es gibt dann nur zwei Möglichkeiten: Freispruch oder Gefängnis.“

Anwalt Thomas Novak, der von der Strategie seines Mandanten sichtlich genervt war, nahm ihn sich irgendwann vor der Tür zu Brust. Danach zogen sich die Beteiligten zu einem Rechtsgespräch zurück.

Aus dem berichtete Schindler, der Angeklagte könne im Fall eines vollumfänglichen Geständnisses „gerade noch mit einer Bewährungsstrafe“ zwischen 16 und 20 Monaten rechnen. Daraufhin gab der die Tat zu und bedauerte sie.

Der Angeklagte berichtete aber auch, dass der Bruder des Opfers mit einem langen Messer auf ihn zugegangen sei. Dem maß das Gericht keine größere Bedeutung bei, denn die polizeilichen Ermittlungen hatten ergeben, dass es sich um einen erst 13 Jahre alten Buben gehandelt hatte, der das Messer lediglich in der Hand gehalten hatte.

Der ermittelnde Beamte der Dorfener Polizei sagte im Zeugenstand aus, das Mädchen habe auch zwei Wochen nach der Tat noch einen sehr verängstigten Eindruck auf ihn gemacht. Sie habe zudem die Sorge geäußert, dass ihr Vater Rache an dem Peiniger nehmen könnte. Weiter führte er aus, dass sich der Afrikaner vor dem Übergriff der Syrerin schon einmal sexuell genähert habe.

Vier Wochen nach der Tat wurde die Familie des Opfers in eine Asylunterkunft in Rosenheim verlegt.

Staatsanwältin Seeburger forderte für die sexuelle Nötigung eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung sowie 80 Sozialstunden. Verteidiger Novak hielt zwei Monate weniger für ausreichend. Das Schöffengericht schloss sich der Anklage an. Das Urteil dürfte das Bemühen des Staates verstärken, den Nigerianer rasch in sein Heimatland abzuschieben. Dagegen wolle er sich anwaltlich wehren, sagte der Täter. 

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