Der Jubilarin Susanne Stengel (M.) gratulierten (v.l.) Tochter Ruth Uhl, Enkelin Vroni Uhl, Landrat Martin Bayerstorfer, Enkelin Kathi Stengel, Sohn Mathias Stengel, Enkel Daniel Brandl, Enkelin Susanna Gunst, Schwiegertochter Corinna Gunst, Sohn Peter Stengel und OB Max Gotz. foto: reichert

Susanne Stengel 90

Geistig fit mit Krimis und Kreuzworträtseln

Erding – Dass Susanne Stengel heute ihren 90. Geburtstag feiern kann, grenzt schon fast an ein Wunder. Zwei Herzinfarkte hat sie mit viel Glück überlebt.

Umso dankbarer ist sie, dass sie heute mit der ganzen Großfamilie feiern kann. Dazu geht es zum „Wanderer“ in Erding. Was sie sich wünscht? „Dass mir das Augenlicht noch lange erhalten bleibt und ich noch viel lesen kann. Dass ich noch viele Jahre meine Kinder und Enkel genießen kann.“

Susanne Stengel ist in Beuthen in Oberschlesien aufgewachsen und hat dort das Gymnasium absolviert. Am 9. Januar 1945 wurde sie mit ihrer Mutter aus der Heimat vertrieben. Sie weiß das Datum noch sehr genau, schließlich ist an diesem Tag auch ihr Vater gefallen. Über das Vogtland gelangte sie nach Bad Homburg, wo sie zusammen mit ihrer Mutter eine neue Heimat fand.

Während eines Urlaubs in Ruhpolding lernte sie ihren Mann kennen, der ebenfalls dort seine Ferien verbrachte. „Telefon oder gar Handy gab es damals noch nicht, wir schrieben uns fleißig Briefe“ erinnert sich Stengel. 1954 läuteten für sie und ihren Mann Maximilian die Hochzeitsglocken im Erdinger Kircherl Heilig Blut.

Da Susanne Stengels in Erding stationiert war und sie in einem Notariat in Bad Homburg arbeitete, führten die beiden jahrelang eine Wochenend-Ehe. 1959 zog Susanne mit den beiden Söhnen Peter und Andreas zu ihrem Mann nach Erding, wo sie am Sigmund-Lober-Weg eine schöne Wohnung fanden.

Nach der Geburt von Tochter Ruth und Sohn Mathias war die Familie komplett, und die Wohnung wurde zu klein. Daher beschloss das Ehepaar, ein Reihenhaus in der Parksiedlung zu kaufen. Noch heute fühlt sich die Jubilarin, die seit dem Tod ihres Mannes 2004 dort alleine wohnt, in ihrem Heim geborgen.

Ein Tiefpunkt in ihrem Leben war der Tod des zweiten Sohnes Andreas 2010. „Fünf Jahre lang hat er gekämpft, dann hatte er keine Kraft mehr“, erzählt sie. Der Kontakt zu Schwiegertochter und Enkelin sei glücklicherweise nicht abgebrochen. Die 90-Jährige genießt es, dass all ihre Kinder in der Nähe geblieben sind und sie somit regelmäßig Besuch bekommt.

„Wichtig ist der regelmäßige Tagesablauf“, erzählt die Jubilarin. Dazu gehört für sie insbesondere die tägliche Lektüre des Erdinger Anzeiger. Schließlich will sie wissen, was in der Umgebung passiert. „Um mein Gehirn fit zu halten, löse ich das tägliche Kreuzworträtsel“, berichtet die Seniorin schmunzelnd. Lesen und Kreuzworträtseln seien überhaupt ihre Hobbys. „Wenn ich nicht mehr lesen könnte, das wäre schlecht.“ Am liebsten hat sie Krimis und historische Romane. An Sudokus hat sich die 90-Jährige noch nicht gewagt, „aber das werde ich demnächst versuchen“, erklärt sie.

Susanne Stengel liebt die Geselligkeit, jahrelang besuchte sie die Seniorentreffen des Club 60 in Klettham, der aufgelöst wurde. „Den vermisse ich ganz besonders. Wir haben viele Ausflüge und Reisen unternommen, das war wunderschön“, schwärmt sie.

Mit einer Freundin hat die Erdingerin Busreisen unternommen. „Wir waren in Italien, Österreich, Norddeutschland, Berlin und Rügen. Aber leider geht das nicht mehr, denn meine Freundin lebt inzwischen im Seniorenheim.“ elvi reichert

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