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Lieblingsplatz: Gerhard Bittel saß gerne daheim im Garten.
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Jungunternehmer: Gerhard Bittel bei der Eröffnung seines Ford-Autohauses in Röthenbach im Jahr 1971.

Nachruf

Gerhard Bittel verstorben: Trauer um den Erdinger Franken

  • Wolfgang Krzizok
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Autofreak, Sportler, Vollzeit-Opa: Gerhard Bittel hatte viele Talente. Jetzt ist der Erdinger Franke im Alter von 73 Jahren gestorben.

Erding – Eigentlich wollte Gerhard Bittel am Vatertag etwas mit seiner Familie unternehmen – mit den beiden Söhnen, ihren Frauen und den sechs Enkeln. „Da haben wir gemerkt, dass etwas nicht stimmt mit ihm“, erzählt Sohn Bernhard. Ein Schlaganfall, wie sich herausstellte. Wenige Tage später verstarb der 73-Jährige. „Er war der Erdinger Franke“, beschreiben ihn seine Söhne.

Gerhard Bittel wurde in Herzogenaurach geboren und absolvierte dort eine Schuhmacherlehre. „Bei Adi Dassler persönlich“, erzählt Sohn Franz, „der hat auch sein Lehrzeugnis unterschrieben“. Später war Gerhard Bittel als Fußballer für den 1. FC Herzogenaurach aktiv. Als er damals in der Ersten spielte, kickte Lothar Matthäus in der E-Jugend.

Mit 18 Jahren wollte Gerhard Bittel zur Bundeswehr. Die Grundausbildung absolvierte er in Hamburg, dann kam er zu den Gebirgsjägern nach Brannenburg, wo er seine Liebe für die Berge und das Skifahren entdeckte. Er verpflichtete sich als Zeitsoldat, machte seinen Automechaniker-Meister und eröffnete in Röthenbach bei Erlangen das erste Ford-Autohaus in der Gegend. „Er war damals mit 24 Jahren einer der jüngsten Existenzgründer in Franken“, berichten seine Söhne. „Bei der Eröffnung war damals das gesamte Ford-Zakspeed-Rennteam dabei.“

1975 lernte der Autohaus-Besitzer beim Skifahren in Lofer die Erdingerin Gaby Löffler kennen. 1977 wurde in Haindlfing geheiratet, 1981 und 1982 kamen in Erlangen die Söhne Bernhard und Franz zur Welt. „Unser Opa Albert Löffler hat erzählt, dass es damals in Erding keiner verstand, wie eine Erdinger Geschäftsfrau einen Franken heiraten kann und dann auch noch zu ihm zieht“, erzählen Bernhard und Franz lachend. Hatten doch die Löfflers einen Friseursalon in der Langen Zeile. Für Albert, erster Erdinger Faschingsprinz nach dem Krieg, war das kein Problem. So führte er seinen Schwiegersohn, immer wenn er mir seiner Gaby zu Besuch war, in die Erdinger Gesellschaft ein, ging mit ihm auf die Jagd, zum Fischen, zum Stammtisch oder zum Schafkopfen.

Als Albert Löffler nach einem Schlaganfall zum Pflegefall wurde, ließen die Bittels in Franken alles zurück und zogen 1983 nach Erding. Hier gründete Gerhard Bittel die Firma Auto-Sempt, die er bis 2003 führte, ehe er sich als Diplom-Ingenieur und Kfz-Sachverständiger selbstständig machte.

Das ehemalige Friseurgeschäft im Löffler-Haus wurde an Familie Pacini vermietet, die dort die Eisdiele „Firenze“ eröffnete. Gerhard Bittel hatte die Idee einer Außenbestuhlung und trug diese Bitte dem damaligen Bürgermeister Gerd Vogt vor. Der lehnte mit den Worten ab: „Die Lange Zeile ist eine Straße und kein Biergarten.“ Bittel konnte sich durchsetzen und erhielt die Genehmigung. Stellplätze wurden abgelöst, Stühle und Tische aus Italien geholt. „Da war er Pionier, und das hat er Erding hinterlassen“, sagt Franz Bittel stolz.

Der Franke war mittlerweile voll integriert, nicht zuletzt, weil er in vielen Vereinen vertreten war, etwa beim Tennis- und Squashclub, außerdem war er Gründungs- und Vorstandsmitglied beim Fußballclub Cosmos Erding. Schließlich kam auch noch Eishockey dazu, weil seine Söhne beim TSV Erding dem Puck nachjagten. Und da waren einmal seine Fähigkeiten als Automechaniker gefragt. „Scott Campbell war damals mein Kleinschüler-Trainer“, erzählt Bernhard Bittel schmunzelnd, „Scotti hatte mal das Auto beschädigt, das er vom Verein zur Verfügung gestellt bekommen hat. Er hat meinen Vater gefragt, ob er das nicht heimlich reparieren könnte, was er dann auch gemacht hat.“ Nicht nur für seine Kundschaft war Gerhard Bittel der „Auto-Mechaniker“, sondern er stand immer jeder Zeit jedem mit Rat und Tat zur Seite.

Vor acht Jahren erkrankte Gaby Bittel an Krebs, ein Jahr später auch Gerhard. „Trotz notwendiger Behandlungen genossen sie ihr Leben mit den Enkelkindern und verreisten viel“, sagen die Söhne. Doch vor vier Jahren verstarb Gaby. „Danach war Gerhard „ein Vollzeit-Opa“, sind sich Bernhard und Franz Bittel einig. Bei sechs sportlich aktiven Enkeln hatte er reichlich zu tun und war darüber hinaus viel mit dem Radl unterwegs.

„Gut eine Woche vor seinem Tod hat er noch gesagt: ,Mein Ziel ist, gesund 80 zu werden, aber wenn es mich morgen erwischt, geht mir auch das am Arsch vorbei, weil ich habe gelebt für drei’“, erzählt Franz Bittel, und sein Bruder Bernhard ergänzt: „Der Erdinger Franke wollte nie mehr weg, jetzt findet er hier seine letzte Ruhe.“

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