Vor Gericht: Stammgast überfällt Spielhalle

Erding - Die Spielsucht eines Erdingers (26) war so groß, dass er eine Spielhalle überfiel. Er steht wegen schweren Raubes vor Gericht. Zum Prozessauftakt legte er ein Geständnis ab.

Die Anklage wirft ihm vor, am 5. Juni vergangenes Jahr wenige Minuten vor der Sperrstunde um 23 Uhr mit einer Mütze auf dem Kopf, einem ins Gesicht gezogenen Pullover und mit einer Softair-Pistole das Spielcasino „Royal“ an der Franz-Brombach-Straße gestürmt zu haben. Mit vorgehaltener Waffe habe er die aus Wörth stammende Servicekraft (50) zur Herausgabe von Geld aufgefordert. Diese habe zunächst noch versucht, ihn von dem Überfall abzubringen, dann aber einen Kasseneinsatz auf den Tresen gestellt, aus dem der Räuber 450 Euro in Scheinen entnommen habe und dann geflüchtet sei.

Wenige Tage später führte die Spur zu dem 26-Jährigen. Er wurde am Arbeitsplatz festgenommen. Schon auf der Fahrt zur Dienststelle legte er ein Geständnis ab. Dieses wiederholte er auch zum Prozessauftakt: Er sei seit vielen Jahren spielsüchtig und seit 2006 Stammgast im „Royal“. An jenem Sonntag habe er bis nach 22 Uhr an den Automaten gespielt und sein ganzes Geld, etwa 400 Euro, verspielt. Schon an den Tagen zuvor habe er 400 Euro verzockt.

„Ich bin an diesem Abend mit nix rausgegangen und habe mir dann überlegt, dass ich für den ganzen Monat keinen Cent mehr habe, Geld brauche“, sagte er in der Verhandlung. Er sei nach Hause gefahren, habe sich umgezogen und sei wieder zum Casino. Die beim Überfall verwendete Softair-Pistole habe er schon vor Jahren in München gekauft.“ Mit der Beute habe er am nächsten Tag getankt, das Handy aufgeladen und Lebensmittel besorgt. „Dann bin ich zum nächsten Automaten, diesmal nach Aufhausen, und habe den Rest verspielt. Bis auf die 50 Euro, die ich zuhause gelassen hatte.“

Er habe seiner Verlobten, die von seiner Spielsucht nichts ahnte, auch gemailt, dass er Mist gebaut habe. „Ich glaube, ich hätte ihr den Überfall gestanden und mich gestellt, wenn ich nicht vorher verhaftet worden wäre.“

Was er der Angestellten des Spielcasinos mit dem Überfall antue, habe er sich vorher nicht überlegt. Inzwischen bereue er das längst. In einem Brief an sie entschuldigte er sich „von ganzem Herzen. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist, das war das Dümmste in meinem Leben.“

Außerdem habe er veranlasst, dass von seinem letzten Monatsgehalt noch 400 Euro an das Casino überwiesen wurden.

Die Wörtherin bestätigte den Tatablauf. Sie sei mit dem Räuber ganz allein gewesen: „Ich habe ihm noch gesagt, er soll sich überlegen, was er da macht. Dann habe ich nur noch die Waffe gesehen und den Kasseneinsatz auf den Tresen gestellt. Schließlich hat man nur ein Leben.“ Die Ängste, die sie ausgestanden habe, ließen sich nicht beschreiben: „Das Bild geht mir nicht aus dem Kopf.“

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. (ötl)

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