Gut zu tun bei den Hausaufgaben haben Anita Schuster und ihre Zwillinge Nina und Luisa (r.), die in Moosen die dritte Klasse besuchen. Die Mama sieht den früheren Ferienbeginn kritisch.
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Gut zu tun bei den Hausaufgaben haben Anita Schuster und ihre Zwillinge Nina und Luisa (r.), die in Moosen die dritte Klasse besuchen. Die Mama sieht den früheren Ferienbeginn kritisch.

Geschenkte Tage, die viele Eltern nicht wollen

Debatte über früheren Beginn der Weihnachtsferien

  • vonOlaf Heid
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Einige Eltern wollen das vorzeitige Weihnachtsgeschenk von Ministerpräsident Markus Söder nicht haben. Als Probleme beim vorzeitigen Ferienbeginn sehen sie aufgebrauchten Urlaub und weitere Lücken in der Stoffvermittlung.

Landkreis – Die Weihnachtsferien beginnen früher. Auf dieses Weihnachtsgeschenk hätten manche Eltern verzichten können. „Die Kinder freut es, aber wir Eltern wissen schon gar nicht mehr, wo wir den Urlaub hernehmen sollen.“ So beschreibt Melanie Raßhofer, Mutter von vier Kindern aus Niederding, das Dilemma. Sie sieht auf die Familien eine weitere Belastung zukommen und den erneuten Unterrichtsausfall kritisch – auch weil ihr ältester Sohn im kommenden Frühjahr den Schulabschluss macht. „Die Kinder haben heuer doch sowieso schon viel verpasst.“ Das sei Zeit, die nicht mehr aufzuholen sei. Raßhofer fragt: „Und wie geht es weiter? Was passiert im Januar? Was ist mit den Faschingsferien?“

Ministerpräsident Markus Söder setzte die Info am Dienstagmorgen zunächst per Twitter ab: „Bayern zieht wegen Corona den Beginn der Weihnachtsferien vor. Letzter Schultag ist der 18. Dezember.“ Nach drei Wochen Ferien ist also der 11. Januar als erster Schultag in 2021 angesetzt. Hintergrund ist laut Söder, dass das Infektionsrisiko durch die fast einwöchige Karenzzeit zwischen Schulunterricht und Weihnachten erheblich gesenkt werden könne, „damit Familien gesund und unbeschwert feiern können“.

„Wenn es ein Weihnachten mit der größtmöglichen Sicherheit möglich macht, dann ist die Entscheidung der Regierung absolut richtig“, meint auch Michael Oberhofer, Kreisvorsitzender des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) sowie Rektor in Isen. Damit könne man mit Großeltern beruhigter feiern. Es sei eine „gute Idee, vor allem weil sie so frühzeitig getroffen wurde“. Allerdings sieht Oberhofer eine Notbetreuung auf die Schulen zukommen, da viele Eltern ihren Jahresurlaub schon aufgebraucht hätten.

Das glaubt auch Oberstudiendirektor Markus Höß vom Gymnasium Dorfen. Ihm lagen gestern aber noch keine Infos zur Betreuung vor. Höß hält die früheren Ferien für vernünftig, um die Übertragungswahrscheinlichkeit des Virus vor Heiligabend zu reduzieren. „So haben wir das Wochenende und zwei zusätzliche Tage gewonnen.“

Der Gesundheitsschutz müsse an erster Stelle stehen. „Wir tun das Allermöglichste, damit Schüler und Lehrer gesund bleiben“, betont Dr. Annett Taubert, die Leiterin der Grund- und Mittelschule Forstern. „Ob die zwei Tage mehr Ferien so viel bringen, kann ich nicht sagen.“ Das Lehrerkollegium vorort finde es „eher ungünstig. Das waren zwei Unterrichtstage, die wir noch eingeplant haben“. Zumal im Falle einer Notbetreuung mehr Aufwand betrieben werden müsste.

Die Jugendreferentin der Gemeinde Oberding, Franziska Hilmer, äußert Verständnis: „Besonders das Zusammentreffen der Familie sollte an Weihnachten möglich sein, und somit sollte alles getan werden, um auch Schulkindern die Möglichkeit der Kontaktbeschränkungen zu geben. Die Frage, inwiefern sich der reduzierte Kontakt der Schüler tatsächlich in der Praxis umsetzen lässt, stellt sich mir trotzdem.“ Und auch, „wann der versäumte Stoff nachgeholt wird“. Vor allem hofft Hilmer, „dass mit oder ohne staatliche Notbetreuung eine gute Lösung in den jeweiligen Familien gefunden werden kann“.

Nadine Mutlitz, Realschullehrerin aus Taufkirchen, hält die Entscheidung der Regierung „grundsätzlich für vernünftig. Man kann damit das Infektionsgeschehen entzerren“. Schulen seien aber nicht der Raum für große Corona-Ansteckungen, hier hätten offensichtlich die getroffenen Maßnahmen gegriffen. Ihre Familie könne das Mehr an Ferien verkraften, sagt die Mutter von drei Kindern, zwei davon schulpflichtig. „Wir brauchen uns privat um die Betreuung nicht sorgen. Andere Eltern haben aber vielleicht Probleme damit.“

Die vierfache Anita Schuster aus Moosen ist überhaupt nicht von den vorgezogenen Ferien begeistert. „Die Kinder haben schon durch den Lockdown im Frühjahr und in den Sommerferien viel in der Schule versäumt.“ Das Homeschooling sei bei weitem nicht so effektiv wie Präsenzunterricht, meint die 43-Jährige, deren Zwillingstöchter Nina und Luisa die dritte Klasse in Moosen besuchen.

„Ich finde diese vier Tage früher nicht schlecht“, sagt hingegen Nicole Schleicher, zweifache Mutter aus Notzing. Überrascht war sie aber nicht über den Schritt der Regierung. „Ich hatte mit einer Verlängerung gerechnet, allerdings für Januar“, wenn der neue Urlaub bei Arbeitnehmern zur Verfügung stehe, so die Vorsitzende des Elternbeirats der Grundschule Oberding. Denn: „Natürlich ist das schwierig für berufstätige Eltern, dass sie mit dem früheren Ferienbeginn wieder vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.“

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