Tatort Altstadtfest: Hier soll im vorigen Jahr ein 46-Jähriger gepöbelt und einen Mann geschubst haben. Jetzt wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Foto: Moritz/Archiv

Vor Gericht

Geschubst, nicht geschlagen

Erding – Eine Verfahrenseinstellung wegen Körperverletzung gegen Zahlung einer Geldbuße wollte ein 46-jähriger Erdinger nicht akzeptieren. Nun wird es für ihn teurer – und er hat dabei noch Glück, dass der Richter den Strafantrag der Staatsanwältin „unfair“ fand.

Der Vorfall ereignete sich beim Altstadtfest im Juli 2015. Von der benachbarten Bierbank aus pöbelte der Angestellte gegen eine Gruppe von Studenten, die sich keiner Schuld bewusst waren und nicht reagierten. Zum Teil, weil sie wenig verstanden, anderseits, „weil uns nicht bewusst war, dass wir etwas falsch gemacht hatten“.

1590 Euro Geldstrafe

Die Teilnahmslosigkeit wertete der Angeklagte als Provokation. Er stand auf, ging zu der Gruppe und wiederholte seine Beleidigung. Einem 28-Jährigen trat er auf den Fuß und schubste ihn. Dann noch einmal, obwohl sich seine gleichaltrige Begleiterin dazwischen drängte, um zu deeskalieren. Dem folgten ein stärkerer Schubs und ein Faustschlag gegen den Hals. Sein Opfer verlor beim Ausweichmanöver den Halt und ging zu Boden.

Der Angreifer konnte bis zum Eintreffen der Polizei einigermaßen beruhigt werden. Das Opfer selbst hatte eine leichte Rötung am Hals, musste husten, aber bezeichnete in der ersten Verhandlung seine Verletzung als Lappalie. Den Strafantrag zog er zurück, sodass der Angeklagte mit einer Verfahrenseinstellung gegen 1000 Euro davonkam.

Allein: Er zahlte nicht – nach seinen Angaben wegen fehlender Mittel – und wurde deshalb erneut vor Gericht zitiert. Den ersten Prozess ließ er krankheitsbedingt platzen, nunmehr wiederholte er seine Rechtfertigung, dass er zwar geschubst, aber nicht geschlagen habe. Die Staatsanwältin maß der Glaubwürdigkeit der Zeugen, die ohne Belastungseifer aussagten, mehr Beweiskraft zu. Negativ für den Angeklagten wirkten sich neun Vorstrafen aus, wenn auch bestenfalls Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte als einschlägig zu bewerten war.

Bei ihrem Strafmaß von 130 Tagessätzen je 53 Euro (6890 Euro) stutzte jedoch auch Richter Andreas Wassermann. Er verurteilte den Mann nun zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen je 53 Euro (1590 Euro). „Eine Vervielfachung der Geldauflage ist ein bisschen unfair“, erklärte er das Urteil. Zu Gunsten des Angeklagten müsse berücksichtigt werden, dass er alkoholbedingt enthemmt gewesen sei und es keine schweren Verletzungen gegeben habe. Anderseits stehe er nicht zum ersten Mal vor Gericht, sodass eine Strafbarkeit mit Erhöhung der Geldbuße angemessen sei.

Gert Seidel

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