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„Unsere freie Kapazität ist gleich null“

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Von: Wolfgang Krzizok

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Flucht nach Deutschland: Im Landkreis Erding kommen seit einigen Wochen wieder deutlich mehr Asylbewerber an. Die Zahl hat auch wegen der Ukraine-Flüchtlinge einen neuen Höchststand erreicht. Nun werden die Unterkünfte knapp. Das Landratamt ist händeringend auf der Suche nach weiteren Plätzen. © Yorgos Karahalis/dpa

Flüchtlinge sind wieder ein großes Thema. Vor allem in der Gemeinde Moosinning, wo seit ein paar Wochen knapp 30 kurdische Männer in der Turnhalle in Eichenried untergebracht sind.

Erding/Eichenried - In der Bürgerversammlung am Dienstag im Bürgersaal in Eichenried wurde über dieses Thema ausgiebig diskutiert.

In seinem Rechenschaftsbericht erklärte Bürgermeister Georg Nagler, dass seit 2016 am Auweg 13 und an der Lindenstraße neun Flüchtlinge untergebracht seien. Aktuell würden auch rund 40 Ukrainer in der Gemeinde leben, „ich weiß aber nicht, ob das nur Flüchtlinge sind“. Im Oktober habe das Landratsamt einen Hilferuf an die Gemeinde geschickt: „Bitte, bietet uns Wohnraum an.“ Die einzige einigermaßen geeignete Liegenschaft sei die Halle in Eichenried gewesen. Dass rund 30 kurdische Männer von der Regierung von Oberbayern geschickt worden seien, darauf hätten Landkreis und Gemeinde keinen Einfluss. Letztlich sei es egal „ob Männlein oder Weiblein“. Nagler beschwor „die Solidarität im Landkreis, es geht um Flüchtlinge“.

Landrat Martin Bayerstorfer bedankte sich in seiner Rede: „Das alles wäre nicht zu schaffen ohne die Unterstützung der Bürgermeister.“ Flüchtlinge würden zugeteilt, und wenn man keine Adresse angeben könne, würden sie halt zum Landratsamt gebracht. „Unsere freie Kapazität ist gleich null“, stellte der Landrat fest. „Wahrscheinlich kommen diese Woche auch wieder welche, aber im Moment wissen wir nicht, wohin.“ Im Landratsamt würden sich mittlerweile 50 Vollzeitkräfte ausschließlich um Flüchtlinge kümmern. 2200 Flüchtlinge leben derzeit im Landkreis, davon die Hälfte aus der Ukraine. „Fast 60 Prozent sind privat untergebracht – Dankeschön dafür“, sagte Bayerstorfer.

„Es ist unsere ureigenste Verpflichtung, Menschen in Not zu helfen“, betonte der Landrat. Er sei strikt gegen Traglufthallen und Massenunterkünfte. „Das geht vielleicht für ein bis zwei Wochen, aber nicht auf Dauer.“ Bayerstorfer schloss mit einem Appell: „Gemeinsam können wir viel erreichen. Helfen Sie bitte mit“, bat er. „Es braucht Entgegenkommen und Toleranz – es sind Menschen.“

„Wir sind Partner des Landkreises, und ich lasse den Landkreis nicht hängen“, versprach Gemeindechef Nagler, ehe ausführlich über das Thema diskutiert wurde und sich Bürgermeister sowie Landrat den Fragen stellten. Warum sich manche Gemeinden der Verantwortung entziehen könnten, lautete eine Frage. „Hätten wir die Halle nicht gehabt, hätten wir auch nichts anbieten können“, entgegnete Nagler.

Angesprochen auf die Schließung von Camp Shelterschleife im Fliegerhorst Erding, erklärte der Landrat, dass damals vom Bund zwei große Aufnahmelager festgelegt worden seien, in Erding und nahe Straubing, mit Platz für rund 5000 Menschen. Diese seien „nur zur Identifikation und Weiterleitung geschaffen worden, mit einer Aufenthaltsdauer von maximal 14 Tagen“. Mittlerweile habe der Bund aber alles abgebaut.

Dass die Vereine „vergessen“ würden, dagegen wehrte sich Nagler. Es habe einen Runden Tisch gegeben, „und wir konnten für jeden Verein, der in der Halle war, einen adäquaten Ersatzraum zur Sportausübung finden“. Freilich gebe es „marginale Einschränkungen“. Aber: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Der Bürgermeister berichtete auch, dass Rewe in Eitting Hilfskräfte suche und der Helferkreis regelmäßig Männer dort hinfahre, damit sie dort arbeiten. Nagler bat, die Flüchtlinge nicht vorzuverurteilen. „Das sind sympathische junge Männer, das ist Fakt“, betonte er. „Gebt bitte jedem eine Chance.

Heftiger wurde die Diskussion, als ein Bürger behauptete, Flüchtlinge seien am Fußballplatz gewesen und hätten gefragt, wo Party sei und wo man für Sex hingehen könne. Dem widersprach Monika Poppel vom Helferkreis, die sich gegen „Aggressivität und Vorbehalte“ wehrte. Man solle nicht „unterschwellig Gefahr simulieren“. Sie betonte: „Bisher gab es keine Probleme, es ist keine Gefahr spürbar.“ Auf die Frage, wie lange die Flüchtlinge in Eichenried bleiben, sagten Landrat und Bürgermeister: „Wir wissen es nicht.“ wk

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