Herzliche Wertschätzung: Beim Ehemaligen-Treffen wurde Traudl Mayr (2. v. l.) von vielen früheren Mitarbeiterinnen begrüßt. Auch Brunhilde Mayr (r.) freute sich auf das Wiedersehen. Alle hatten sich viel zu erzählen.
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Herzliche Wertschätzung: Beim Ehemaligen-Treffen wurde Traudl Mayr (2. v. l.) von vielen früheren Mitarbeiterinnen begrüßt. Auch Brunhilde Mayr (r.) freute sich auf das Wiedersehen. Alle hatten sich viel zu erzählen.
Halten zusammen: Traudl und Matthias Mayr. Das Bild entstand am 90. Geburtstag von Matthias Mayr – beim Mayr-Wirt.
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Halten zusammen: Traudl und Matthias Mayr. Das Bild entstand am 90. Geburtstag von Matthias Mayr – beim Mayr-Wirt.
Mit dem Kühlwagen war Verkaufsfahrer Alfred Wielsch in den 1970er Jahren täglich unterwegs. Er belieferte alle Filialen von F. X. Mayr im Großraum München.
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Mit dem Kühlwagen war Verkaufsfahrer Alfred Wielsch in den 1970er Jahren täglich unterwegs. Er belieferte alle Filialen von F. X. Mayr im Großraum München.
Vier Männer, zwei Generationen: Matthias Mayr (2. v. r.) mit seinen drei Söhnen Andreas, Matthias jun. und Thomas (v. l.). Andreas führt die Wirtschaft noch bis Silvester.
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Vier Männer, zwei Generationen: Matthias Mayr (2. v. r.) mit seinen drei Söhnen Andreas, Matthias jun. und Thomas (v. l.). Andreas führt die Wirtschaft noch bis Silvester.
Vor dem Hauptladen an der Haager Straße ließen sich 1961 fotografieren (v. l.): Traudl Mayr und die Verkäuferinnen Waltraud Holzner, Hildegard Deres, Hilde Fisch und Claudia.
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Vor dem Hauptladen an der Haager Straße ließen sich 1961 fotografieren (v. l.): Traudl Mayr und die Verkäuferinnen Waltraud Holzner, Hildegard Deres, Hilde Fisch und Claudia.

Die goldenen Jahre des Mayr-Wirt 

F. X. Mayr: Fleischwaren made in Erding

Seit 126 Jahren gibt es den Mayr-Wirt an der Haager Straße. An Silvester schließt er für immer seine Pforten. Ein Anlass zurückzublicken auf die goldenen Jahre in der Fleischwarenfabrik F.X. Mayr. Traudl und Matthias Mayr erinnern sich.

ErdingDie 19-jährige Gertraud Zöller ist nicht begeistert, als ihr Vater im Jahr 1949 von Bad Reichenhall nach Erding versetzt wird und die ganze Familie mit umziehen soll. Die gelernte Einzelhandelskauffrau findet aber gleich eine Anstellung im Hauptladen der Firma F. X. Mayr an der Haager Straße und hat sofort ein gutes Verhältnis zur Chefin Mathilde Mayr. „Trotzdem hatte ich oft Zeitlang nach den Bergen. Es war mir hier zu flach“, erzählt Traudl.

Bei der Arbeit lernt die junge Frau auch den Sohn des Hauses, Matthias, kennen. Das gemeinsame Interesse an Büchern bringt sie einander näher. Erst werden viele Bücher getauscht, im Jahr 1953 dann auch die Trauringe. Die drei Söhne kommen in den Jahren 1954, 1957 und 1964 zur Welt. In der Firma lautet die Devise „Eine junge Frau gehört ins Geschäft“, deshalb arbeitet Traudl Mayr weiter Vollzeit im Laden. Nach dem altersbedingten Rückzug der Schwiegermutter leitet sie diesen in den Anfangsjahren zusammen mit Schwägerin Leni Moser, danach ist sie allein verantwortlich.

Wenig Zeit für die Kinder

„Es war nicht einfach, sich in dem großen Familienverbund seinen Platz zu erarbeiten“, sagt die heute 88-Jährige. Für Haushalt und Kinder stand ihr zuerst Großtante Rosa, dann ein vertrauenswürdiges Kindermädchen zur Seite. „Ich hätte schon gern mehr Zeit für meine Kinder gehabt“, bedauert sie noch heute. „Besonders schlimm war es, wenn eines der Kinder krank war. Das tat mir immer weh.“

Im Geschäft liegen der Jung-Chefin besonders die Lehrlinge am Herzen. „Wir hatten über die Jahre bestimmt 25 bis 30 Lehrlinge im Laden, und alle haben die Prüfung gut bestanden“, freut sie sich. Auf Anhieb kann Traudl Mayr heute noch fast 20 ihrer ehemaligen Azubis mit Namen und Wohnort aufzählen. Ihr hervorragendes Gedächtnis kam ihr auch im Geschäft zugute, wo sie sich problemlos die Namen und Wünsche der zahlreichen Stammkundinnen merken konnte. „Ich habe immer gern Gedichte auswendig gelernt und praktiziere das heute noch, um mein Gehirn in Übung zu halten“, erzählt Traudl Mayr schmunzelnd. Für die Lehrlingsausbildung hatte sie den Ausbilderschein bei der IHK erworben, hielt Kontakt zur Berufsschule und unterstützte die Azubis in der Prüfungsvorbereitung.

Der normale Arbeitstag im Laden begann montags bis freitags um 7 Uhr und endete um 19 Uhr – mit einer Mittagspause von eineinhalb Stunden. Samstags startete der Dienst bereits um 5 Uhr früh, geschlossen wurde mittags um 13 Uhr – und nach dem Aufräumen begann das Wochenende.

Voll des Lobes ist Traudl Mayr heute noch über ihre Schwiegermutter Mathilde: „Sie war mir menschlich ein großes Vorbild, daneben habe ich sie auch im höchsten Maße bewundert für ihre unermüdliche Tatkraft.“

Bombenangriff zerstört Firmensitz

Nach dem frühen Tod ihres Ehemanns Franz 1947 trug die Seniorchefin einen Großteil der Belastung durch das Geschäft alleine und zog die vier Kinder Franz, Matthias, Mathilde und Magdalena auf. Traudls späterer Ehemann Matthias wurde nach der Ausbildung zum Metzger im heimischen Unternehmen zum Kriegsdienst eingezogen. Die Nachricht vom verheerenden Bombenangriff auf Erding am 18. April 1945, dem auch der Firmensitz an der Haager Straße zum Opfer fiel, erreichte ihn in der Kaserne in Traunstein. „Ein Freund war extra mit dem Motorrad rausgefahren, um mir Bescheid zu sagen, wie es mit unserer Familie stand“, erinnert sich Matthias Mayr dankbar.

Schwer waren die Jahre des Wiederaufbaus nach Kriegsende, um die Firma wieder in Schwung zu bringen. Die Familie rückt zusammen und baut – unterstützt von den Ehegatten der Kinder – den Betrieb auf und aus. Tochter Mathilde Kummer und ihre Schwägerin Brunhilde Mayr leiten fortan die Gastwirtschaft, Matthias Mayr die Wurstfabrik. Seine Gattin Traudl leitet mit Leni Moser die Metzgerei an der Haager Straße. Mathildes Mann Karlhans Kummer nimmt die Geschicke des Unternehmens als Geschäftsführer in die Hand und führt es in die goldenen Jahre. Kummer stirbt Ende 2015 mit 95 Jahren.

„Ich habe den Lkw-Führerschein auf einem Holzgaser gemacht und wir haben mit zwei Wagen die Ware ausgefahren. Geschlachtet wurde im alten Schlachthof Am Gries, das Fleisch habe ich mit der Eidechse, (ein elektrischer Handwagen ähnlich einem Gepäckwagen, Anm. der Redaktion) zur Verarbeitung in die Fabrik gezogen“, erzählt Matthias Mayr aus der Zeit nach dem Krieg.

Im Familienbetrieb lag Mayrs Schwerpunkt weiter im Versandbereich. Um die Waren zur morgendlichen Geschäftsöffnung in die Münchner Filialen zu bringen, begann die Arbeit im Versand bereits kurz nach Mitternacht. Bis zum frühen Morgen wurden die Bestellungen hergerichtet und dann ausgefahren. „Das musste schnell gehen, denn wir hatten noch keine richtigen Kühlwagen, die Lkw waren nur isoliert“, erzählt der heute 90-Jährige. Seine Gattin ergänzt trocken: „Wegen der Arbeitszeiten sind wir abends nur sehr selten ausgegangen.“

Ein zweites Standbein neben dem Verkauf der Wurst- und Fleischwaren war für die Ladenmitarbeiter die Lieferung von Hochzeitsbuffets. Hochzeiten mit 200 bis 300 Gästen wurden in Wirtschaften auf dem Land gefeiert, das Büffet lieferte oft die Firma F. X. Mayr. Als besondere Hausforderung erinnert sich die ehemalige Chefin an die Ausrichtung des Buffets für 700 Gäste anlässlich der Fertigstellung der „7 Zwerge“ genannten Hochhäuser in Altenerding-Süd in den 1970er Jahren. „Da sind wir schon an unsere Grenzen gekommen und haben alles an Platten und Geschirr zusammengekratzt, was in unseren Haushalten zu finden war“, erzählt Traudl Mayr. „Das Wichtigste war, dass am Ende alles bestens geklappt hat und der Auftraggeber zufrieden war.“

Familienurlaub am Wörthersee

Das jährliche Highlight für die Familie war der Urlaub am Wörthersee in Kärnten (Österreich). „Hier konnten sich die Kinder austoben, und auch für uns Eltern waren die zwei Wochen sehr entspannend“, schwärmt das Ehepaar noch heute. Der Kontakt zu den Wirtsleuten am See besteht weiter. Sohn Andreas hält die Tradition des jährlichen Wörthersee-Urlaubs lebendig.

Viel Zeit für Hobbys blieb den Mayrs nicht. Matthias Mayr entwickelte sich allerdings zum begeisterten Amateurfunker, der im Erdinger Funkerverein treue Freunde gefunden hat. Seine Gattin Traudl entspannte gerne bei Handarbeiten. Berühmt waren im Familienkreis ihre gestrickten Hüttenschuhe nach Schwiegermutters „Rezept“. Gemeinsam ist den Eheleuten immer noch die Liebe zu Büchern.

Die Söhne Matthias, Thomas und Andreas wohnen mit ihren Familien im näheren Umkreis, und so freuen sich die Mayrs über den Besuch der drei Kinder, acht Enkel und von Urenkel Ludwig. Erst kürzlich konnte Matthias Mayr im Kreis der Großfamilie seinen 90. Geburtstag feiern. Der Jubilar blickt auf über 50 Arbeitsjahre zurück. Seine Gattin hielt dem Familienbetrieb fast 43 Jahre lang die Treue. Da erübrigt sich die Frage, wo der runde Geburtstag gefeiert wurde: selbstverständlich beim Mayr-Wirt!

Gerda Gebel

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