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Hochbetrieb herrscht in der Innenstadt an den verkaufsoffenen Sonntagen und Märkten.

Vorschlag von Ob Gotz

Nur noch ein verkaufsoffener Sonntag?

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Erding - Kalt erwischt hat OB Max Gotz die Stadträte im Verwaltungs- und Finanzausschuss: Sein überraschender Vorschlag, künftig nur noch einen verkaufsoffenen Sonntag in Erding zuzulassen statt bisher vier, stieß auf mehr Erstaunen als Gegenliebe. Am 23. Februar wird darüber abgestimmt.

Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) hatte das Überraschungsmoment auf seiner Seite, als er am Donnerstagabend kundtat, dass er keine vier verkaufsoffenen Sonntage in der Innenstadt und den Gewerbegebieten Sempt-Park und Erding-West mehr haben wolle. Einer reiche, so seine Ansicht. Gotz’ Argument neben der Entlastung der Arbeitnehmer in der Region: Die vor allem in den Gewerbegebieten initiierten besonderen Anlässe, die eine Öffnung der Geschäfte an vier Sonntagen im Jahr juristisch erst erlauben, seien in der Realität kaum erkennbar. „Das war in den letzten Jahren schon sehr ärgerlich“, sagte er. In den Gewerbegebieten West und Sempt-Park hatte es beispielsweise einen Tag der Rettungskräfte, ein Frühlingsfest oder einen Hobbykünstlermarkt gegeben. Der OB schlug vor, nur noch einen verkaufsoffenen Sonntag zuzulassen. Dieser würde heuer am 5. Juni stattfinden – und zwar mit dem Schwerpunkt Fairtrade. Die Stadträte waren sichtlich überrumpelt. Offenbar hatte Gotz nicht einmal seine CSU-Fraktion über seinen Vorstoß vorab informiert. Diesen bezeichnete Hugo Gruber (Erding Jetzt) als „gewaltigen Schlag gegen die Innenstadt“. Der Unternehmer betonte, wie wichtig die verkaufsoffenen Sonntage und Märkte für das Zentrum seien. Viele Kunden würden auch aus den Nachbarstädten kommen. Gruber erinnerte zudem an das aktualisierte Einzelhandelsgutachten, das der Stadtrat in Auftrag gegeben hatte. Das belege, dass die Kundenfrequenz in der Innenstadt nachlasse. „Ich habe kein Verständnis, dass wir der Innenstadt so etwas antun“, sagte Gruber. Es gebe auch keine Probleme, Angestellte zu finden: „Unsere Leute arbeiten gern am Sonntag. Sie bekommen das doppelte Geld.“ Rainer Mehringer (Freie Wähler) konnte Gotz’ Argumentation als Privatmensch zwar folgen, hielt es aber als Wirtschaftsreferent für einen „radikalen Schritt, von vier auf einen Sonntag runterzugehen“. Schließlich „bringen diese Sonntage einen nicht unwesentlichen Umsatz für die Geschäfte“. Für Josef Hochholzer (Freie Wähler) sind die verkaufsoffenen Sonntage in der Innenstadt historisch gewachsen. Erst später seien die Gewerbegebiete dazugekommen. Die Innenstadt jetzt dafür zu bestrafen, dass in den Gewerbegebieten die besonderen Anlässe nur halbherzig umgesetzt würden, „halte ich für den falschen Weg“. Helga Stieglmeier (Grüne) wollte zwischen Innenstadt und Gewerbegebieten differenzieren. Auch Hans Schmidmayer (SPD) beschlich ein „unwohles Gefühl“. Er schlug vor, die verkaufsoffenen Sonntage nur noch im Zentrum zuzulassen. Janine Krzizok (CSU), selbst Juristin, sieht die rechtlichen Voraussetzungen für vier verkaufsoffene Sonntage in der Innenstadt durchaus als gegeben an und sprach sich für deren Erhalt aus. Siegfried Ippisch (CSU) brach eine Lanze für die Gewerbegebiete. Der Wasserwacht-Chef sagte, der Tag der Rettungskräfte in Erding-West sei sehr wohl gut angenommen worden. „Es ist nicht schick zu sagen, es ist nur zur Geschäftemacherei.“ Die einzige, die Gotz mit seinem Vorschlag glücklich machte, war Eva Döllel (ÖDP): „Ich bin begeistert.“ Ihrer Fraktion hätten immer die besonderen Anlässe für die Sonntagsöffnungen gefehlt. Eine Entscheidung fiel nicht. Die Fraktionen wollen noch beraten – und wohl am 23. Februar im Stadtrat entscheiden.

zie

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